Beretta M9A3

Beretta M9A3

Anbieter/Importeur: UMAREX Sportwaffen GmbH & Co. KG

Hersteller: “KWC” - Kien Well Toy Industrial Co. (Taiwan)

Modell: Beretta M9A3

Vorbild: Beretta M9A3 - 9mm Luger (9x19 mm Para)

Serien-Nr.: 17E07321

System: CO2 - “BlowBack”

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: Ca. 50 - 60 Kugeln

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB  (.177)

Magazinkapazität:  16 Kugeln

Mündungsenergie: < 3 Joule (Herstellerangabe)

Geschossgeschwindigkeit: ca. 100 m/s (Herstellerangabe)

Abzug: Single Action / Double Action

Abzugscharakteristik: DA: Langer, kriechender Vorzugsweg ohne Druckpunkt vor Schussauslösung/ SA: Stark verkürzter und leichtgängiger Abzugsweg mit Druckpunkt vor Schussauslösung

Lauf: Messing, glatt (ohne Züge)

Sicherung: Schwenkhebel beidseitig, unterbricht die Abzugsmechanik

Visierung: Kimme und Korn starr, mit weißer Markierung versehen

Visierlinie: 160 mm

Länge: 230 mm

Höhe: 143 mm

Breite: 38 mm

Gewicht: 850 g (leer)

Ausführung: Polymergriffstück, Schlitten und Laufmantel aus Metall (Druckguss), Magazinbauteil aus Metall mit Kunststoffkomponenten, Mündung mit Schalldämpfergewinde ausgestattet, Waffe zerlegbar

Lieferumfang: Waffe mit Manual, Inbusschlüssel, kleinem Gebinde Stahl-BBs im Pappkarton

Hinweis: PTB-Zulassung, Lfd.-Listennummer: 4061

Bewertung: Wertige Verarbeitungsqualität - Preis-Leistungs-Verhältnis gut - Plinkingpistole mit angemessener Präzision auf Kurzdistanz bis ca. 10 m

Bemerkung: Die CO2-Replika der “Beretta M9A3” führt die Originalmarkings, da UMAREX die Namenslizenz hält.

Preis 2018: ca. 150,- EUR (Internetfachhandel), Ersatzmagazin ca. 50,- EUR

Vorliegendes Exemplar geliefert von: http://www.sportwaffen-schneider.de/

    

    

 

Das Vorbild

    

Das Modell “Beretta 92 FS” im Kaliber 9x19 mm wird seit 1976 hergestellt und hat heute den Status eines Klassikers. Die Modellvariante “M9” wurde Mitte der 1980er Jahre bei den US-Streitkräften als Ordonnanzpistole eingeführt. Auf der “IWA 2016” wurde die “M9 A3”-Version in FDE-Optik (Flat Dark Earth) vorgestellt.

 

    

 

Mündungsansicht

    

Fotos unten: Die Pistole hat an der Mündung ein Schalldampfergewinde mit Schutzaufsatz. Es handelt sich um ein Linksgewinde, sprich: Festschrauben nach Links, gegen den Uhrzeigersinn.

    

    

 

Finish

Die äußere Verarbeitungsqualität der Pistole ist tadellos. Das gilt sowohl für die Beschichtung der Metallteile, als auch für Optik und Haptik der Polymerkomponenten. Leider erzeugt der auf dem beweglichen Schlitten sitzende Kornsattel eine Riefe in der beigebraunen Laufmantelbeschichtung (Foto unten).

Foto Unten: Die Bedien- und Funktionsteile sind aus Metall (Druckguss) und schwarz beschichtet.

 

Griffstück / Griffschalen

Die Griffschalen der “Beretta M9A3” bestehen aus Polymer, sind wie die Schalen beim Original klein gecheckert. Sie sind jeweils mit zwei Schrauben am Griffstück verschraubt und sitzen knarz- und wackelfrei fest. Griffrücken und -vorderseite sind ebenfalls mit einer griffigen, rauen Checkerung ausgestattet und bieten hervorragenden Grip. (Fotos unten).

    

Foto unten: Die Pistole verfügt über eine Monatageschiene am Griffstück unter dem Lauf für das Anbringen von Zubehör (Vordergriff, Lampe*, Laser*). * gesetzl. Reglementierung beachten!

Bild unten: Blick auf den Griffboden mit Magazinschuh, und der Fangriemenöse (links). Rechts: Griffboden bei entnommenem Magazinbauteil.

    

 

Sicherung

Die Pistole ist mit einer beidseitig zu betätigenden, manuellen Sicherung ausgerüstet (Fotos unten). Wird der Schwenkhebel in die untere Position gebracht (safe = roter Punkt verdeckt) unterbricht dies die Abzugsmechanik und blockiert gleichzeitig den Schlittenrückauf. In der oberen Position, der rote Punkt liegt frei, befindet sich die Waffe im Status ungesichert (Foto rechts). Der Hebel lässt sich leichtgängig betätigen.

    

    

 

Visierung

Die offene Visierung ist leider nicht justierbar, Kimme und Korn sind fest in der jeweiligen Schwalbenschwanzpassung verankert. Die Zieleinrichtung bietet zumindest bei gut ausgeleuchtetem Zielumfeld ausreichenden Kontrast. Deutlich verbessert wird die Möglichkeit der raschen Zielerfassung aber dadurch, dass Kimme und Korn mit weißen Markierungspunkten versehen sind.

    

    

 

Begrifferläuterungen

”Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. “Double Action Only” (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein “Single-Action”-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

”Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

 

Abzug, Hahn und Verschluss

Fotos unten: Beim Abzug handelt es sich um einen Spannabzug (DA/SA) mit “BlowBack”-Funktion. Abzugscharakteristik: DA: Langer, kriechender Vorzugsweg ohne Druckpunkt vor Schussauslösung/ SA: Stark verkürzter und leichtgängiger Abzugsweg mit Druckpunkt vor Schussauslösung. Das “BlowBack” erzeugt einen kräftigen Impuls auf die Schusshand.

    

Fotos unten: Blick auf den Hahn, einmal entspannt anliegend, in Sicherungsrast und gänzlich zurückgezogen, also im gespannten Zustand. Er lässt sich wahlweise entweder durch das Zurückziehen des Schlittens spannen, oder per Daumen. Im Schießbetrieb übernimmt die “BlowBack”-Funktion permanent das weitere Hahnspannen.

    

    

Fotos unten: Nach dem letzten Schuss, also bei entleertem Magazin, sperrt der Verschluss automatisch. Der Schlitten bleibt in der hinteren Position gefangen.

Foto unten: Unter dem Lauf ist die schwarze Federführungsstange zu sehen.

 

Schlittenfanghebel

Auf den Fotos unten sieht man, wie der hochgeschwenkte Hebel bei leerem Magazin den Schlitten (Verschluss) hinten gefangen hält (oberes Bild). Drückt man den Hebel nach unten, schnellt der Schlitten federbelastet wieder nach vorne in seine Ausgangs-/Ruheposition (unteres Foto).

Fotos unten: Blick auf den Schlittenfanghebel bei abgenommenem Schlitten (Verschluss).

    

Fotos unten: Blick von oben in den Magazinschacht bei hinten gehaltenem Schlitten (Verschluss). Bei scharfen Feuerwaffen findet hier der Hülsenauswurf statt (“Hülsenauswurffenster”). Linkes Bild: Auswurffenster bei implementiertem Magazinmodul. Rechts: Magazin entnommen. Darunter: Magazinschacht bei abgenommenem Schlitten. Die entsprechende Demontageanleitung findet sich weiter unten in diesem Review.

    

    

 

Implementierung der CO2-Kartusche

Das Kombi-Magazin wird per Druckknopf (Magazinhalter) am Griffstück entriegelt. Es gleitet dann dank seines Eigengewichts selbsttätig aus dem Schacht am Griffboden. Beim Einsetzen bis zum Anschlag arretiert es am Ende automatisch.

Fotos unten: Das Magazinmodul besteht überwiegend aus Metall (Druckguss) und nimmt sowohl die CO2-Kartusche als auch die BB-Projektile auf.

    

    

 

                      

    

 

Kugelmagazin

Zum Laden der 16 Kugeln durch die runde Öffnung im Stangenmagazin (Bild unten) drückt man den federbelasteten Zuführer nach unten und rastete ihn an der dafür vorgesehenen Kerbkante ein. Leider ist das Herunterschieben des Kugelzubringers sehr fingernagelunfreundlich, da die Grifffläche sehr flach und klein deherkommt, die Feder aber einen hohen Widerstand entgegen setzt.

    

Fotos oben und unten: Die BBs werden durch die runde Öffnung, bei unten in der Rast-/Kerbkante arretiertem Zuführer, ins Stangenmagazin eingefüllt. Die der Waffe beiliegende Beschreibung zeigt fälschlicher Weise die Kugelzuführung am Magazinkopf. Magazinkapazität = 16 Kugeln.

    

    

 

Auf dem Schießstand

Die “Beretta M9A3”€ ist eine optisch und haptisch sehr gelungene CO2-Pistole mit realitätsnaher Handhabung. Die Kunststoffgriffschalen bieten guten Grip, wirken keineswegs knarzig und sitzen wackelfrei auf dem Griffstück. Die rund 850 g schwere Pistole bietet außerdem eine sehr ausgewogene Handlage.

Das 16 Kugeln fassende BB-Magazin ist schnell aufmunitioniert, denn man kann die BBs einfach in die dafür vorgesehene Öffnung hineingleiten lassen. Nicht ganz so praktisch ist die Kartuschenimplementierung und der Kapselanstich unter Zurhilfenahme eines externen Werkzeugs (Inbusschlüssel), der immer separat mitgeführt werden muss.

Die starre offene Visierung ist leider nicht justierbar bietet aber bei hell ausgeleuchtetem Zielumfeld ausreichenden Kontrast. Durch die weißen Punkte an Kimme und Korn wird die Zielerfassung dann aber deutlich erleichtert. Eine starre Visierung stellt m. E. immer einen Kritikpunkt dar, denn das Nachregulieren der waffenseitig mitgebrachten Treffpunktlage ist somit nicht möglich. Beim vorliegenden Exemplar war die Treffpunktlage zu tief. Weitere Aspekte, welche die Präzision der Pistole negativ beeinflussen, sind der glatte Lauf, die Verwendung von Stahlrundkugeln anstelle von Diabolos und die Impulsauswirkungen der vorhandenen “BlowBack”-Funktion.

Wie bereits oben erwähnt, bietet der SA-Abzug für eine CO2-Plinkingwaffe eine recht gute Charakteristik. Es gibt nur einen relativ kurzen Vorzugsweg, dann nimmt man den Druckpunkt wahr und das Auslösen des Schusses erfolgt nach Überwindung eines angenehm geringen Widerstands. Im DA-Modus sieht das Ganze dann schon weniger erfreulich aus: Ein langer, kriechender Vorzugsweg ohne Druckpunkt vor Schussauslösung erwartet den Schützen, der aus diesem Grund die manuelle Vorspannmöglichkeit und hahnspannende “BlowBack”-Funktion dieser Pistole im Schießbetrieb zu schätzen weis. Allerdings bezahlt man dieses Feature dann aber mit einem Mehr an Treibgasverbauch.

Energieentwicklung und Präzision entsprechen den Erwartungen, die man einer Plinkingwaffe dieser Ausprägung üblicherweise entgegenbringen darf. Für das Freizeitschießen auf Zimmerdistanzen von 5 bis 10 Metern ist die CO2-betriebene Replik der “Beretta M9A3” sehr gut geeignet. Ein Präzisionswunder mit annähernder Matchqualität ist bei dieser aus dem Softairsektor konvertierten CO2-Pistole natürlich nicht gegeben.

Weiterführende Links:

      

 

Demontage

Die Bedienungsanleitung der “Beretta M9A3” enthält keine Demontageanleitung, obwohl sich die Pistole ganz leicht zerlegen lässt. Es gibt einen funktionsfähigen Zerlegehebel (Fotos unten) und der Schlitten lässt sich ganz einfach von der Waffe trennen.

Zunächst drückt man auf der rechten Waffenseite den ovalen Knopf oberhalb des Abzugsbügels ein (Bilder oben und unten).

    

Fotos unten: Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Stift herausgedrückt, der nun etwas weiter aus dem Gehäuse herausragt (schwarzer Pfeil).

    

Der Zerlegehebel kann nun um 90° nach unten gedreht werden. Spätestens jetzt das Magazin aus der Waffe entnehmen und den Schlitten vorsichtig nach vorne vom Griffstück abziehen.

 

Bilder unten: Blick auf das Innere des Schlittens (Verschlusses). Hier könnten zwar weitere Zerlegemaßnahmen durchgeführt werden, die Dokumentation dieser Schritte führt im Rahmen dieses Reviews jedoch zu weit.

Foto unten: Federführungsstange und Schlittenfeder entnommen.

 

Foto unten: Die “Beretta M9A3” cal. 4,5mm BB CO2-Pistole ist eine Konvertierung aus dem 6mm-Softairsektor. Das verrät das “HopUp”-Justierrad, das bei den hier zur Verwendung kommenden schweren 4,5 mm Stahl-BBs keinen Sinn macht.

“HopUp” = Vorrichtung (Walzen am Laufansatz) in Softairwaffen, die abgefeuerte BBs in eine Rotationsbewegung versetzt. Das dadurch herbeigeführte strömungsgünstigere Verhalten der leichten 6mm-Plastikgeschosse hat eine stabilere Flugbahn, bessere Präzision und eine größere Reichweite zur Folge.

 

Fotos unten: Das Griffstück ohne Verschluss

 

Der Zusammenbau der Pistole erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

 

Grundsätzliches:

Das Zerlegen von Druckluft- und CO2-Waffen zu Reinigungszwecken ist praktisch nicht erforderlich, da ja kein Pulverschmauch oder ähnlich hartnäckige Substanzen zu einer erheblichen Verunreinigung der Waffe im Schießbetrieb führen. Laufreinigung und Schmierung mechanischer Teile kann in der Regel ohne Demontage der Waffe erfolgen. Instandsetzungsmaßnahmen sollte man ohnehin Fachleuten überlassen, denn diese sind für Laien nicht immer leicht durchführbar oder können u. U. sogar illegale Handlungsweisen darstellen.

Der innere Aufbau von Druckluft- und besonders CO2-Waffen ist deutlich komplexer als der von scharfen Feuerwaffen oder Schreckschusswaffen. Es finden sich im Innern viele Klein- und Kleinstteilen und da springen dann beim Zerlegen gerne mal kleine Federchen weg, oder Hebel und Schrauben machen sich selbständig und verschwinden dann unauffindbar im Teppichflor oder in irgendwelchen Ritzen.

Nicht ohne Grund werden die Gehäuse von CO2-Waffen vom Hersteller oft durch Verstiftung oder andere geeignete Maßnahmen so verschlossen, dass sie sich vom Anwender nur mit großer Mühe öffnen lassen. Denn nicht selten landen Waffenkleinteilpuzzles als Einsendungen in der Serviceabteilung des jeweiligen Anbieters oder Herstellers, mit der Bitte des verzweifelten Besitzers, diese wieder schießfähig zu montieren. Da verwundert es nicht, dass die Bedienungsanleitungen der Produkte keine konkreten Hinweise zur Demontage der Waffen nebst detaillierten Sprengzeichnungen enthalten.

Wer es dennoch wagt, sich dem Inneren einer Waffe zu nähern, der sollte bei der Demontage sicherheitshalber mit den Händen stets innerhalb einer geeignet großen Plastiktüte oder unter einem großen hellen Tuch, etc. zu Werke gehen. Sollte nämlich dann beim Zerlegen mal ein Malheur passieren, sind die Kleinteile zumindest nicht verloren. Immerhin ist so beim Versuch der Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit zumindest die Vollständigkeit alle Kleinteile zweifelsfrei gewährleistet.

Achtung: Wer selber Hand anlegt, der verwirkt im Fall der Fälle seine Garantie- und Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller. Ob sich das lohnt...?

 

Foto unten: Optischer Vergleich der “Beretta M9A3” (unten) mit der neuen “Sig Sauer P320” (CO2).

Fazit

UMAREX importiert und vermarktet mit dieser von “KWC” in Taiwan hergestellten “Beretta M9A3”-Replika einen realitätsnahen Nachbau der Ordonnanzwaffe der US-Streitkräfte. Allen voran die “Beretta”-Fans und Sammler werden sich diese Waffe sicher nicht entgehen lassen. Warum auch? Für rund 150,- EUR erhält der Käufer eine CO2-Pistole, die funktional, optisch und haptisch punkten kann und somit einen adäquaten Gegenwert zum Kaufpreis darstellt.

GUNIMO

März 2018