Beretta Storm

Beretta Storm Cx4 CO2  - UMAREX

„Storm“ frei

Die IWA 2007 brachte es ans Licht: UMAREX, Inhaberin der Beretta-Namenslizenz, fertigt einen CO2-betrie- benen Nachbau der „Storm Cx4“ im Kaliber 4,5 mm. Dabei hielten sich die Arnsberger optisch und technisch so nahe am Großkalibervorbild, wie dies die Adaption auf den Treibgasbetrieb irgend zuließ. Dieser „Beretta“-Klon ist frei ab 18 Jahren erhältlich, da die verschossenen Diabolos die Anfangsenergie von 7,5 Joule nicht über- schreiten.

Schon einmal boten die UMAREX-Marketingstrategen eine CO2-Waffe feil, die dem 2003 erschienenen Pistolen- karabiner nachempfunden war. Im Rahmen einer Kooperation mit dem US-amerikanischen „Crosman“-Konzern hatte den Europavertrieb der „Nightstalker“ übernommen.

Bild unten: Oben “Storm” und “Nightstalker”

Was „Crosman“ nicht gelang , nämlich die nahezu perfekte optische Übereinstimmung mit dem Vorbild zu orga- nisieren, ist UMAREX nun in tadelloser Manier geglückt. „Mal wieder!“, darf bewundernd hinzugefügt werden, denn der erfahrenen Mannschaft der Arnsberger Waffenschmiede ist dies seit 1996 schon wiederholt gelun- gen und hat dabei eine Menge an innovativer Ideen entwickelt und umgesetzt. Etliche Patente und Namens- lizenzen künden davon. Wer „muzzle.de“ aufmerksam „studiert“, dürfte davon gelesen haben.

--- Link “Walther CP88”

--- Link “850 Air Magnum”

--- Link “Crosman Nightstalker”

Das Vorbild:

Modell: “Beretta Cx4 Storm”

Hersteller: Pietro Beretta S.p.A. (Italien)

Typ: Pistolenkarabine, Selbstlader

Design: Giorgio Giugiaro

Erschienen: 2003

Kaliber: 9mm x 19 / 9mm x 21 / .40 S&W / .45 ACP

Namensgebung: „Cx“ steht für den Luftwiderstandskoeffizienten (auf Deutsch cw-Wert), als Hinweis auf das stromlinienförmige Design. - Die „4“ zeigt die Anzahl der optional wählbaren Kaliber an.

 

 

 

 

 

 

 

Technische Daten:

Hersteller: UMAREX Sportwaffen GmbH & Co. KG   www.umarex.com

Modell: „Beretta Cx4 Storm“ (Originalmarkings)

Vorbild: „Beretta Cx4 Storm“ – Selbstladepistolenkarabiner

Serien-Nr.: CX072401854

Kaliber: 4,5 mm (.177) – Diabolo, BB-Blei

System: CO2 Selbstlader mit „BlowBack“-Funktion (Magazintransport und Vorspannen mittels “BlowBlack”)

Antrieb: CO2-Kartusche 88g   (2 x 12-g-Kapseladapter verfügbar)

Magazin: rotierendes Kettenmagazin mit 30 Kammern im Griffstück (Zusatzmagazine als Zubehör erhältlich: Art.-Nr.: 475.100)

Mündungsgeschwindigkeit (Vo): bis zu 170 m/s (max. 7,5 Joule)

Ausbeute je Kartusche: ca. 250 Schuss

  

Anzug: Druckpunktabzug mit kurzem Vorzugsweg

Sicherung: Manuelle Abzugssicherung und Fallsicherung

Visierung: Offene Visierung bestehend aus seitenverstellbarer Lochkimme und höhenverstellbarem Korn.

Lauflänge: 445 mm

Lauf: Gezogen, Stahlseele

  

Länge: 780 mm

Höhe: 195 mm

Breite: 58 mm

Gewicht: 2.495 g (leer)

Ausführung: Gehäuse aus glasfaserverstärktem Polymerkunststoff, Picatinny-Schiene auf dem Gehäuse, Bau- teile für BlowBack-System aus Stahl (!)

Preise (UVP):

329,- EUR (Ausführung Standard)

449,- EUR (Ausführung „XT“) incl. Zielfernrohr, Schalldämpfer, Bipod, Weaver-Schienenadapter

Lieferumfang (Standardausführung): Waffe im originalen „Beretta“-Hartschalenkoffer, Manual, Inbusschlüssel, 88-g-CO2-Kapsel.

  

Zubehör: Kapseladapter für 2 x 12g-CO2-Kapseln

CO2-Kartusche: Das Einsetzen der 88-g-Kapsel ist im Handumdrehen erledigt. Durch das Eindrücken der Vertiefungen am Schaft lässt sich die Schaftkappe einfach abnehmen. Die Treibgaskapsel wird dann nur noch in den Schaft eingesetzt und am Ventilbauteil, bis zum Anstechvorgang, festgedreht. Kappe wieder auf- stecken, ...fertig! Der Inhalt reicht für rund 250 Schuss und ein Teil wird dabei für den „BlowBack“- Mechanismus abgezweigt.

  

  

  

                                    

Magazin: Im Griff findet man nicht die üblichen 8- oder 10-schüssigen Trommelmagazine vor, sondern ein sogenanntes Kettenmagazin. 30 Kugeln (Diabolos/Blei-BB) vermag es aufzunehmen. Die Geschosse dürfen maximal eine Länge von 10 mm besitzen und werden einzeln von Hand in die Geschosslager platziert. Bei der eigentlichen Kette handelt es sich um ein freilaufendes, elastisches Kunststoffband. Die Funktion gleicht dem eines Paternoster-Aufzuges und die Kammern werden nach jeder Schussabgabe durch den „BlowBack“- Mechanismus um eine Position weiter gedreht.

Interessantes Detail: Sobald der Gasdruck in der verwendeten CO2-Kapsel so weit abgesunken ist, dass dieser nicht mehr zum störungsfreien Schießen ausreicht, wird der Magazintransport automatisch ausgesetzt. Dies generiert beim Abschlagen in der Folge zwar Leerschüsse, verhindert aber recht zuverlässig, dass Geschosse im Lauf stecken bleiben.

Der Hersteller empfiehlt, die Kette nach dem Aufmunitionieren eine komplette Drehung durch das Magazin zu ziehen. Dadurch erkennt man ggf. überstehende Diabolos, was im späteren Schießbetrieb u. U. zu Transport- problemen des Magazins, und mithin zu Zuführungsstörungen führen kann. Im Kapitel „Auf dem Schießstand“ dieses Reviews wird davon noch die Rede sein.

  

  

Bild oben rechts: Blick von Griffboden aus in den Magazinschacht

Beim Anblick des Magazins fühlt man sich sofort an die bekannten Magazine der russischen ANICS-Pistolen „SKIF A3000“ und „Beretta A 9000 S“ erinnert. Nur dass diese gekapselt sind, was deren Beladen deutlich fummeliger gestaltet. Bild unten: Magazine v. o. n. U.: “UMAREX Beretta Storm”, “ANICS Beretta A9000 S, “ANICS SKIF A 3000”

Link “ANICS SKIF A 3000”

Link “ANICS Beretta A9000 S”

Link “Crosman Nightstalker”

Ladeschieber / Durchladehebel: Vor der ersten Schussabgabe zieht man den Ladehebel zum Spannen des Schlagstücks bis zum Anschlag zurück und lässt ihn wieder nach vorne gleiten. Alle weiteren Spannvorgänge übernimmt im Schießbetrieb der „BlowBack“-Mechanismus.

  

Die Waffe kann im entsicherten und entladenen Zustand auch wieder entspannt werden. Dazu zieht man den Durchladehebel in die hintere Position, hält ihn dort per Hand fest und betätigt den Abzug. Dabei den Hebel langsam nach vorne führen.

Beim Großkalibervorbild ist der Ladeschieber optional rechts oder links montierbar. Beim CO2-Pendant hat man da allerdings keine Wahl. Rechtslage ist unveränderbare Vorgabe, was Linkshändern entgegen kommt, für Rechtshänder jedoch unpraktisch ist, weil man Übergreifen muss. Aber da dies ja nur einmalig beim Beginn des Schießens erfolgen muss, ist dies keine große Einschränkung. Bei der „Crosman Nightstlker“ findet sich der Ladeschieber übrigens auf der linken Waffenseite. (Bild unten)  

Visierung: Die UMAREX-„Storm“ verfügt über keine umklappbare Lochkimme mit unterschiedlichen Lochdurch- messern für verschiedene Distanzen, wie das Original oder auch die „Crosman Nightstalker“. Am Korn nimmt man die Höhenverstellung vor, die seitliche Justierung an der Kimme.

  

  

Bilder unten: Visiervergleich “Storm” (jeweils unten) vs. “Nightstalker”

  

Sicherung: Die Druckknopfsicherung ist Vorbildgetreu, ebenso wie der Magazinhalter.

  

Gehäuse:

- Verschlusshebel = Fake, Gehäuseteil ohne Funktion.

- Riemenbügel nur angedeutet, keine Trageriemenbefestigung möglich

- Hinterschaft etwas voluminöser (wenige mm höher) als beim Original

- Picatinny-Schiene Kunststoff, beim Original Metall

- Wangenauflage durch angerauhte Oberfläche nur angedeutet. Original = gummibeschichtet

- Patronenauswurffenster = zurückschiebbare Abdeckklappe, die beim Schuss den Blick auf das metallene Innere freigibt   

- Gehäuse im Spritzgießverfahren hergestellt. Dies wird nicht direkt bei UMAREX gemacht, sondern in ent- sprechenden Spezialbetrieben, die jedoch die Werkzeuge für diese Technik aus UMAREX-Produktion beziehen.

  

  

Auf dem Schießstand:

Wer das UMAREX-„Storm“ mit auf den Schießstand nimmt, hat natürlich vorher – wie vom Hersteller empfohlen – aufmerksam die beiliegende Bedienungsanleitung studiert, und verspricht sich von diesem Gewehr ein ein- faches Handling. Eine Actionwaffe dieser Kategorie generiert natürlich auch die Erwartung, dass gute Prä- zision und fehlerfreie Funktion geboten wird. All dies, ich darf es vorweg nehmen, ist auch der Fall. Allerdings müssen alle Vorgaben auch korrekt eingehalten werden, denn diese Formel ist mehr als treffend: „shit in“ = „shit out“.  – Was damit vorallem gemeint ist, bezieht sich auf das Magazin, respektive dessen Bestückung.  

Greifen wir also flugs in die Diabolo-Dose und stecken die Geschosse manuell Stück für Stück in Kammern. 30 an der Zahl. Spätestens nach drei verschossenen Magazinfüllungen beginnen Speedloader-verwöhnte Zeitge- nossen diese Ladehilfe für Trommelmagazine zu vermissen. Aber da hilft kein jammern, da muss man durch. Immerhin wird man dafür jeweils mit rasanten Schussfolgen dank der hohen Magazinkapazität entlohnt. 

Die erste Füllung war also geladen, das Ziel ins Visier genommen, die Spannung stieg und...  siehe da: Leerschüsse! Immer wieder unterbrachen Leerschüsse das muntere Scheibenschießen, ohne das beim Betä- tigen des Abzuges Kugeln aus dem Lauf befördert wurden. Die Inspektion ergab, dass einige Diabolos ein wenig aus den Kammern gerüttelt worden waren und das einwandfreie Rundlaufen des Kettenmagazins ver- hinderten. Nun hatte mich die Bedienungsanleitung ja darauf hingewiesen, dass es sinnvoll sei, vor dem Einsetzen des Mags in die Waffe, den leichten Lauf der Kette zu kontrollieren. Das war zwar nicht unter- blieben, jedoch reicht offenbar das Bündige einsetzen des Diabolos nicht aus, um Transportprobleme des Magazins im Schießbetrieb zuverlässig zu verhindern. Der Vollständigkeit halber: Verwendete Munition = „H&N Final Match“.

Ich ergriff nun eine weitere offenbar notwendige Maßnahme und vergrößerte die Setztiefe der Diabolos in den 10 mm tiefen Kammern soweit, dass diese stramm und fest versenkt saßen. Das allerdings war mit bloßen Fingern nicht mehr zu bewerkstelligen, ein Werkzeug musste dafür herhalten. Geeignet dazu ist z. B. der der Waffe beiliegende kleine Inbusschlüssel für die Visiereinstellung. Mit diesem habe ich dann jedes bündig eingesetzte Diabolo nochmals bearbeitet. Mit Erfolg! Von da an keine Transportprobleme des Magazins mehr. Alles verlief nun reibungslos. Die Gegenprobe mit einem wieder nur von Hand gestopften Magazin ergab dann letzte Klarheit: Wieder blieb das Magazin hin und wieder hängen. Wieder kam es zu Leerschüssen. Wie gesagt: „shit in = shit out”.

Das Kettenmagazin der „Storm“ erinnert also nicht nur optisch an die ANICS-Lösung, sondern auch die not- wendige Verwendung eines Setzwerkzeugs ist dieser gleich. ANICS liefert dazu eigens einen kleinen Stift mit umlaufender Anschlagkante mit, um eine gleichmäßige Setztiefe der Geschosse zu ermöglichen. Darauf sollte man bei UMAREX auch zurückgreifen, das wäre hilfreich.

Nachtrag November 2008: Späteren Modellen der “Cx4” wurde ein Ladewerkzeug zum Lieferumfang beigefügt. Abb. unten. (Ergänzung nach einem Hinweis des Lesers M. Hamburger; vielen Dank.) - Vielleicht eine Reaktion auf die Kritik in diesem Review, wer weiß? ;-)

 

Im Schießbetrieb legt die „Storm“ ein recht kerniges Verhalten an den Tag. Der Schussknall ist herzhaft laut und der durch das „BlowBack“-System erzeugte Impuls auf die Schulter rüttelt einen schon ganz kräftig durch. Der Abzug arbeitet mit kurzem Weg und angenehmem Druckpunkt. Es lässt rasant schnelle Schussfolgen zu. Übertreiben sollte man dabei allerdings nicht, denn dann neigt die Technik zum Vereisen. Die Präzision auf 8 m Schussdistanz in den Testdurchgängen ist als sehr gut zu bewerten. Geschossen habe ich dabei ausschließlich mit der offenen Visierung, deren Lochkimme zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, dann aber doch tadellos einzurichten ist. Wichtig ist aber gute Beleuchtung der Zielregion. Selbst stehend-freihändig ließ sich das Schwarze einer 10-m-LG-Scheibe stets halten. Die Verwendung eines guten RedDot oder Zielfernrohrs (mit Nahdistanzfähigkeit) dürfte dennoch eine empfehlenswerte Alternative darstellen.

Abb. unten: Scheiben aus 8 m Distanz beschossen. Links LP-Scheibe 17x17 cm, rechts LG-Scheibe 14x14 cm.

  

Abb. unten: Scheiben aus 8 m Distanz beschossen. LG-Scheiben 14x14 cm.

  

Das Abräumen eines gut bestückten Action-Schießstandes ist natürlich ganz besonders das Metier dieses Selbstladers. Und bei einer Kapazität von 30 Schuss und ordentlich Power, kommt da richtig Freude auf. Man glaubt gar nicht, wie rasant ein 30er-Magazin entleert ist, und wie schnell eine 88-g-CO2-Kapsel aufgebraucht ist. Ich erinnere daran, dass diese für satte 250 Schuss ausreicht. Das „böse Erwachen“ kommt dann erst, wenn man nachher Müll, Scherben und Berge von Diabolos aufkehren und entsorgen darf. ;-)    

Wünschenswert wäre es, wenn man als Alternative zur 88-g-Kapsel einen Adapter für „2 x 12-g-Kartuschen“ einsetzen könnte, wie er für das „AirMagnum 850“ verfügbar ist. Leider wird ein solcher für die „Storm“ derzeit nicht angeboten.

Fazit: Mit der „Beretta-Storm CO2“ schickt UMAREX einen richtigen kleinen Dampfhammer ins Rennen und sowohl die Verarbeitungsqualität als auch die gezeigten Leistungen auf dem Schießstand machen diesen Look-Alike-Selbstladekarabiner zu einem Muss für aktion-begeisterte Freizeitschützen. „Beretta“-Fans und Liebhaber durchgestylter Formen kommen ohnehin auf ihre Kosten. – Sicher nicht ganz billig der Spaß, aber jeden Cent wert. -  Die „Storm“-freie Bude ist out!! ;-)

GUNIMO

Juli 2007 / November 2008

 

Info:

März 2007, IWA, Nürnberg

Trumpf-As:

 

11.Januar 2007

...und es gibt sie doch!!

Die Beretta Cx4 Storm CO2

 ...frische News von der “Shot Show” in Orlando, 11.-14.1.2007

Wie für gewöhnlich gut unterichtete Kreise verlauten lassen, wird die CO2-Waffe ein 30-schüssiges Magazin (ähnlich der Funktion der “ANICS”-Pistolen) aufweisen und alternativ mit 88g-CO2-Kartusche oder einem Adapter für 2x12g-CO2-Kapseln betrieben. BlowBack-Funktion vorhanden, Hersteller ist die Firma UMAREX.

Wie beim Vorbild (Link), werden die originalen “Beretta”-Markings vorhanden sein:

http://www.cx4storm.com/

 

GUNIMO

Januar 2007 / April 2010