UMAREX SA9

UMAREX SA 9

Anbieter/Importeur: UMAREX Sportwaffen GmbH & Co. KG

Hersteller: Wingun (Made in Taiwan)

Modell: UMAREX SA 9

Vorbild: - - -

Serien-Nr.: 14G39968

System: CO2  -  “Blowback” ohne Spannfunktion

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: ca. 100 Schuss

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB  (.177)

Magazinkapazität:  20 Kugeln

Mündungsenergie: < 3 Joule (Herstellerangabe)

Geschossgeschwindigkeit: 125 m/s (Herstellerangabe)

Abzug: Double Action Only (DAO)

Abzugscharakteristik: Langer, kriechender Vorzugsweg, im beladenen Zustand hakelig - hoher Widerstand - kein Druckpunkt

Lauf: Glatt (ohne Züge)

Sicherung: Manuell - Schieber rechtsseitig über dem Abzug unterbricht die Abzugsmechanik, das Züngel lässt sich ohne Widerstand durchziehen

Visierung: Kimme und Korn starr, Kimme mit grüner Fiberoptik (lichtbündelnder Kunststoffeinsatz)

Visierlinie: 172 mm

Länge: 192 mm

Höhe: 140 mm

Breite: 33 mm

Gewicht: 668 g (leer)

    

Ausführung: Polymergriffstück - Metallschlitten - funktionsfähiger Schlittenfanghebel - Magazinbauteil Metall mit Kunststoff-Fuß

Lieferumfang: Waffe mit Manual im Pappkarton

Bemerkung: Nachfolge- / Schwestermodell der “UMAREX SA 177”

Hinweis: PTB-Zulassung, Lfd.-Listennummer: 2921

Bewertung: Saubere, äußere Verarbeitungsqualität - Preis-Leistungs-Verhältnis gut

Preis 2015: ca. 85,- EUR (Internetfachhandel)

Vorliegendes Exemplar geliefert von: http://www.sportwaffen-schneider.de/

    

 

UMAREX SA9 Operator Edition  (erschienen 2016)

  

 

Begrifferläuterungen

Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

”Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des  Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

 

 

Mündungsansichten

                

 

Korpus/Griffstück

Foto unten links: Die Spannzustandsanzeige (Stift) der “scharfen” Vorbilder ist nur ein Fake und lediglich nachgeahmte Prägung im Schlittenbauteil.

    

Foto oben rechts: Montageschiene (Picatinny-Profil) am Griffstück unterhalb der Mündung. Es können dort ggf. Anbauteile (Lampen, Laser, etc.) montiert werden (Wichtig: Rechtslage im Inland beachten!).

Foto unten Links: Während der Magazinhalter ein funktionierendes Bedienteil darstellt, ist der Zerlegeriegel (Foto unten rechts) unschwer erkennbar lediglich angedeutet.

    

 

Handgriff

Der Griff bietet haptisch und ergonomisch sehr gute Voraussetzungen und ist, da beidseitig gleich ausgeführt, auch für Linkshänder geeignet. Die Fingerrille für den Mittelfinger vorne und aufgeraute Griffflächen vorne und hinten bieten eine angenehme Handlage und geben guten Halt.

    

    

    

Sonderbares: Während auf dem Griff der “SA-177” noch ein ausgewachsener UMAREX-Schriftzug zu finden ist (Foto unten links), verliert sich an der “SA 9” dort ein “UX” (Foto unten rechts).

    

„UX“ steht hier nicht für „unisex“ (= nicht geschlechtsspezifisch) um etwa auszusagen, dass die Pistole für männliche und weibliche Schützen gleichermaßen geeignet ist, sondern das ist das Kürzel für den Firmennamen „UMAREX“. - Da fragt man sich schon was das soll, einen kurzen Namen, der aus lediglich sechs Buchstaben besteht, auf zwei zu kürzen, die sich englisch ausgesprochen dann auch noch anhören wie „Jux“ (joke). :-)

Das ist vermutlich wohl mal wieder ein doch eher missglückter Versuch besonders „hip“ daher zu kommen um die junge Generation anzusprechen, die sich in den (a)sozialen Netzwerken, Foren und beim „Simsen“ ja überwiegend nur noch wildes - und zum Teil „denglisches“ - Kürzelgeschwurbel (Netzjargon) an die Birne wirft und so dem Verfall der Sprachkultur frönt. - Albern, findet “Go” von “mz.de” ! ;-)

 

Schlitten

Die “UMAREX SA 9” hat eine “BlowBack”-Funktion und verfügt daher über einen beweglichen Metallschlitten mit funktionsfähigem Schlittenfanghebel. Nach dem letzten abgegeben Schuss sperrt das entleerte Magazin den Schlittenvorlauf. Dennoch lässt sich der DAO-Abzug dann weiterhin durchziehen und Leerschüsse erzeugen. Der Schlitten ist sehr leichtgängig, macht aber auch einen recht klapprigen Eindruck. Schon leichte, ruckartige Bewegungen mit der Schusshand quittiert er mit geräuschvollem Vor- und Zurückschwingen. Das war beim Vorgängermodell „SA 177“ deutlich besser gemacht, da saß der Schlitten strammer.

Fotos unten: Links, Schlitten in Ruheposition, rechts: Der Fanghebel greift in die Kerbung im Schlitten und hält den Verschluss hinten gesperrt.

    

    

 

Foto unten: Blick auf das geöffnete “Hülsen-Auswurffenster” mit der darin befindlichen Ventileinheit bei zurückgezogenem Schlitten.

    

    

 

Abzug

Der trotz “BlowBack“-Funktion nur im “Double Action Only”-Modus arbeitende Abzug wartet mit eher weniger guten Eingenschaften auf. Abzugscharakteristik: Langer, kriechender Vorzugsweg, im beladenen Zustand sogar hakelig - hoher Widerstand - kein klar definierter Druckpunkt.

  

Die zum Beispiel bei den “Glock”-Feuerwaffen übliche Abzugssicherung im Züngel (Fotos unten), die ein Durchziehen des Abzugs erst nach dessen Eindrücken zulässt, ist bei der “SA 9” ohne Funktion und nur als Fake nachempfunden. Leider hat das einen negativen Nebeneffekt: Die dort bestehenden scharfen Kanten auf dem Züngel hinterlassen auf Dauer schmerzhafte Eindrücke im Finger. Das Abkleben mit Klebeband vor dem Schießen schafft da Abhilfe. Es ist schon etwas ärgerlich, dass die an dieser Waffe völlig nutzlose Einrichtung zu negativen Einflüssen bei der Benutzung führt.

    

    

 

Manuelle Sicherung

Rechtsseitig befindet sich an der Waffe ein manueller Druckschieber, griffgünstig über dem Abzug platziert. In die vordere Position (“S” = “safe”) gebracht, unterbricht dies die Abzugsmechanik (Bild unten links). Das Züngel lässt sich dann zwar gegen einen nur noch sehr geringen Widerstand durchziehen, kann aber keinen Schuss auslösen. Im Bild unten rechts befindet sich der Sicherungsschieber in Position “F” (“fire”). Die sonst übliche, sinnvolle, rote Warnmarkierung, die den entsicherten Zustand schnell erfassbar signalisiert, fehlt bei der “SA 9” leider.

    

 

Visierung

Die Visierung ist leider nicht justierbar, der Kontrast zwischen der Kimme und dem recht breiten Balkenkorn ist relativ gering, aber dafür ist die Kimme mit einem lichtbündelnden Kunststoffeinsatz versehen. Das Korn hat leider keine entsprechende Ausstattung, was den Nutzen des Fibereinsatzes an der Kimme wiederum deutlich herabsetzt, da sie somit keinen adäquaten Gegenpol besitzt.

    

    

Die selbstleuchtende Fiber-Visierung ist bei eher dunklem Zielumfeld besser geeignet, als für das Zielen vor hellem Hintergrund oder bei guter Ausleuchtung. Da können einen die Lichtpunkte u. U. sogar eher irritieren als hilfreich sein, weil man einerseits auf die Punkte achtet, andererseits aber auch den Kontrast, also die hellen Abstände zwischen Kimme und Korn wahrnimmt. Bei dunklem Hintergrund ist dieser Kontrast natürlich geringer oder zumindest kaum wahrnehmbar. Dann sind die hellen Punkte natürlich sehr hilfreich. Das Verhältnis zwischen Kimme und Korn ist bei der “SA 9” so angelegt, dass beim Zielen - wegen der nur kleinen Lücken - wenig Kontrast erkennbar ist. Das Bild oben rechts vermitteln diesen Eindruck nicht konkret, da es sich um eine Nahaufnahme handelt. Im Schießbetrieb ist das Auge schließlich um Armlänge von der Kimme entfernt.

 

Kugelmagazin

Um das Metallmagazin zu entnehmen, betätigt man den Magazinhalter linksseitig am Griffstück hinter dem Abzugsbügel. Das Magazin wird ausgestoßen und gleitet dann der Schwerkraft folgend aus dem Schacht. Der große Magazinfuß ist aus Kunststoff, bildet den Griffbodenabschluss und deckt die Knebelschraube für den Kapselanstich ab (Fotos unten).

    

    

    

Bilder unten: Das Magazin in ungeladenem Zustand mit entspannter Kugeltransportfeder. Es hat eine Kapazität von 20 BBs. Das Magazin lässt sich schnell beladen und ist funktionell einwandfrei.

Foto unten links: Blick auf den Magazinkopf in leerem Zustand. Der Kopf des Kugelschiebers ragt bei entspannter Feder oben weit aus dem Reihenmagazin heraus. Dieser sorgt auch ursächlich dafür, dass der bewegliche Schlitten bei entleertem Magazin hinten gehalten wird (Schlittenfang).

    

Fotos unten: Magazin mit unten eingerastetem Kugelschieber, fertig zum Beladen.

    

Fotos unten: Links, in der Ladeöffnung sieht man noch die unterste Kugel bei gefülltem Magazin. Rechts: Der Kugelschieber ist aus seiner Rastkante befreit und schiebt federbelastet die Kugelreihe bis zum Anschlag zusammen.

    

Foto unten: Blick auf den Magazinkopf bei bestücktem Magazin. Die oberste Kugel ist sichtbar und wird durch eine Riegelklinke am Herausrollen gehindert. Die Magazinfeder drückt von unten die weiteren im Magazin befindlichen Kugeln nach.

Foto unten: Das voll bestückte und einsatzbereite Magazin

 

Implementierung der Treibgaskartusche

Um die CO2-Kartusche ins Griffstück einsetzen zu können, muss die Klappe am Griffrücken geöffnet werden. Dort wird die 12-g-CO2-Kartusche mit dem Hals voran (nach oben) eingesetzt. Für das Fixieren und Anstechen der Treibgaskapsel benutzt man die Knebelverschlussschraube am Griffboden (siehe Fotos unten).

    

    

Foto unten links: Blick auf den Anstechhohldorn mit seiner ihn umgebenden grünen Silikondichtung.  Der Dorn durchstößt die Platte oben am Kartuschenhals und leitet das Treibgas zum Ventil. Bei Schussabgabe wird über das Ventil eine adäquate Menge an Treibgas freigesetzt um die Kugel zu beschleunigen.

    

Fotos unten: Die Rastung der Griffrückenklappe.

    

 

Auf dem Schießstand

Die “UMAREX SA 9” liegt mit ihrem Gewicht von rund 700 g und dem haptisch und ergonomisch ansprechenden Griffstück angenehm griffig in der Hand. Das Zusammenspiel des leider langen Vorzugsweges, mit dem kräftigen Abzugswiderstand und der etwas kriechenden bis kratzigen Charakteristik ohne definierten Druckpunkt, generieren eine Mischung, die gemeinhin keine idealen Voraussetzungen für eine gute Schusspräzision darstellen. Hinzu kommt, dass die u. a. bei den “Glock”-Feuerwaffen übliche Abzugssicherung im Züngel, die bei dieser CO2-Pistole aber nur ein Fake ist, leider einen negativen Nebeneffekt aufweist: Die dort bestehenden scharfen Kanten auf der Grifffläche des Züngels, hinterlassen auf Dauer schmerzhafte Eindrücke im Finger.

Der Kontrast der Visierung ist nur eingeschränkt brauchbar, bei heller Ausleuchtung aber o. k.. Nur das Rearsight ist mit einer Fiberoptik versehen. Kimme und Korn sind leider nicht justierbar. Abträglich im Hinblick auf die Präzision sind natürlich auch der glatte Lauf, die DAO-Abzugsfunktion, sowie die Verwendung von Stahlkugeln. Die Schussenergie reicht aus, um auf 7 m Distanz handelsübliche Getränkedosen bei einem Treffer zuverlässig zu lochen. Die Streuung der Kugeln ist für eine Waffe mit „BlowBack“-Funktion, welche für das Plinking und Funshooting auf Zimmerdistanz ausgelegt ist, trotz der o. g. Fakten absolut passabel (siehe Scheiben unten). Bei „fleck“ gehaltener Visierung lag die Treffpunktlage absolut mittig, und es ließen sich nach kurzem Einschießen erstaunlich gute Schussgruppen erzeugen.

Mit einer CO2-Kapselfüllung konnten ca. 100 BBs verwertbar verschossen werden. Bei der 6. Magazinfüllung sank die Treffpunktlage dann deutlich ab. Eine sehr gute Ausbeute, wenn man bedenkt, dass bei der “SA 9” ein Teil des Treibgases für die Schlittenbewegung abgezweigt wird. Bei der 6. Magazinfüllung wurde die Schlittenbewegung dann merklich träger und am Ende reichte dann die Energie nicht mehr dazu aus, den Schlitten soweit zu repetieren, dass der Schlittenfang funktionierte. 

Das Magazin lässt sich durch die große Ladeöffnung schnell befüllen und der Kugelschieber hat in der unteren Position eine Raste, muss also beim Ladevorgang nicht per Fingerdruck unten gehalten werden. Es traten bei der Testwaffe am Anfang ein paar Zuführungsstörungen auf, die aber nach kurzer „Einlaufphase“ verschwanden. Der durch das „BlowBack“ bei jedem Schuss zurücklaufende Schlitten generiert einen kräftigen Impuls und lässt die Waffe dabei leicht aus dem Ziel springen. Leider hat das Feature keine positiven Einwirkungen auf das Abzugsverhalten. Weder wird der Abzugswiderstand durch Vorspannen verringert, noch der Vorzugsweg verkürzt.

Bilder unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Waffe in beidhändigem Anschlag mit aufgelegten Unterarmen gehalten.

Weiterführende Links:

      

 

 

Optischer Vergleich “SA 9” vs “SA-177”

        

Fotos oben und unten rechts: Die Magazine der beiden Modelle sind, bis auf den Magazinschuh, absolut identisch und kompatibel.

    

    

 

Fazit

“Glock”-Fans hatten sich damals über das Erscheinen der „UMAREX SA 177“ gefreut. Entsprechend hoch waren das Interesse und die Nachfrage nach diesem Modell. Um so erstaunter wurde im Kreise dieser Waffenliebhaber die Tatsache aufgenommen, dass die Pistole recht schnell aus dem Angebot genommen wurde und fortan nicht mehr verfügbar war. Gerüchten zufolge soll dies an der Intervention des Waffenhersteller „Glock GmbH“ (Austria) gelegen haben, der mit der unautorisierten Ähnlichkeit der von UMAREX vermarkteten „Wingun“-CO2-Pistole mit ihren eigenen Feuerwaffen nicht einverstanden war. Das klingt als Begründung für das kurze „Leben“ der „SA 177“ durchaus plausibel, ist aber - soweit mir bekannt - bis heute unbestätigt und daher letztlich nur eine Annahme. 

Sei’ s drum, die „SA 9“ von “Wingun” sollte fortan die entstandene Lücke im UMAREX-Portfolio füllen. Die vielen Ähnlichkeiten mit der Vorgängerschwester sind dann ja auch unverkennbar, wobei ich für meinen Teil sagen muss, dass mich die „SA 177“ ein Stück weit mehr überzeugt hat. Trotzdem, auch mit diesem Modell erhält der geneigte Käufer eine Pistole in die Hand gelegt, die bei angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis zwar nicht durch gehobene Ausstattung besticht, aber dennoch viel Spaß auf dem Schießstand verspricht. 

 

GUNIMO

Oktober 2015 / März 2016