Diana p-five

Diana p-five   /   Snow Peak SP500   /   Artemis SP500

Der Markenname “Diana” dient heute lediglich noch als Handelsname (Marke) der “German Sport Guns GmbH”. Aus diesem Grund ist der historisch auf “Diana” bezogene Aufdruck “Performance Airguns Since 1890” auf der Kartonage der “p-five” irreführend, betrachtet man die aktuellen Zusammenhänge.

Details zur Firmenübernahme Anno 2014 siehe unter:

Hersteller der “SP500” / “p-five” ist die chinesische Firma “Snow Peak Airguns” (SPA)

“SPA Snow Peak Airguns”, Shaoxing Snowpeak Air Gun Factory, wurde 1976 gegründet und ist spezialisiert auf die Herstellung von Luftgewehren für den zivilen Gebrauch, die vom Ministerium für öffentliche Sicherheit der Volksrepublik China genehmigt wurden. “SPA Airguns” befindet sich im Jangtse-Delta, nicht mehr als 2 Autostunden vom Hafen von Shanghai, dem Hafen von Ningbo, dem Flughafen Shanghai, dem internationalen Flughafen Hangzhou Xiaoshan und der China Commodity City in Yiwu entfernt. Ziel des Unternehmens ist es, sich zu einem weltweit führenden Hersteller von Schießausrüstung zu entwickeln. Derzeit verfügt das Unternehmen über 10 Serien mit mehr als 30 Spezifikationen von Luftgewehrprodukten und besitzt mehrere Patente. Das Unternehmen arbeitet auch mit international bekannten Luftgewehrmarken zusammen und verfügt über umfangreiche OEM-Erfahrungen mit einem starken Design- und F&E-Team, einem erstklassigen Qualitätskontrollsystem und Prüfgeräten.

   

                      

        

“Artemis” ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Jagd und ein Markenname von “SPA”.

“Diana” ist die römische Göttin der Jagd und ein Markenname von “German Sport Guns” (GSG).

 

Hersteller: Shaoxing Snowpeak Air Gun Factory (SPA)

Anbieter/Importeur: German Sport Guns (GSG)

Modell: “p-five”

Serien-Nr.: 1722210145029294D

    

Kaliber: 4,5 mm (.177), Diabolo

Kapazität: Einzellader

System: Kipplauf (break barrel), Federdruck

Energie: bis ca. 3 Joule

Länge: 380 mm / 15 Zoll

Höhe: 150 mm

Breite: 32 mm

Gewicht: 880 g (leer)

Abzug: Single Action

Visierung: offene Visierung - Korn starr - Kimme vertikal und horizontal justierbar

Visierlinie: 330 mm

Lauflänge: 220 mm (8,7 Zoll), gezogener Stahllauf

Abzug: nicht justierbar

Abzugsverhalten: Leicher Vorzugsweg, dann kurze Kriechphase bei erhöhtem Widerstand. Abzug löst dann nach kräftigem Druckpunkt aus.

Sicherung: manuell - integrierter Druckknopf blockiert das Abzugszüngel

Lieferumfang: Waffe mit Manual im bedruckten Pappkarton

Ausführung: Druckgussystemgehäuse - 11-mm-Prismenschiene vorhanden - Druckkolben nicht aus Stahl, sondern aus Guss - Stahllauf (gezogen) - Druckgussmantel - Spanngestänge aus Stahl - Griffstück Polymer (schwarz) - Kunststoffgriffschalen (grau)

Hinweis: Die Pistole ist auch für Linksschützen ohne Einschränkungen nutzbar.

Bewertung: einfache Ausführung (Gussdruckkolben) - saubere Verarbeitungsqualität - Standard-Ausstattung (Abzug / Visierung)

Preis in Deutschland, März 2023: 60 - 75 EUR (Online-Fachhandel)

Lieferant: Pistole gekauft bei   https://www.brucklacher.eu/

Alternative Produkte im niedrigen Preissegment <100 EUR: “Beeman P3”, “Browning Buck Mark URX”, “Gamo P800/900”, “Record” Modelle 1, 2, 68 und 77, “Ruger Mark I”, “Ruger Mark IV Hunter”

Fotos unten: Die Kartonage der “Diana p-five”:

Bild unten: Technische Daten aus der Bedienungsanleitung.

 

Griffstück / Griffschalen

Das Griffstück besteht aus schwarzem, hartem und oberflächlich leicht angerautem Kunstoff. Der Griffumfang der insgesamt schlank und fast zierlich erscheinenden Pistole, ist für kleine bis mittelgroße Hände ausgelegt. Der graue, aufgesetzte Handgriff, ist haptisch deutlich angenehmer ausgeführt. Die stumpfe, guillochierte Oberfläche bietet eine angehme Griffigkeit. Es handelt sich hier nicht um zwei einzelne Griffschalen, sondern um ein zusammenhängendes, an der Griffvorderseite umlaufendes Bauteil.

    

 

Mündungsansicht

Fotos unten: Blick auf die Mündung. Der Laufmantel ist an der Mündung zum Schutz von einer einfachen Polymer-Abschlusshülse umschlossen, die in einem auch das Korn bildet. Funktionell ok., aber kein “Hingucker”.

Im Innern befindet sich ein gezogener Stahllauf (Lauflänge: 220 mm). Die Fotos unten zeigen die Züge und Felder. Sichtbar sind auch einige Verunreinigung aus Schmierfett-/Ölrückständen (Zustand: ungeschossen / out of the box). Die Rückstände führten bei den ersten Schüssen zu einem starken Dieseleffekt.

    

Begrifferläuterungen

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloss (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zugute kommt.

Weiterführende Links:

        

 

Warnhinweis: Das Leerabschlagen einer Druckluftwaffe

Das “Schießen” ohne Projektil, das sog. “Leerabschlagen” einer Waffe, ist bei CO2-Waffen unbedenklich, da keine mechanische Mehrbelastung zum “normalen” Schießbetrieb auftritt. Wenn eine CO2-Kapsel eingelegt ist, wird natürlich eine adäquate Menge Treibgas verbraucht, da der Ventilstößel durch den auftreffenden Hahn betätigt wird und das Ventil kurz öffnet.

Schädlich ist das Leerabschlagen aber für Federdruckwaffen.  Grund: Der Kolben im Kompressionsraum schlägt dann mit großer Wucht vorne im System an, da der Gegendruck durch das Luftpolster (Staudruck) fehlt, welches das in den Lauf implementierte Projektil hinter sich aufbaut (Antriebsdruck). Durch dieses Luftpolster wird der Kolben wegen des sich aufbauenden Gegendrucks deutlich abgebremst.

Fehlt dieser bremsende Effekt durch das Geschoss, kann die Waffe schnell Schaden nehmen. Druckluftwaffen, die mit Pressluft oder vorkomprimierter Luft arbeiten (z.B. “Weihrauch žHW40PCA”), sind dementsprechend beim Leerabschlagen nicht gefährdet. Achtung! Auch die Verwendung von Laufreinigungsfilzen hat quasi den gleichen Effekt wie das Leerabschlagen, daher sollte man immer ein Diabolo hinter einen Reinigungsfilz laden und beides zusammen verschießen.

 

Visierung

Die Visierung besteht aus einem starren Korn (Fotos unten), sowie einer vertikal und horizontal justierbaren Kimme. Bei guter Umfeldausleuchtung ist der Visiernkonrast brauchbar.

    

Die Kimmenjustierung erfolgt durch das Drehen der Stellschrauben mittels Schlitzschraubendreher. Die Verstellung läuft stufenlos, also ohne Klickrastung. Eine Skalierung ist vorhanden (Foto unten). - Vorgehensweise siehe Abb. aus der Bedienungsanleitung weiter unten.

Alle Kimmenteile - außer Schrauben - bestehen aus Plastik. Im Bild oben ist zwischen Skalierungs- und Kimmenscheibe (links von der Nullstellung) ein kleiner Grat zu sehen, der sich aber schnell entfernen ließ.

Foto unten: Auf der rechten Seite der Kimme ist eine Schraube angebracht, die im Manual (oben) keine Erwähnung findet. Dabei handelt es sich um die Konterschraube, um die individuell durchgeführte Visiereinstellung zu fixieren.

 

Sicherung

Die “p-five” ist mit einer manuellen Sicherung ausgestattet. Diese sitzt in Form eines einfachen Druckknopfes direkt am Abzugszüngel. Im Status entsichert (Bild unten links) ist bei Ansicht der linken Waffenseite eine rote Warnmarkierung auf der Sicherung sichtbar.

Bei von links eingedrücktem Knopf (Foto unten links) ragt dieser dann auf der rechten Waffenseite am Züngel heraus (Foto unten rechts) und sperrt den Abzug dadurch, dass der dort nun hervorstehende Bolzen gegen eine Sperreinrichtung stößt und ein Durchziehen des Züngels damit unmöglich macht.

    

 

Spannen und Laden

Bei der “p-five” handelt es sich um eine Knicklaufpistole (break barrel), bei der zum Spannen der Lauf mittels Muskelkraft zunächst bis zum hör- und spürbaren Einrasten nach unten gedrückt wird. Die Kolbenfeder im Kompressionsraum der Waffe ist nach diesem Vorgang gespannt. Im Status mit geknicktem Lauf kann der Abzug nicht betätigt werden, auch wenn die manuelle Abzugssicherung in Feuerposition gebracht ist. Diese automatische Sicherung verhindert eine ggf. ungewollte Kolbenauslösung beim Hantieren.

Nun wird ein einzelnes Diabolo im passenden Kaliber bündig in den Laufansatz gesteckt und anschließend der Lauf bis zum Sperren der Klinkenverriegelung wieder in die Ausgangsposition bewegt. Die Pistole ist jetzt geladen und schussbereit.

    

Die Abbildung unten zeigt schematisch die Waffenfunktion

Foto unten: Blick von unten auf das gut gefettete Knickgelenk aus Stahl.

Foto unten: Der Laufeingang mit dem ihn umgebenden Dichtungsring. Die intakte Dichtung verhindert, dass die zum Schießen erzeugte Druckluft bei Schussabgabe seitlich austreten kann. Daher sollte man immer darauf achten, dass die Dichtung intakt ist und sich keine porösen Stellen oder Risse gebildet haben.

Foto unten: Unter dem Lauf befindet sich die Rastklinke. Diese ist dafür verantwortlich, dass der Lauf in geschlossenem Zustand bündig einrastet und fest sitzt. Der Lauf darf kein Spiel haben oder gar schlackern. Ein ausgeleiertes Knickgelenke oder eine verschlissene Klinke können die Funktion und Präzision der Waffe sehr negativ beeinflussen.

 

Auf dem Schießstand

Der Lauf der “p-five” dient, wie bei Knickern üblich und oben bereits beschrieben, als Spannhebel um die Feder zu spannen. Der Spannvorgang geht relativ leichtgängig vonstatten, da kein starker Federwiderstand im relativ kleinen Kompressionsraum entgegengesetzt wird. Das lässt die Waffe diesbezüglich auch für jugendliche ( gesetztliche Regelungen beachten) und/oder zarte Schützen/-innen als gut geeignet erscheinen.

Das hochragende Korn über der Mündung stört beim kräftigen Zufassen. Handverletzungen sind zwar nicht wirklich zu befürchten aber schmerzhafte Druckstellen trägt man bei häufiger Anwendung dann doch davon, da auch kein schützender Korntunnel vorhanden ist. Eine Spannhilfe fehlt ebenfalls. Um das Spannen erträglicher zu machen, lohnt es sich einen Handschuh zu tragen, der beim Schießen nicht stört. Sehr gut geeignet sind dafür handelsübliche Handschuhe z. B. für Biker (Foto unten). Das hat auch den weiteren Vorteil, dass der aggressive Handschweiß auf Dauer das Finish des Laufmantels nicht angreift.

Die “p-five” zeigte sich im Test letztlich als eine durchaus ansprechende Hobby- und Freizeitpistole, die sich durch angenehmes Handling und leichte Bedienbarkeit auszeichnet. Der Giff ist haptisch recht ansprechend und  bietet ausreichend Grip. Der Griffumfang der zierlich erscheinenden Pistole ist für kleine bis mittelgroße Hände gut geeignet. Die lediglich 880 g leichte Waffe, lässt sich auch von körperlich schwächeren Anwendern ruhig im Anschlag halten. Für meinen Geschmack hätte der Abzugsbügel im vorderen Bereich etwas großzügiger, komfortabler ausfallen können.

Insgesamt besitzt die Pistole ein einigermaßen gutmütiges Abzugsverhalten, mit dem man nach kurzer Eingewöhnungsphase recht gut zurecht kommen kann. Der Abzug ist aber leider nicht justierbar. Nach dem Spannen, Laden und Entsichern nimmt der Abzugsfinger zunächst einen leichten Vorzugsweg wahr, dem bei bedächtiger Abzugsbetätigung ein kurzer Kriechweg bis zum Druckpunkt folgt. Nach der Überwindung des recht hohen Abzugswiderstands löst der Schuss trocken aus. Insbesondere für ungeübten Schützen, könnte der relativ hohe Widerstand am Druckpunkt zum leichten Verreißen der Waffe führen. Aber Übung macht auch hier den Meister und nach einer gewissen Eingewöhnugszeit kommt man ganz gut mit diesen Umständen zurecht, auch wenn das natürlich keine als optimal zu bezeichnende Charakteristik darstellt. Aber man sollte stets im Auge behalten, dass die “p-five” eine einfach ausgestattete und preiswerte Hobby- und Freizeitpistole ist und keine hochpreisige High-End-Matchwaffe für die ambitionierte Anwendung.

An der offenen Visierung gibt es leider etliches zu kritisieren. Die Kimme ist zwar sowohl höhen- als auch seitenverstellbar, aber es gibt keine Klickrastung (Micrometer), die für eine saubere und leicht reproduzierbare Justierung sorgen könnte. Insbesondere die horizintale Einstellung (seitliche Schrauben) bereiteten mir im Test Mühe. - Außerdem ist die Kimme nicht wirklich festsitzend, sondern in sich etwas beweglich, was u. U. zur geringfügigen, ungewollten Verstellung führen kann. Der Kimmenausschnitt bietet aber immerhin einen ausreichend guten Kontrast, wenn das Umfeld genügend ausgeleuchtet ist.

                      

Dass diese Pistole leistungstechnisch eher zu den schwächeren Federdruckwaffen zu zählen ist, dürfte jedem klar sein, was aber keinen grundsätzlichen Nachteil darstellt. Denn auf den hausüblichen Indoor-Distanzen, die einem Hobbyschützen in der Regel zur Verfügung stehen, benötigt man nicht unbedingt mehr Power, als die “p-five” zu leisten vermag. Wie sich im Test herausstellte, stand ausreichend Energie zum Löcherstanzen in LP-Scheiben und zum Lochen handelsüblicher Weißblech- und Getränkedosen zur Verfügung. Die Präzision auf 4 - 6 m ist für eine Pistole dieser Ausprägung absolut zufriedenstellend, wie die u. a. Trefferbilder zeigen.

Scheiben unten: 10 m-Luftgewehr-Scheibe (14,5 x 14,5 cm), Distanz 6 m - beschossen stehend aufgelegt auf Stativ im beidhändigen Anschlag, bei aufsitzendem Spiegel gehalten. Diabolos: “Dynamit Nobel”-”Hobby”, 4,5 mm, 0,45 g. Zum Größenvergleich liegt jeweils eine 1-Cent-Münze auf der Scheibe.

Die Scheibe unten links wurde mit Kimme in Horizontal-Null-Stellung (out of the box, Bild oben) beschossen. Rechts nach Nachjustierung des deutlich zu linkslastigen Trefferbildes.

    

Scheiben unten: 10 m-LG-Scheibe, Distanz 6 m, bzw. 4 m - beschossen stehend aufgelegt, bzw. angelehnt im beidhändigen Anschlag, bei aufsitzendem Spiegel gehalten. Diabolos: “Dynamit Nobel”-”Hobby”, 4,5 mm, 0,45 g.

    

Bei den ersten Schüssen neigte die Pistole sehr stark zum Dieseln. Rauch lag in der Luft. Dieser Umstand ist den üppigen Öl-/Fettrückstanden zuzuschreiben, die sich im Auslieferungszustand im Lauf befanden. Der erzeugte Schussknall ist recht laut, daher ist die Pistole für den Einsatz in hellhörigen Mehrfamilienhäusern nur bedingt empfehlenswert.

 

Fazit

“You get what you pay for”. Das muss man sich vor Augen führen, wenn man eine Pistole aus dem Low-Budget-Preissektor erwirbt. Will sagen: Für 60 - 75 Euro bitte keine Wunderdinge von diesem Produkt erwarten. Optisch und haptisch ist die “p-five” sehr ansprechend gelungen. Die Ausstattung ist - dem Preis angemessen - natürlich nicht üppig, aber die Präzision kann sich im Hobby-Bereich sehen lassen. Das Plinking macht damit Spaß. Positiv ist hier besonders der gezogene Lauf zu erwähnen.

Wie es mit der Haltbarkeit nach längerem, intensivem Gebrauch ausschaut, kann ich aktuell natürlich nicht beurteilen. In diesem Zusammenhang mache ich hier aber nochmals explizit auf die Tatsache aufmerksam, dass in dieser “China-Diana” ein Druckkolben aus Metallguss, nicht einer aus Stahl verbaut ist. Auch das Vollplastik-Kimmenbauteil gibt gewissen Anlass zum Bemängeln.

Wo heuer “Diana” drauf steht, ist halt nicht mehr “Diana” (made in Germany) drin, so wie man es mal kannte.

GUNIMO

März 2023