NX1911 BOA

NX1911 BOA

Anbieter: Nx Werks Precision Arms (Helsinki, Finnland)   -  www.nxwerks.com

Hersteller: ?  (made in Taiwan)

Importeur für Deutschland: “ESC”   -   https://www.escgmbh.biz/

Modell: “NX1911 BOA”   -   (1911-Series)

Vorbild: Colt 1911

Serien-Nr.: 109L45001105

    

PTB-Listen-Nr.: 5847

System: CO2 mit “BlowBack”-Funktion

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB  (.177)

Magazinkapazität: 20 Kugeln

Mündungsenergie: ca. 2 Joule (Herstellerangabe)

Abzug: Single Action

Lauf: glatt (ohne Züge)

Sicherung: manueller Schwenkhebel beidseitig, sperrt die Abzugsmechanik und den Verschluss - außerdem Handballensicherung

Visierung: vertikal und horiziontal justierbar / Fiberoptik (grün)

Länge: 235 mm

Höhe: 160 mm

Breite: 40 mm

Gewicht: ca. 1.070 g (leer)  (davon 375 g alleine das leere Magazinbauteil)

Ausführung: Griffstück mutmaßlich Aluminium / Schlitten Zinkdruckguss (schwarz beschichtet) /Griffschalen schwarzes Polymer

Lieferumfang: Waffe mit Bedienungsanleitung und Schnelllader im stabilen Kunststoffkoffer

Ausstattungsdetails: Picatinny-Rail (Breite 20 mm), jet funnel, Beavertail

Besonderheiten: Race-Gun-Optik / die Pistole verfügt über ein Schalldämpfergewinde (Linksgewinde) M14x1

Bewertung: Actionwaffe mit saubere Verarbeitungsqualität - optisch und bedientechnisch nahe am Vorbild

Preis 2022: ca. 270  EUR   (Online-Fachhandel)

Hinweis: Waffe geliefert von “Gottlob Brucklacher”   https://www.brucklacher.eu/

 

Lieferumfang

Die Pistole nebst Manual in Deutsch und Englisch kommt zusammen mit einem Schnelllade-Tool in einem stabilen Kunststoffkoffer zum Käufer (Fotos unten).

    

    

 

Griffstück

Die umlaufende Griffummantelung (keine Griffschalen) besteht aus Hartplastik und ist mit einem rauen, etwas kratzig wirkenden Schuppenmuster ausgeführt, dass zwar an sich guten Grip erzeugt. Allerdings würde ich mir anstelle des etwas spröde wirkenden Plastikmaterials eine leicht gummiartige Haptik wünschen, was den Griffkomfort m. E. deutlich verbessern würde.

Unten am Griffstück ist ein Bauteil (jet funnel) angebracht, welches den Magazinschacht trichterförmig vergrößert, um das Einühren des Magazins zu erleichtern und dadurch zu beschleunigen. Das dient dazu, um bei Wettkämpfen (z. B. “IPSC”) einen Zeitvorteil beim Magazinwechsel zu erzeugen.

    

Fotos unten: Am Griffstück vor dem Abzugsbügel befindet sich eine 20 mm breite Montageschiene (Picatinny Rail) für das Anbringen von Zubehörutensilien wie z. B. Vordergriff, Lampe*, Laser*. (*gesetzl. Reglementierung beachten!)

 

Mündungsansicht

Der vordere Mündungsbereich suggeriert die Bohrung einer Großkaliberpistole mit angedeuteten Zügen und Feldern. Etwas tiefer beginnt dann der eigentliche, glatte Lauf im Kaliber 4,5 mm. Vor dem Lauf befindet sich ein “M14x1”-Linksgewinde für die Montage eines Schalldämpfers. Zum Schutz des Gewindes ist dort eine gecheckerte Schraubhülse angebracht (Fotos unten).

    

 

Visierung

Die offene Visiereinrichtung, bestehend aus Kimme und Korn, ist horizontal und vertikal justierbar, was bei einer Waffe dieser Preiskategorie auch zu erwarten wäre. Beide Bauteile sind mit grünen, lichtbündenden Fiberstäben ausgeführt. Für die Verstellung der Visierung ist ein Schlitzschraubendreher erforderlich.

    

    

 

Sicherungseinrichtungen

Die “NX1911 BOA” verfügt über einen großen, beidseitig zu bedienenden, manuellen Schwenkhebel. Dieser sperrt die Abzugsmechanik und den Verschluss. Er lässt sich nur dann in die gesicherte Position bewegen, wenn der Hahn gespannt ist. Die Größe dieses Bedienteils ist wiederum ein Beleg für die Ausprägung der Pistole als “Racegun”. Wie der schon erwähnte jet funnel ein weiteres typisches Merkmal.

Der Hahn lässt sich auch in eine Zwischenposition spannen (ohne Foto). In dieser kann aber weder das Abzugszüngel betätigt, noch der Verschluss nach hinten gezogen werden. Auch der Sicherungshebel ist gesperrt.

Der Beavertail schützt die Schusshand vor dem beim Blow-Back zurücklaufenden Schlitten nebst Hahn.

    

    

Foto oben rechts: Der Hahn besteht aus Druckguss und hat keinen Stahleinsatz an der Auftrefffläche auf den Schlagbolzen, sodass dort durch den Gebrauch eine Kerbe im Guss und Lackabplatzungen entstehen. Der eigentliche Ventilstößel (Schlagbolzen) sitzt am Magazinkopf (Foto unten) und wird durch ein innenliegendes Schlagstück betätigt. Mehr zum entnehmbaren Magazinmodul, bestehend aus Ventileinheit, Kapselaufnahme und Kugelmagazin im entsprechenden Kapitel weiter unten.

Eine weitere Schutzeinrichtung ist die Handballensicherung (Fotos unten) am Griffrücken unterhalb des Beavertails. Erst wenn diese von der den Griff umfassenden Schusshand eingedrückt gehalten wird, kann das Abzugszüngel zur Schussabgabe durchgezogen werden. Ansonsten ist es blockiert. Das minimiert die Gefahr einer ungewollten Schussauslösung erheblich.

    

 

Abzug

Fotos unten: Die Pistole ist mit einem auf der Fingerauflage gecheckertem und seitlich durchbrochenem (ventiliertem) Abzugszüngel in Halbmondform ausgestattet. Beim Abzug handelt es sich nicht um einen Spannabzug (DA), sondern um eine SA-Only-Version, die manuell vorgespannt werden muss. Er lässt sich wahlweise entweder durch das Zurückziehen des Schlittens spannen, oder per Daumen. Im Schießbetrieb übernimmt die Blow-Back-Funktion permanent das weitere Hahnspannen per zurückschnellendem Schlitten.

Abzugscharakteristik: Kein Vorzugsweg, Druckpunkt mit leichtem Auslösewiderstand.

    

Der Abzugsbügel ist Markant ausgeführt und trägt zur sportlichen Optik der Pistole bei. Auch er besitzt im vorderen Bereich ein gecheckertes Feld für die Fingerablage bei beidhändigem Anschlag.

 

Begrifferläuterungen

”Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zugute kommt.

”Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

Weiterführende Links:

      

 

Schlittenfanghebel

Fotos unten: Nach dem letzten Schuss, also bei entleertem Magazin, sperrt der Verschluss automatisch. Der Schlitten bleibt in der hinteren Position gefangen.

    

   

Auf den Fotos unten sieht man, wie der Hebel (bei leerem Magazin) in die vordere Kerbe am Schlitten greift und diesen hinten gefangen hält (Bild links). Drückt man den Hebel nach unten, schnellt der Schlitten federbelastet wieder nach vorne in seine Ausgangs-/Ruheposition (Foto rechts).

    

Bild unten: Der Schlittenfanghebel befindet sich auf der linken Seite am Griffstück der Pistole über dem Abzug.

Foto unten: Entnommener Fanghebel, der in zweiter Funktion auch als Zerlegehebel dient. Dazu später mehr.

Fotos unten: Blick von oben durch den Verschluss in den Magazinschacht bei hinten gehaltenem Schlitten (Verschluss). Bei scharfen Feuerwaffen findet hier der Hülsenauswurf statt (Hülsenauswurffenster€). Linkes Bild: Geöffnetes Fenster (Schlitten zurückgezogen) mit implementiertem Magazinmodul. Rechts: Geöffnetes Auswurffenster bei entnommenem Magazinmodul mit Blick durch das Griffstück (Magazinschacht).

    

 

Implementierung der CO2-Kartusche

Das Kombi-Magazin wird per Druckknopf (Magazinhalter) am Griffstück entriegelt und gleitet dann dank seines hohen Eigengewichts (375 g leer) der Schwerkraft folgend, selbsttätig aus dem Schacht. Beim Einsetzen arretiert es am Ende wiederum automatisch.

Fotos unten: Das Magazinmodul besteht aus Metall (Druckguss), enthält das Ventilbauteil und nimmt sowohl die CO2-Kartusche als auch die BB-Projektile auf.

Um an die Anstechschraube zu gelangen, muss zunächst der Kunststoff-Magazinschuh abgezogen werden. Fotos unten.

    

Dazu wird der kleine Schieber unten am Magazin gegen den Federdruck eingeschoben (Fotos unten). Dan kann der Schuh nach vorne abgezogen werden.

Um die Bodenschraube herauszudrehen, ist bei der “NX1911 BOA” ein externes Werkzeug erforderlich. Entweder ein großer Schraubendreher oder eine Geldmünze. Hier fehlt es an einer innovativen Lösung, um die Verwendung eines externen Werkzeugs zu erübrigen. Wie so etwas geschickt zu lösen wäre, zeigt das Beispiel der “HFC M190 Special Force”: Hier wird der abgenommene Magazinschuh gleich zum stets verfügbaren, praktikablen Werkzeug für die Bodenschraube. Perfekt! (Foto unten)

Die CO2-Kartusche wird mit dem Hals nach vorne eingelegt. Das Fixieren und Anstechen der Kapsel erfolgt dann durch das Eindrehen der Schraube bis zum erfolgreichen Kapselanstich durch den Ventildorn. Das Ventil steht dann permanent unter Treibgasdruck (CO2).

    

    

 

Kugelmagazin

Zum Laden der maximal 20 - 21 Kugeln durch die Öffnung im Magazinkopf drückt man den federbelasteten Zuführer nach unten. Leider lässt sich dieser nicht fixieren, sondern muss permanent mit einem Finger unten gehalten werden, was sehr unpraktisch ist. Eine komfortable Rastung für den Schieber wäre sehr wünschenswert und sollte mittlerweile eigentlich längst Standard sein.

    

Wie man das einfach und vernünftig per Rastkerbe umsetzen kann, zeigt das Foto unten am Beispiel des Magazins der “Colt Special Combat Classic”.

 

Schnelllader /Schüttcontainer

Im Lieferumfang der “NX1911 Boa” ist ein Schnelllade-Tool aus transparentem Kunststoff enthalten.

Mit Stahlkugeln befüllt wird der Schüttlader über eine ausschwenkbare Ladeklappe am Boden. Per Druckknopf wird der Kugelschieber freigegeben, der dann per Federdruck aus dem Boden herausspringt (Fotos unten).

    

Dann kann eine adäquate Menge an BBs in das Pistolenmagazin überführt werden. (Bilder unten)

    

    

    

 

Demontage

Die “NX1911 BOA” lässt sich sich mit wenigen Handgriffen zerlegen. Sprich: Der Schlitten (Verschluss) lässt sich vom Griffstück abnehmen.

Dazu wird auf der rechten Seite der Pistole der Schlittenfanghebel, der also auch als Zerlegehebel dient, aus seiner Position gedrückt. Weißer Pfeil im Foto unten rechts. Da er recht straff in der Passung sitzt, sollte man ein geeignetes Werkzeug benutzen, was keine unschönen Kratzer in der Schlittenbeschichtung hinterlässt.

    

Danach kann der Zerlegehebel auf der linken Waffenseite herausgezogen werden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Das ganze Procedere gestaltet sich bei meinem Exemplar sehr hakelig und wird zur Geduldsprobe. Außerdem ist die Demontage im Grunde sinnfrei. Denn sie dient ja eigentlich dazu, bei Softairwaffen an den justierbaren, sogenannte “Hop-Up”-Mechanismus zu gelangen, der den leichten 6-mm-Plastik-BBs einen Drall versetzt um deren Flugbahn zu stabilisieren. Das ist bei den schweren Stahl-BBs nicht möglich und daher obsolet.

    

Wenn der Zerlegehebel entfernt ist, kann der Schlitten nach vorne vom Griffstück abgezogen werden.

Fotos unten: Blick von unten in den Schlitten.

Das Bild unten zeigt den Sitz des eingesteckten Schlittenfanghebels im abgenommen und umgedrehten Verschluss.

Fotos unten: Sitz des Schlittenfanghebels im Griffstück bei abgenommenen Schlitten.

 

Ärgerliches!

Nachdem ich das Demontieren des Schlittens zweimalig durchgeführt hatte, fielen mir zwei kleine Bruchstücke auf, die auf dem Tisch lagen. Bei näherem Hinsehen war klar woher die stammten...

...nämlich vom Verschluss, an der Aussparung für den Schlittenfanghebel. Dort ist das Druckgussmaterial sehr dünn und kann offenbar keiner Belastung widerstehen. (Fotos unten)

    

Das Foto unten rechts zeigt wie die Stelle aussah, bevor eine Demontage des Schlittens vorgenommen wurde, also “out-of-the-box” fotographiert.

    

Auch wenn das herausgebrochene Stück die Funktion der Pistole nicht beeinträchtigt und auch optisch keine sehr auffällige Sache darstellt. Das darf nicht passieren, wenn man als Anwender einen Gegenstand sach- und bestimmungsgemäß benutzt! Für mich kein Zeichen einer dem Preis der Ware angemessenen Materialqualität!

Ich zitiere mal eine Passage von der “NxWerks”-Homepage:

Finnish design isn’t something you see - it’s something you experience! A design is more than just a pretty object. It’s a way of living. Our philosophy is our quality promise. During manufacturing, we closely monitor every production phase and quality test.

Auf Deutsch:

“Finnisches Design ist nicht nur etwas, das Sie sehen - es ist etwas, das Sie erleben. Ein Design ist mehr als nur ein hübsches Objekt. Es ist eine Art zu leben. Unsere Philosophie ist unser Qualitätsversprechen.” (Zitatende)

Nun ja, das Qualitätsversprechen habe ich jetzt erlebt. Es hat mich aus o. g. Gründen nicht sehr überzeugt. Und dazu zähle ich nicht nur die entstandene Bruchstelle, sondern auch das erwähnte Fehlen praktischer Detaillösungen beim Handling der Pistole.

Dabei fehlt hier noch das Kapitel “Auf dem Schießstand”. Dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr... Fortsetzung folgt!

Zur Zeit befindet sich die reklamierte Waffe zur Begutachtung beim Deutschland-Importeuer “ESC”.

GUNIMO

Februar/März 2022