UMAREX TDP 45

UMAREX TDP 45 “Tactical Pro”

Anbieter/Importeur: UMAREX Sportwaffen GmbH & Co. KG

Hersteller: Wingun (Made in Taiwan)

Modell: UMAREX TDP 45  („TDP“ = Tactical Defense Pistol)

Vorbild: - - -

Serien-Nr.: 14A38164

System: CO2    (ohne “BlowBack”)

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: ca. 190 Schuss (entspricht 10 Magzinen !)

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB (.177)

Magazinkapazität: 19 Kugeln

Mündungsenergie: < 3 Joule (Herstellerangabe)

Geschossgeschwindigkeit: ca. 125 m/s (Herstellerangabe)

Abzug: Double Action Only (DAO)

Abzugscharakteristik: Langer, kriechender Vorzugsweg - hoher Widerstand - kein Druckpunkt

Lauf: Glatt (ohne Züge)

Sicherung: Manuell – Druckschieber rechtsseitig unterbricht die Abzugsmechanik, das Züngel lässt sich leer durchziehen

Visierung: Kimme und Korn starr, weiße Markierung an beiden Komponenten

Visierlinie: 145 mm

Länge: 177 mm / 305 mm mit Schalldämpfer-Attrappe

Höhe: 144 mm / 147 mm mit Brückenmontage

Breite: 30 mm / 39 mm mit Laser-Attrappe

Gewicht: 402 g (leer) / 530 g mit “TAC”-Zubehör

Ausführung: Plastikgehäuse - Magazinbauteil Metall mit Kunststoff-Fuß - TAC-Anbauteile Plastik

Fakes: Spannstatusanzeige am Schlitten, Hülsenauswurffenster am Schlitten, Schlittenfanghebel, Laser, Schalldämpfer

Lieferumfang: (Tactical-Set) Waffe mit Manual, Brückenmontage (Picatinnyprofil), Laser-Attrappe und Fake-Schalldämpfer im Pappkarton

Hinweis: PTB-Zulassung, Lfd.-Listennummer: 2564

Bewertung: Saubere, äußere Verarbeitungsqualität aber geringe Ausstattungsdetails und insgesamt deutliche Spielzeuganmutung, Preis-Leitungs-Verhältnis angemessen

Preis 2015: ca. 50,- EUR mit “TAC”-Zubehör / 35,- EUR ohne Anbauteile (Internetfachhandel)

Vorliegendes Exemplar geliefert von: Fa. Teutenberg (Werl) http://www.teutenberg-werl.de/

    

    

 

Begrifferläuterungen

”Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

”Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

 

Mündungsansichten

    

Wie bei vielen “Wingun”-Modellen üblich, hat auch die “TDP 45” einen beweglichen Lauf, der sich beim Betätigen des Abzuges etwa 1 cm aus der Mündung heraus schiebt und ruckartig zurückschnellt, wenn das Züngel komplett durchgezogen wird. Foto unten: Vergleich Modell “XBG” (Wingun/UMAREX). Bei der “TDP 45 Tactical Pro” wird dieser Vorgang jedoch durch das Gewinde für den Schalldämpfer verdeckt.

 

Korpus/Griffstück

Die “TDP 45” vermittelt optisch und haptisch leider vordergründig ein Spielzeugflair. Das Vollkunststoffgehäuse ist zwar keineswegs knarzig und wirkt auch nicht billig, aber die Anmutung ist insgesamt doch nicht wirklich “erwachsen”.

Foto unten links: Die Spannzustandsanzeige (Stift) der “scharfen” Vorbilder ist nur ein Fake und lediglich nachgeahmte Prägung im Schlittenbauteil.

          

Foto oben rechts: Montageschiene (Picatinny-Profil) am Griffstück unterhalb der Mündung. Es können dort ggf. Anbauteile (Lampen, Laser, etc.) montiert werden (Wichtig: Rechtslage im Inland beachten!). Links: Während der Magazinhalter ein funktionierendes Bedienteil darstellt, ist der Schlittenfanghebel lediglich angedeutet.

 

Anbauteile (Version “Tactical Pro”)

In der Version “Tactical Pro” liegen der Pistole eine Brückenmontage mit “Picatinny”-Profil und die Attrappen von Schalldämpfer und Laserpointer bei. Während die Montage sowie der Fake-Laser qualtativ einen recht guten Eindruck machen, kommt einem die Schalldämpferattrappe so vor, als sei sie einer Faschings-Pistole für Kinder entliehen worden.

Fotos unten: Die Brückenmontage mit “Picatinny”-Profil oben und unten wird mit lediglich zwei Schrauben befestigt. Die vordere, dritte Schraube ist ein Fake.

    

Fotos unten: Die Schalldämpfer-Plastik-Attrappe wikt von ihrem Erscheinungsbild und der Haptik wie ein Billigteil aus dem Spielzeugsektor.

Info: Das Befestigungsgewinde am Lauf ist ein sogenanntes Linksgewinde. Das heißt, dass man das Festschauben gegen den Uhrzeigersinn vornehmen muss (bei Draufsicht auf die Mündung).

    

Fotos unten: Bei der mitgelieferten Laser-Attrappe handelt es sich um das Gehäuse des “TAC Laser I”. Der Laser ist für den deutschen Markt darin natürlich nicht verbaut, da hierzulande ja verboten. Das Gerät wird einfach auf die Picatinny-Profilschine aufgeschoben. Dazu drückt man die seitlichen Druckknöpfe ein, um die Riegelblöcke zu öffnen, die in das Profil eingreifen und das Gerät sicher fixieren.

    

    

    

Fotos unten: Der Wippschalter zum Ein- und Ausschalten des Lasers.

    

    

Fotos unten: Das geöffnete Batteriefach für die Aufnahme von drei Knopfzellen.

    

 

Fotos unten: Der komplette Laser mit enthaltenem Leuchtmittel.

    

 

Handgriff

Der Griff bietet ergonomisch ganz gute Voraussetzungen und ist, da beidseitig gleich ausgeführt, auch für Linkshänder geeignet. Die Fingerrille für den Mittelfinger vorne und die gecheckerten Griffflächen bieten eine recht angenehme Handlage für Schützen mit mittelgroßen Händen. Haptisch sind sie insgesamt aber kein Leckerbissen.

    

 

Schlitten

Die “TDP 45” hat keine “BlowBack”-Funktion und verfügt über einen festen, unbeweglichen Kunststoffschlitten. Das angedeutete Hülsenauswurffenster nebst Auszieherkralle sind lediglich Zierde (Bild unten).

 

Abzug

Der Double-Action-Only€-Abzug (DAO) dieser Non-Blow-Back-Pistole wartet mit einem langen Vorzugsweg, einem hohen Widerstand und einem fehlenden Druckpunkt auf. Das Züngel besteht aus Kunststoff. Insgesamt leider kein Grund zur Freude. Der Abzugsbügel ist sehr groß bemessen, sodass auch Schützen mit starken Fingern hier einen bequemen Eingriff finden.

    

 

Manuelle Sicherung

Rechtsseitig befindet sich an der Waffe ein manueller Druckschieber, griffgünstig über dem Abzug platziert. In die vordere Position (“S” = “safe”) gebracht, unterbricht dies die Abzugsmechanik (Bild unten links). Das Züngel lässt sich dann zwar gegen einen nur noch sehr geringen Widerstand durchziehen, kann aber keinen Schuss auslösen. Im Bild unten rechts befindet sich der Sicherungsschieber in Position “F” (“fire”). Die rote Warnmarkierung signalisiert schnell erfassbar den entsicherten Zustand.

    

 

Visierung

Die offene Visierung der “TDP 45” € ist leider nicht justierbar (starr). Kimme und Korn sind mit einer weißen Markierung versehen. Der Visierkontrast ist gut. Die große Kreuzschlitzschraube innerhalb der Kimme ist optisch nicht sonderlich gefällig.

    

 

 

Kugelmagazin

Das Stab- oder Stangenmagazin für die 19 BBs ist ein stabiles, massives Metallmodul. Beim Betätigen des Magazinentrieglungshebels linksseitig am Griff nahe dem Abzugsbügel gleitet es, angetrieben von seinem Eigengewicht, leichtgängig aus dem Schacht im Griffstück (Bilder unten). Es lässt sich schnell und einfach beladen.

    

Foto unten links: Die oberste Kugel wird nicht von einem Magnet in Postion gehalten, sondern von einer Klinke (weißer Pfeil).

    

Foto unten: Die Einfüllöffnung (weißer Pfeil) für die BBs.

Foto unten: Nach dem Einfüllen der letzten Kugel wird der unten einrastende Schieber mit einem kurzen Fingertipp auf den am Magazinboden überstehenden Stift (weißer Pfeil) wieder aus seiner Arretierung gelöst. Funktionell sehr gut gemacht.

 

 

Implementierung der Treibgaskartusche

Um die CO2-Kartusche ins Griffstück einsetzen zu können, muss die Klappe am Griffrücken geöffnet werden. Dort wird die 12-g-CO2-Kartusche mit dem Hals voran (nach oben) eingesetzt. Für das Fixieren und Anstechen der Treibgaskapsel benutzt man die Knebelverschlussschraube am Griffboden (siehe Fotos unten).

    

    

Foto unten links: Blick auf den Anstechhohldorn mit seiner ihn umgebenden grünen Silikondichtung. Der Dorn durchstößt die Platte oben am Kartuschenhals und leitet das Treibgas zum Ventil. Bei Schussabgabe wird über das Ventil eine adäquate Menge an Treibgas freigesetzt um die Kugel zu beschleunigen.

    

Fotos unten: Die Rastung der Griffrückenklappe.

    

 

Auf dem Schießstand

Die “TDP 45 Tactical Pro”€ verkörpert mit ihrem Gewicht von rund 600 g (mit allen beiliegenden Anbauteilen) nicht gerade ein schweres Monstrum. Insgesamt generiert die Pistole leider ein gewisses Spielzeugflair. Dazu trägt, neben den vielen Bedienteil-Fakes, nicht zuletzt auch die etwas billig wirkende Hartplastikhaptik erheblich bei.

Das Zusammenspiel des unangenehm langen Vorzugsweges, mit dem hohen Abzugswiderstand und der etwas kratzig-kriechenden Charakteristik ohne definierten Druckpunkt, erzeugt eine Mischung, die keine idealen Voraussetzungen für eine herausragende Schusspräzision bietet.

Der Kontrast der Visierung ist durchaus gut, jedoch sind Kimme und Korn leider starr. Abträglich im Hinblick auf die Treffsicherheit sind natürlich auch der glatte Lauf, die DAO-Abzugsfunktion, sowie die Verwendung von Stahlkugeln. Die Schussenergie reicht aus, um auf 7 m (und mehr) Distanz handelsübliche Getränkedosen bei einem Treffer zuverlässig zu lochen. Die Streuung der Kugeln ist für eine Plinking- und Funshooting-Waffe dieser Ausprägung und Preisklasse durchaus passabel (siehe Scheiben unten). Bei Fleck gehaltener Visierung lag die Treffpunktlage relativ zentral, aber etwas zu tief.

Mit einer CO2-Kapselfüllung konnten ca. 190 BBs verwertbar verschossen werden. Bei der 10. Magazinfüllung (19 BBs) sank die Treffpunktlage dann etwas ab. Das Magazin lässt sich schnell und komfortabel befüllen und der Kugelschieber hat in der unteren Position eine Raste, muss also nicht per Fingerdruck unten gehalten werden. Es traten bei der Testwaffe keinerlei Zuführungsstörungen auf. Der bei jedem Schuss vorschiebende und am Ende ruckartig zurückschnellende Innenlauf generiert ein lautes Eigengeräusch, sowie einen etwas störenden Impuls auf die Schusshand.

Bilder unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Waffe in beidhändigem Anschlag mit aufgelegten Unterarmen “Fleck”€ gehalten. Schussdistanz 7 m.

Weiterführende Links:

      

 

Fazit

Die Frage ist, was kann man für einen günstigen Kaufpreis dieser Größenordnung erwarten? - Ich denke, dieses Review sollte das umfassend beantwortet haben: Sicherlich kein High-End-Produkt, das ist wohl jedem klar. UMAREX bietet mit dieser Low-Budget-Ware aus dem Hause “Wingun” (Taiwan) eine Plinking-Pistole an, die zwar eine gewisse Spielzeuganmutung verströmt und auch ausstattungstechnisch nicht viel mitbringt, aber deren Preis als durchaus fair bezeichnet werden kann. Damit bietet sich die “TDP 45” als recht günstige Einsteigerwaffe für Neulinge an. In Bezug auf ihre einfache Handhabung - und das bei angemessener Präzision auf Zimmerdistanz - kann die Pistole sicher punkten. Bei einen Preis von ca. 50,- EUR mit “TAC”-Zubehör und 35,- EUR ohne Anbauteile, sollte man sich gut überlegen, ob man die Version “Tactcal Pro” wirklich braucht, bzw. haben möchte. Die Brückenmontage ist dabei durchaus ein Zugewinn, aber ein Lasergehäuse ohne Laser und eine Billigplastik-SD-Attrappe braucht m. E. kein Mensch. Alternative: “UMAREX XBG” (Wingun).

GUNIMO

November 2015