Chiappa Rhino

Chiappa Rhino 50DS

Nach längerer Zeit der Eintönigkeit auf dem CO2-Kurzwaffenmarkt erschien jüngst mal wieder ein interessanter und viel beachteter Revolver, der diese bräsige Beliebigkeit wohltuend durchbricht. Sein Name: „Rhino“ (von Rhinozeros/Nashorn). - Und man muss konstatieren: Der Name ist Programm und passt zu dem rauhbeinigen Produkt wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge.

Die optische Erscheinung des Revolvers mit seinem tiefergelegten Lauf ist sicher mit „brachial“ gut beschrieben und die Gestaltung polarisiert die CO2-Waffen-Gemeinde. So reichen die Reaktionen von „total hässlich“ über „interessant“ bis „ich bin begeistert“… von „würde ich mir nie kaufen“ bis „muss ich haben“.

Der Großhändler „German Sport Guns“ (G.S.G) importiert und vermarktet diesen CO2-Nachbau des „Chiappa“-Großkaliberrevolvers aus Fernost über das deutsche Händlernetz in verschiedenen Ausführungen. Ich habe mir diese Plinking-Waffe beim Fachhändler „Gottlob Bruchlacher“ (Reutlingen) im Nickelfinish gekauft und war vom ersten Augenblick (Neudeutsch: „out of the box“) an begeistert vom optischen und haptischen Gesamteindruck des Revolvers. Letztlich stellte sich zwar heraus, das bei den „inneren Werten“ nicht alles Gold ist was glänzt, aber bereut habe ich die Anschaffung keineswegs. Ganz im Gegenteil habe ich den „Rhino“ gerne in meine Kollektion aufgenommen. Die Details zum „Chiappa Rhino 50DS“, wie er mit voller Bezeichnung beschriftet ist, können im folgenden Review nachgelesen werden. Viel Spaß bei der Lektüre…

        

Anbieter: German Sport Guns (“G.S.G”)

Hersteller: Win Gun

Modell: „Chiappa Rhino 50DS“

Vorbild: „Chiappa Rhino 50DS“ cal. .357 Magnum  (Chiappa Firearms, Italy)

PTB-Liste: Zulassung mit Lfd-Nr. 5667

Serien-Nr.: 20D71439

    

System: CO2

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: ca. 80 verwertbare Schüsse

Kaliber: 4,5 mm BB  (.177)   -  Hinweis: Es können auch Diabolos verschossen werden

Trommelkapazität:  6 Kammern

Mündungsenergie: < 3 Joule

Abzug: Single Action / Double Action (SA/DA)

Abzugscharakteristik: Sehr hoher Widerstand mit holpriger und unsauberer Charakteristik, sowohl  DA als auch SA.

Lauf: glatt (nicht gezogen)

Lauflänge: 5 Zoll (ca. 127 mm)

Sicherung: Schieber hinter dem Hahn blockiert den Hahn/das Schlagstück. Bei bereits vorgespanntem Abzug (SA) ist die Sicherung außer Betrieb.

Visierung: Korn starr, Kimme vertikal und horizontal justierbar

Visierlinie: 160 mm

    

Länge: 248 mm

Höhe: 155 mm

Breite: 36 mm

Gewicht: 1.035 g (leer)

Besonderheit: tief liegender Lauf, ungewohnte Bedienung

Ausführung: Rahmen, Trommel und Bedienteile aus Metall (Zinkdruckguss) - Kunststoffgriffschalen (braun in Holzoptik) - Ladepatronen aus Metall mit Kunststoffeinsatz - Picatinny-Rail unten am Laufmantel - originale Markings dank Lizenz

Lieferumfang: Revolver mit 6 Ladepatronen und mehrsprachiger Bedienungsanleitung im Pappkarton mit Blister-Innenverpackung

Bewertung: Saubere Verarbeitungsqualität - realitätsnahe Handhabung - optisch sehr nahe am Vorbild

Lieferant: Waffe gekauft bei “Gottlob Bruchlacher” -  https://www.brucklacher.eu/

Preis Feb. 2021: ca. 155,- bis 220,- EUR (große Preisdifferenzen im Internetfachhandel)

    

 

Auszug aus der Zulassungsliste der “Physikalisch Technischen Bundesanstalt” (PTB):

Hinweis: Das Warenzeichen “Leader” in der o. g. Liste bezieht sich auf den Importeuer der scharfen Faustfeuerwaffe, die “Leader Trading GmbH”.

 

Das Vorbild:

”Chiappa Rhino 50DS” (Abb. mit Lauflänge 6 Zoll, “60DS”) in verschiedenen Finish-Ausführungen, Kaliber .357 Magnum. Das Sport-Modell “Charging Rhino” im Kaliber 9 mm. Angeboten wird er auch in verschiedenen Lauflängen: 2” (51 mm) mit starrer Visierung, 4” (102 mm), 5” (127 mm) und 6” (152 mm).

    

    

 

CO2-Revolver

”Chiappa Rhino 50DS CO2” (Lauflänge 5 Zoll) in verschiedenen Ausführungen

    

    

    

        

 

Mündungsansicht

Schon die Mündungsansicht zeigt die Besonderheit des “Rhino”. Die Laufseele sitzt tief auf Höhe der unteren Trommelkammer, dafür thront das Korn auf einer hohen, ventilierten Laufschiene. Die nashornartige Anmutung kommt also nicht von ungefähr. Die Mündungsöffnung selbst ist so gestaltet, dass der zurückliegende 4,5-mm-Lauf nicht sofort ins Auge fällt, sondern ganz vorne eine Großkalibermündung mit Zügen angedeutet wird.

                    

Bilder unten: Der Blick tief in die Mündung. Der innere 4,5-mm-Lauf ist glatt, also ohne Züge ausgeführt.

    

 

Korpus und Finish

Fotos unten: Auch wenn der “Rhino” auf Anhieb eine brachiale und wuchtige Wirkung erzeugt, der ausladenste und massivste CO2-Revolver ist er nicht. Im Größenvergleich z. B. hier mit dem ANICS A-201 Magnum relativiert sich die “Wuchtbrummen”-Anmutung erheblich.

Auch auf diesem Bild ist wieder die Besonderheit des “Rhino” augenfällig. Während der “ANICS A-201” den Lauf wie üblich aus der oben liegenden Trommelkammer bedient, fluchtet beim “Chiappa” die untere Trommelkammer mit dem tief liegenden Lauf.

Was sich konstruktionsseitig so ungewöhnlich darstellt, hat einen technisch begründeten Hintergrund und ist in der Waffenwelt auch nichts wirklich Neues: Diese Maßnahme reduziert bei der scharfen Großkaliberwaffe den Hochschlag bei der Schussabgabe. Vorallem bei schnellen Schussfolgen, was der Präzision beim sportlichen Schießen zu gute kommt. Es gilt: Je geringer der Höhenversatz zwischen Seelenachse des Laufs und dem Unterarm des Schützen ist, desto geringer wird der Rückstoß empfunden. - Für die CO2-Version ist das alles natürlich nicht relevant, da bei dieser Technik mit kalten Gasen und viel geringeren Drücken kein Rückstoß erfolgt.

Foto oben unten links: Der an den Rahmen angesetzte Laufmantel wird durch einen senkrechten Spalt zwischen dem (von der Mündung aus gesehen) zweiten und dritten Durchbruch der ventilierten Laufschiene sichtbar. Seitlich findet man dort eine Verstiftung vor, oben ist eine kleine Madenschraube eingesetzt. Es empfielt sich, den festen Sitz der Schraube mittels passendem Inbusschlüssel zu kontrollieren. Bei meinem Exemplar saß die Schraube recht lose.

Optisch ist das kein Leckerbissen, vor allem da sich das Finish des Laufmantels von dem des Rahmens unterscheidet. Die Oberflächenbeschaffenheit des Rahmens ist glatter und auch die Nickelbeschichtung weicht farblich etwas ab. Unter ästhetischen Gesichtspunkten stellt dies nicht gerade einen Benefit dar.

    

    

    

Fotos oben rechts und unten: Der Revolver verfügt über eine 5,5 cm lange Montageschiene (Picatinny-Rail) unter dem Lauf, für das Anbringen von Zubehör (Vordergriff, Lampe*, Laser*). * gesetzl. Reglementierung beachten!

Bilder unten: Der markante “Nashorn”-Laufmantel und die Trommelspalten im Gegenlicht.

    

 

Griff und Handlage

Der “Rhino” bietet insgesamt eine angenehme, aber stark vorderlatistige Handlage. Mit seinem Gewicht von über einem Kilogramm zieht er - der Schwerkraft folgend - besonders im einhändigen Anschlag, kräftig nach unten. Der rundliche Griff ist für mittelgroße Hände sehr gut geeignet, der Griffwinkel passt und der Eingriff in den Abzugsbügel vor dem Züngel ist ausreichend geräumig dimensioniert um ein Einklemmen des Zeigefingers zu vermeiden.

Fotos unten: Die braunen Hartplastik-Griffschalen in Holzoptik sind beidseitig angeraut und bieten insgesamt eine nicht unangenehme Haptik, auch wenn man sich lieber eine weichere, gummierte Oberfläche wünschen würde. Da wackelt und knarzt aber zum Glück nichts. Auf beiden Seiten ist die eingekreiste Silhuette eines Rhinozeroskopfes eingelassen.

    

Bilder unten: Der Blick auf die Vorder- und Rückseite der Griffschalen lässt nicht die geringsten Passformmängel erkennen. Die Griffhälften sitzen sauber abschließend und ohne Versatz oder Spaltenbildung zusammen. Die linke Halbschale ist abnehmbar. Dahinter sitzt die 12-g-Treibgaslapsel. Dazu später mehr.

 

Visierung

Der “Chiappa Rhino” kommt mit einer angenehm dimensionierten, offenen Visierung daher. Der Visierkontrast ist gut. Die Kimme, das ist ein großer Pluspunkt, ist horizontal und vertikal justierbar. Ein Fakt, der bei CO2- und Druckluft-Kurzwaffen für den Plinking-Einsatz eine keinesfalls alltägliche Standardausführung darstellt!

Foto unten: Das Korn sitzt auf einem hohen Sockel, der wiederum auf einer sehr hohen Laufschiene thront. Der Grund für letzteres ist bekannt: Der Lauf ist tiefer gelegt.

Fotos und Abb. unten: Die Seitenjustierung per Schraubendreher ist stufenlos möglich, die Höhenverstellung per Klickrastung einstellbar. Wie es gemacht wird zeigt die Abbildung aus der Bedienungsanleitung (unten rechts).

    

 

Lauf

Wie schon mehrfach hervorgehoben, hat der “Rhino” einen tiefergelegten Lauf. Im Foto unten ist die Ventilöffnung (Treibgasaustritt aus der CO2-Kartusche im Griffstück) mit einem schwarzen Pfeil gekennzeichnet. Die Trommel ist für das Foto ausgeschwenkt.

Bei Schussabgabe wird die Kugel per Gasdruck aus der untersten Trommelkammer in den Lauf befördert. Die Waffe ist im Zustand “out of the box”, also ungereinigt, fotografiert. Deutlich erkennbar ist das herstellerseitig aufgebrachte Fett. Das wurde sehr üppig aufgetragen... weniger ist manchmal doch mehr, im Sinne von besser. ;-)

Fotos unten: Auf der anderen Seite des Rahmens (Richtung Mündung) befindet sich der Laufeingang. Gekennzeichnet ist dieser mit dem schwarzen Pfeil.

    

Der CO2-Nachbau des “Rhino” besitzt einen federnd gelagerten Lauf, der vorne an der Trommel anliegt und dort ein Stück weit in die Trommelkammer hingreift. Dreht sich die Trommel weiter, wird er kurz gegen die Federbelastung im Laufmantel nach vorne gedrückt und greift dann bündig in die nachfolgend sich eindrehende Trommelkammer hinein, u.s.w.. Das ist zwar nicht die originalgetreue Funktionweise, aber in Bezug auf die Gasdichtigkeit sehr gut gelöst (Bilder unten).

    

Fotos unten: Blick in die Mündung. Links unten: Innenlauf in seiner Ruheposition. Rechts unten: Der Lauf ragt einige Millimeter aus seiner Führung im Laufmantel hervor, wenn er - wie oben rechts gezeigt - gegen die Federlast nach vorne bewegt wird.

    

 

Abb. unten: Das Bild zeigt zum Vergleich den CO2-Nachbau (“Gletcher NGT”) des “Nagant M1892”. Auch dort ist ein beweglicher Lauf verbaut.

 

Trommel

Das Kennzeichen eines Revolvers ist das Trommelmagazin. Beim “Rhino” wird dieses zum Be- und Entladen nach links ausgeschwenkt. Dazu wird der linksseitig direkt neben dem Hahn platzierte Hebel betätigt (Fotos und Abb. unten, rote Kennzahl “2”).

    

    

Fotos unten: Durch das Herunterdrücken des Schwenkhebels (schwarzer Pfeil) wird der Trommelaustoßer (weißer Pfeil) herausgedrückt. Dieser presst die federnd gelagerte Trommelachse nach innen und die Trommel kann dann - am Trommelkran hängend - nach links ausgeschwenkt werden.

    

    

Foto unten: Die Befestigungsschraube für den Trommelkran.

 

Beschaffenheit der Trommel

Fotos unten: Die Trommel zeigt zwei Besonderheiten. Erstens: Sie ist nicht Kreisrund, sondern entspricht einem Hexagon mit abgerundeten Ecken. Zweitens: Die Kammern sind nicht aus dem Vollen gefräst, sondern das Bauteil  ist hohl gearbeitet, mit einem inneren Strahlenkranz, in dessen Hohlachse zentral der federnd gelagerte, schwarze Ausstoßerkranz für die Ladepatronen sitzt. Durch diese Bauweise generiert der Revolver bei der Trommeldrehung, beim Bestücken und beim Ein- und Ausschwenken einen charakteristischen, metallischen Klang, den man am ehesten mit dem Geräusch vergleichen kann, als würde man mit dem Finger oder einem Gegenstand kurz auf den Korpus einer Fahrradklinkel tippen. ;-)

    

 

Sicherung

Der “Chiappa Rhino” besitzt eine manuelle Sicherung, die hinter dem Hahn/Schlagstück angebracht ist und diesen/dieses blockiert. Sicherungseinrichtungen dieser Art sind aber keine Neuheit. Vergleiche “Colt Python .357” .

Fotos unten: Liegt der kleine schwarze Schieber/Hebel am Hahn an (Foto links), ist das Schlagstück blockiert und die Waffe kann nicht gespannt werden. Bringt man den Schieber in die hintere Position (dem weißen Pfeil folgend), ist die Sicherung außer Kraft gesetzt (Status “entsichert”). Unschön: Der geriffelte Sicherungshebel sitzt derart stramm, dass man sich beim Verstellen mal ganz schnell die Fingernägel ruiniert.

    

 

Begrifferläuterungen

Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

”Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

Weiterführende Links:

      

 

 

Hahn/Schlagstück

Und auch hier findet man beim Handling des “Rhino” wieder eine Besonderheit vor. Normalerweise läuft das so, wie am u. g. Beispiel gezeigt: Der “Webley Mark VI” verfügt ebenfalls über einen Spannabzug. Der Revolver kann also sowohl im “Double-Action”, als auch im “Single-Action”-Modus geschossen werden.

Bilder unten: Bei vorgespanntem Hahn (SA-Modus / roter Pfeil) entfällt der Vorzugsweg des Abzugs fast gänzlich. Der gesamte Abzugsweg verkürzt sich erheblich (schwarzer Pfeil). Dies bei deutlich vermindertem Widerstand, da die Trommel durch die Abzugsbetätigung nicht mehr um eine Kammer weiter gedreht werden muss. Das wurde von der Mechanik durch das manuelle Hahnspannen ja bereits erledigt. Lediglich der Hahn, der in der hinteren Position einrastet, muss durch die Züngelbetätigung noch gegen einen spürbar leichteren Druckpunkt freigesetzt werden um einen Schuss auszulösen. Danach liegt der Hahn wieder entspannt an und das Abzugszüngel steht in seiner vorderen Position (Bild unten rechts).

    

Nicht so beim “Chiappa Rhino”. Bei diesem kann man den Spannzustand nicht am Hahn ablesen, denn nach dem Spannen bewegt sich der sichtbare (silberne Hahn) wieder nach vorne, obwohl das Abzugszüngel im verkürzten Weg verharrt (siehe weißer Pfeil). - Woran liegt das? Die Erklärung ist einfach: Der sichtbare (silberne) Hahn ist nur der Fingergriff für das eigentliche (schwarze) Schlagstück darunter. Dieses bleibt nach dem Zurückziehen gespannt, der Fingergriff schwenkt darüber hinweg aber wieder nach vorne.

    

    

Auf das konkrete Abzugsverhalten des “Rhino” gehe ich im weiter unten folgenden Kapitel “Auf dem Schießstand” ein.

 

Spannstatusanzeige

Nun kommt die Spannzustandsanzeige ins Spiel. Um den Status auf einen Blick ablesen zu können, haben die Konstrukteure dem “Rhinozeros” einen warnroten Stift spendiert, der linksversetzt auf dem Rahmen zwischen Kimme und Hahn positioniert ist (Fotos unten). Dieser Stift kennt drei Positionen: Bei entspannter Waffe steckt er tief im Rahmen (Bild 1), im vorgespannten Zustand (SA) ragt er ein Stück heraus (Bild 2). Hat man den Schuss ausgelöst und hält den Abzug hinten fest, dann ragt der Stift weit heraus. Das ist gleichermaßen sowohl im SA-, als auch im DA-Modus der Fall. Beim Loslassen des Abzugs verschwindet der Stift wieder in seine zurückgezogenen Ausgangslage (Status entspannt).

    

 

Trommeltransport

Fotos unten: Weißer Pfeil: Die Transportklinke, die bei Abzugsbetätigung, respektive beim manuellen Hahnspannen, ausfährt und in die Rastung an der Trommel greift und diese durch die Bewegung nach oben um eine Kammer weiterdreht.

    

 

Bild unten: Stahlkugeln und eine 12-g-Treibgaskapsel werden für den Betrieb des Revolvers benötigt.

 

Ladehülsen

Bilder unten: Die messingfarbenen Ladehülsen für die Stahlkugeln sind optisch “scharfen” Patronen nachempfunden, aber im Grunde nur Attrappen. Sie bestehen aus einer nicht magnetischen Metalllegierung und einem braunen Kunststoffeinsatz. In dessen minimal elastische hintere Öffnung, dort wo bei scharfen Patronen das Zündhütchen sitzt, wird die Kugel einfach bis zum Anschlag hineingedrückt und dort zuverlässig gehalten. Patronenmaße: Länge ca. 40 mm, Durchmesser ca. 9 mm.

    

    

 

Fotos unten: Das Einsetzen der Ladehülsen in die Trommel. In der Trommelmitte am Ausstoßer sieht man die Trommelarretierung, umgeben von den sechs Transportrastungen. Dort greift die Transportklinke hinein und dreht die Trommel jeweils um eine Kammer weiter.

Der Patronenausstoßer lupft die sechs Patronen (Ladehülsen) mittels des Ausstoßerkranzes aus den Trommelkammern und erleichtert so das Entnehmen. Man kann die lose in ihren Kammern sitzenden Patronen aber auch einfach herausgleiten lassen, wenn man die Waffe in entsprechender Neigung hält.

    

    

    

 

Implementierung der 12-g-CO2-Kapsel

Die CO2-Kapsel wird in den Hohlraum im Griff eingesetzt. Dazu nimmt man die linksseitige Griffschale ab. Um dies zu erleichtern ist im Griffboden eine Vertiefung (Eingriff) eingelassen (Abb. unten).

    

Bilder unten: Innen an der Griffschale ist ein passendes Werkzeug (Inbus/Innensechskant) angebracht, mit dem man die Kapselanstechschraube drehen kann (Foto unten links, weißer Pfeil). Eine sehr praktische Lösung, da man auf diese Weise das für den Kartuschenwechsel benötigte Werkzeug immer griffbereit hat. Aber Vorsicht! Der Inbus ist von einer Plastikhalterung umfasst. Daher sollte man seine Kräfte beim Kapselanstich behutsam einsetzen und dosieren, damit die Halterung nicht durch Überbelastung bricht. Wahlweise kann sicherheitshalber natürlich auch ein externer Inbusschlüssel verwendet werden.

    

Nach dem Einsetzen der Treibgaskapsel die Schraube am Griffstückboden so weit festziehen, bis die Kapselplatte vom Hohldorn (Anstechdorn) am Ventil angestochen wird und somit Treibgas freigeben und einströhmen lassen kann. Meist wird der Anstechvorgang von einem kurzen, leisen Zischgeräusch begleitet. Anschließend die vorher abgenommene Griffschale wieder befestigen. Bild unten rechts: Der von einer grünen Dichtung umgebene Hohldorn, der die Platte auf dem Kapselhals durchbohrt. Auch hier ist wieder sichtbar, dass der Waffenhersteller mit dem Fett nicht gespart hat.

    

    

Fotos unten: Abschließend kann die Griffschale wieder aufgesetzt werden. Links im Bild ist die obere Kante der Griffschale zu sehen, deren Fortsatz hinter den Griffrahmen gesteckt wird, bevor die Schale zwecks Arretierung angedrückt wird. Um einen Schalenbruch zu vermeiden, ist es ratsam dabei umsichtig und feinmotorisch zu agieren.

    

 

Auf dem Schießstand

Der “Rhino” ist ein sauber verarbeiteter und funktionell sehr guter CO2-Revolver und bringt geladen mehr als ein Kilogramm Lebendgewicht auf die Waage. Seine realitätsnahe Handhabung mit den Ladepatronen und die auch ansonsten überwiegend ansprechende Ausprägung, machen ihn zu einer recht attraktiven aber letztlich doch nur eingeschränkt empfehlenswerten Fun-/Actionwaffe für das “Plinking”.

Postiv zu bewerten ist auf jeden Fall die offene Visierung mit höhen- und seitenverstellbarer Kimme und dem recht kontraststarken Visierbild. Nicht ganz zufriedenstellend sind m. E. die für mittelgroße Hände ausgelegten Griffschalen. Insgesamt bieten sie zwar einigermaßen Grip und knarzen auch nicht beim Zufassen, sind aber haptisch, wegen des verwendeten Hartplastik, nicht der Weisheit letzter Schluss.

Negativ zu benennen ist leider der, man muss es so deutlich sagen, grottenschlechte SA/DA-Abzug, der einem den Schießspaß ziemlich “verhagelt”! Hier werde ich mal detailliert darauf eingehen:

a) Wenn man den DA-Abzug (also ohne vorgespanntem Schlagstück) nur etwa ein Drittel weit durchzieht, dann wird die Trommel von der Abzugsmechanik ruckartig um eine Trommelkammer weitergedreht, aber kein Schuss ausgelöst.

b) Zieht man das Züngel im DA-Modus voll durch, ergibt sich folgendes: Ist der erste Abzugswiederstand durchbrochen, was ruckartig geschieht, dreht sich zunächst die Trommel um eine Kammer weiter. Dann “kriecht” der Abzugsweg weiter, bis dann ein weiterer, nun höherer Widerstand zu verspüren ist, bis zu einem gewissen Druckpunkt. Nach dessen Überwindung wird der Schuss ausgelöst. Bei schneller Schussfolge holpert der Abzug regelrecht über die Strecke, dies bei recht hohem Widerstand, der den Abzugsfinger deutlich belastet. Diese schlechte Charakteristik führt dazu, dass der Schütze zum Verreißen der Waffen aus dem Anschlag neigt. Dies ist eigentlich kaum zu verhindern. Ein arg negativer Einfluss auf das erzielbare Schussbild.

c) Wer nun die Hoffnung auf den Single-Action-Modus (vorgespanntes Schlagstück) legt, wird auch hier enttäuscht. Wer den obligatorsch deutlich verminderten Druckpunktwiderstand erwartet, wird negativ überrascht sein. Verkehrte Welt: Der Abzugswiderstand erhöht sich stattdessen deutlich! Beim ersten Versuch dachte ich zunächst tatsächlich, dass der Abzug komplett klemmt. Das war aber nicht der Fall. Nach einem kurzen Vorzugsweg (das immerhin), bleibt der Abzugsfinger an einem Druckpunkt hängen, der beinahe einer Körperverletzung nahe kommt. Auch nach etlichen Durchgängen änderte sich das keineswegs und generierte letztlich einen schmerzend pulsierenden Trigger Finger. Kein wirkliches Vergnügen also.

Fazit

Der “Chiappa Rhino” CO2-Revolver ist optisch und technisch sehr nahe an der originalen Feuerwaffe. Das Handling ist, nicht zuletzt auch wegen der Ladepatronen, recht authentisch und die originalen Markings - dank Lizenzvereinbarung - sind ein zusätzliches Schmankerl. Für Liebhaber authentischer Repliken ist er fast ein Muss. Er hat einiges zu bieten, was ihn zu einer durchaus ansprechenden Fun-/Actionwaffe für das “Plinking” macht und auch in der Vitrine gibt er ein sehr schönes Schmuckstück ab. Allerdings ist der brachiale und rauhbeinige Auftritt grundsätzlich Geschmacksache und polarisiert die geneigten Hobbyisten.

Die bei der getesten Waffe im Grunde angemessene Grundpräzision, wird ganz erheblich vom sehr schlechten Abzugsverhalten konterkariert. Auch der glatte Lauf und die Stahl-BB-Verwendung (es können auch Diabolos geladen werden) sind ein Handicap. Toll ist hingegen die voll justierbare Kimme. Beim aufgerufenen Preis von um die 200,- EUR kann man bei den genannten Einschränkungen schon ins Grübeln kommen bezüglich einer Anschaffung. Dem Anfänger und Hobbyeinsteiger würde ich das “Rhinozeros” nicht empfehlen. Dieser Interessentenkreis sollte zu Beginn und Einfühlung lieber zu einer gutmütigeren Alternative greifen.

 

Aus der Bedienungsanleitung:

 

GUNIMO

Januar/Februar 2021