Gletcher M 1891

Gletcher M1891

Anbieter: Gletcher (U.S.A.)

Hersteller: Wintech Group Co., Ltd.

Fertigung: Taiwan

Deutschland-Import und Vertrieb: “Soldier of Fortune GmbH”   (SOF78)

Modell: “M1891”

Vorbild: Mosin Nagant (“sawed-off” / gekürzt)

    

Serien-Nr.: 27MRF1366

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

System: CO2-Repetierer

Schussausbeute je Kapsel: ca. 85 verwertbare Schüsse

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB   (.177)

Magazinkapazität:  17 Kugeln (laut Manual 16 Kugeln)

Mündungsenergie: ca. 4 Joule  (Herstellerangabe)

Geschossgeschwindigkeit: 130 m/s   (Herstellerangabe)

    

Abzug: Single Action Only (SAO)

Abzugscharakteristik: kurzer Vorzugsweg, kein klar definierter Druckpunkt, relativ geringer Abzugswiderstand

Lauf: glatt (ohne Züge), Lauflänge 157 mm

Sicherung: Manuell, blockiert das Abzugszüngel

Visierung: Korn Statisch, Kimme höhenverstellbar (leider nur grobe Abstufung)

Visierlinie: 180 mm

Länge: 573 mm

Höhe: 110 mm

Breite:77 mm

Gewicht: ca. 2.750 g (leer)

Ausführung: Kunststoffschaft in Holzoptik - System Druckguss (schwarz beschichtet) - Verschluss Metall (nicht magnetisch, vermutlich Druckguss) - Magazinbauteil Druckguss - Visierung Metall

Lieferumfang: Waffe mit Manual im Pappkarton

Bewertung: Sauber verarbeitete, originalgetreue Nachbildung eines gekürzten Mosin-Nagant-Karabiners mit realitätsnaher Handhabung. Die schwarze Beschichtung des Laufmantels und des Systems ist sehr anfällig gegen mechanische Beanspruchung, es entstehen schnell Kratzer. Wünschenswert wäre ein Holzschaft.

Preis 2015: ca. 220,- EUR (Internetfachhandel)

Waffe erworben bei:  http://www.sportwaffen-schneider.de/    

 

    

 

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Vorbild

Das “Mosin-Nagant” ist ein russisches Repetiergewehr mit Kammerstengelverschluss (Standardwaffe der sowjetischen Infanterie) im Kaliber 7,62 x 54 mm R das im Jahre 1891 entwickelt und von 1891 bis 1965 hergestellt wurde (Entwickler: Sergei Iwanowitsch Mossin, Leon Nagant). Das Kastenmagazin fasst 5 Patronen die in einem Ladestreifen stecken. Ursprünglich wurde die Waffe in drei Versionen aufgelegt: Als Infanterie- gewehr mit 800 mm Lauflänge und  Bajonett, als Dragonergewehr mit 730 mm Lauflänge und Bajonett und als Kosakengewehr mit 730 mm Lauflänge ohne Bajonett. Später kamen etliche Varianten u. a. als Scharfschüt- zengewehre hinzu. Im Krieg wurde das Gewehr von russischen Partisanen oft gekürzt, um es verdeckt führen und besser verstecken zu können.

    

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Mündungsansicht

Fotos unten: Im Mündungsbereich und am Korntunnel sind helle Kratzer in der schwarzen Beschichtung zu sehen die dokumentieren, wie anfällig diese schon bei geringer mechanischer Beanspruchung ist. Schon nach kurzem Gebrauch und dem üblichem Hantieren mit der Waffe entstehen sehr schnell solche Abnutzungsspuren.

    

    

 

Lauf

Der Stummellauf des “M1981” entspricht ja ohnehin dem einer gekürzten Langwaffe. Was man aber erst bei genauem Hinsehen erkennt, dass ist die Tatsache, dass der kalibermaßige Innenlauf bereits 115 mm vor der Mündung endet! Die außen am Laufmantel gemessenen 272 mm beinhalten also lediglich einen 157 mm langen Innenlauf (ohne Züge), welcher der Kugel Führung gibt. Danach befindet sich die Kugel bereits im freien Flug durch ein Laufmantelrohr. Motto: Aus wenig, mach noch weniger... ;-)

 

Schaft

Das System des “M1891” steckt in einem Kunststoffschaft in Holzoptik. Auch wenn Farbe und Maserung noch einigermaßen gut gelungen sind würde man sich dennoch einen echten Holzschaft wünschen, der dieser Waffe deutlich mehr Flair und Wertigkeit verleihen würde.

    

Foto unten rechts: Insbesondere am hinteren Ende des Schaftes sieht man die Ansatzstellen und Überlap- pungen der Holzmusterauflage recht deutlich. Das ist alles andere als ein Augenschmaus.

    

 

Sicherung

Bilder unten: Am hinteren Ende des Verschlusses befindet sich die Sicherungseinrichtung der Waffe, die man bei gespanntem Schlagstück inkraft setzen kann. Dazu zieht man den gerändelten, runden Griff ein Stück weit nach hinten und legt ihn nach links um. Der rote Punkt und das “F” (für Fire) sind dann durch einen Bügel abgedeckt (Foto unten rechts). In diesem Status ist das Abzugszüngel blockiert und es kann kein Schuss ausgelöst werden.

    

 

Visierung

Fotos unten: Die offene Visierung des “M1891” besteht aus einem runden Stiftkorn, der von einem Korntunnel umgeben ist und einer höhenverstellbaren Kimme. Beide Komponenten sind aus Druckguss gefertigt. Die Visierlinie hat eine Länge von lediglich 180 mm.

    

Fotos unten: Die Kimmenhöhe kann bei Bedarf mittels eines Schiebers justiert werden. Um diesen vor und zurück bewegen zu können, müssen die beiden seitlichen, federbelasteten Stopper eingedrückt werden. Leider ist die Abstufung etwas grobrastig umgesetzt. Die Kimme ist mit einer Skalierung von 1-10 ausgestattet. Eine seitliche verstellmöglichkeit ist leider nicht gegeben. Wegen des recht flachen Kimmenausschnitts bietet die Visierung nur bei gut ausgeleuchtetem Zielumfeld ausreichenden Kontrast für eine schnelle und sichere Zielerfassung.

    

 

Verschluss

Das “M1891”  ist ein Repetiergewehr mit Kammerstengel. Vor jedem Schuss muss das Schlagstück gespannt und eine Kugel aus dem geladenen Magazin in den Lauf befördert werden. Entriegelt wird der Verschuss, in dem man den Kammerstengel aus seiner Ruheposition zunächst nach oben schwenkt und dann bis zum Anschlag nach hinten zieht. Das Schlagstück ist nun gespannt. Danach wird der Verschluss wieder nach vorne geschoben. Dabei wird eine Kugel aus dem Magazin in den Laufansatz bewegt. Zuletzt wird der Verschluss durch das nach Rechts legen des Kammerstengels verriegelt (siehe Fotoabfolge unten).

Foto unten: Blick in den geöffneten Verschluss auf der rechten Waffenseite. Hier sieht man die CO2-Ventil- einheit, welche sich am Kopf des eingesetzten Magazin-/Kapselmoduls (Kombimodul) befindet.

Bild unten: Entnommenes Kombimodul

 

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Begrifferläuterungen

Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rück- stoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Re- volver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. Double Action Only (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein Single-Action-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betä- tigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

“Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

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Abzug

Abzugsbügel und -züngel bestehen aus Druckguss. Beim Abzug handelt es sich um einen Single-Action-Only- Abzug mit insgesamt recht angenehmer Charakteristik. Einem sehr kurzen Vorzugsweg, bei geringem Widerstand folgt eine Art Druckpunkt, dem aber nicht die sofortige Schussauslösung folgt, sondern ein erneut kurzer Folgeweg. Der Schuss bricht dann leider ohne klar definierten Druckpunkt. Nach einiger Zeit hat man aber ein recht gutes Gefühl für den Auslösepunkt entwickelt. Zieht man den Abzug schnell durch wirkt er kurz und “knackig”. Für eine Plinkingwaffe ein vergleichsweise guter Abzug, der vorallem davon lebt, dass der Kugelstransport aus dem Magazin in den Lauf bereits durch den vorgelagerten Repetiervorgang durchgeführt wird.

 

Implementierung der Treibgaskartusche

Fotos unten: Um das Magazinmodul zu entnehmen, wird der federbelastete Magazinhalter vorne am Abzugs- bügel betätigt. Eine Feder im Innern des Schachts drückt das Metallmodul ein Stück weit heraus, sodass es herausspringt und entnommen werden kann.

    

Fotos oben und unten: Im oberen Bild gibt das entnommene Magazinbauteil den Blick in den Schacht an der Unterseite der Waffe frei. Das Foto unten zeigt den Durchblick bei geöffnetem Verschluss.

Fotos unten. Das Kugel-/Kapsel-Kombimodul mit dem darin integrierten, silbrig glänzenden Innensechskant- schlüssel (Inbusschlüssel). Es handelt sich dabei um das Werkzeug für die Kapselspannschraube.

    

Fotos unten: Blick auf die Ventileinheit am Kopf des Kombimoduls. Der Ventilbolzen, auf den das Schlagstück bei der Schussabgabe auftrifft, ist von einem messingfarbenen Abschluss-Schraubdeckel umgeben.

    

Fotos unten: Der Innensechskantschlüssel (“CO2-Key”) für die Kapselfixierschraube. Mit dem Hinweis “PUSH” wird man aufgefordert diesen für die Nutzung aus seiner Halterung herauszudrücken.

    

    

Foto unten: Der Inbusschlüssel steckt im Kopf der Fixier-/Anstechschraube für die CO2-Kapsel.

Das Foto unten rechts zeigt den Hohldorn der von einer grünen Dichtung umgeben ist. Der Dorn durchstößt die Platte oben am Kartuschenhals und leitet das Treibgas zum Ventil.

    

 

Laden des Kugelmagazins

Das 17 Stahlkugeln (Kaliber 4,5 mm (.177)) fassende Reihenmagazin lässt sich schnell und komfortabel laden. Man zieht den federbelasteten Kugelzuführer in die unterste Position und rastet diesen in die dafür vorge- sehene Randkerbung ein (weißer Pfeil im zweiten Foto unten). Das Einfüllen der BBs erfolgt durch die Öffnung am Magazinkopf. Abschließend wird der Zuführer wieder entrastet. (Hinweis: Das Manual nennt eine Magazin- kapazität von 16 Kugeln.)

    

    

Fotos unten: Oben auf dem Magazin (vor der Ventileinheit) sitzt der Zubringer, der die oberste Kugel (Foto unten links) aus dem Magazin in den Laufansatz befödert. Dies wird beim Repetiervorgang mit dem Kammer- stengel durchgeführt. Bei der Vorwärtsbewegung des Verschlusses drückt eine hervorstehende Nase gegen den überstehenden Block (scharzer Pfeil) und schiebt somit den Kugelzubringer gegen den Druck der Spiralfeder nach vorne. Das silberne Röhrchen schiebt dann die oberste Kugel aus dem Magazin (weißer Pfeil).

    

    

 

Auf dem Schießstand

Wie soll man das abgesägte Ding mit dem Stummelschaft denn vernünftig im Anschlag halten? Das ist wohl die erste Frage, die sich dem angehenden Benutzer stellt, wenn er die mit rund 2,8 kg Kampfgewicht überraschend schwergewichtige Waffe aus dem Karton hebt. Aber das ist nach dem ersten Hantieren und In-Anschlag- nehmen schnell vergessen, denn der Schütze findet ganz automatisch die richtige Position, in dem er den Stummelschaft seitlich an die Wange drückt und damit sofort auch den richtigen Augenabstand zur Visierung herstellt. Und siehe da, die erste positive Überraschung ist gelungen. Da die “M1891” mittels Treibgas arbeitet macht der aufgrund dessen fehlende Prellschlag einen vollwertigen Anschlagschaft (Schulterstütze) durchaus entbehrlich, auch wenn sich dies zunächst doch etwas gewöhnungsbedürftig anfühlt und die Waffe weniger ruhig im Anschlag gehalten werden kann. Hier sollte man sich dann aber wieder vor Augen führen, dass es sich um die Nachbildung einer historischen “Partisanenwaffe” handelt, die aus - für den gedachten Einsatz - praktischen Gründen aus einem stark gekürzten Gewehr besteht, was dem Schützen natürlich einen gewisse Kompromissbereitschaft abverlangt.

Funktionell ist die Waffe einwandfrei gemacht und im Test arbeitete sie höchst zuverlässig. Es traten keinerlei Funktionsstörungen auf. Der Abzugsbügel ist angenehm großzügig ausgeführt, sodass der Abzugsfinger ausreichend Bewegungsfreiheit findet. Die Abzugscharakteristik ist für eine Plinkingwaffe dieser Ausprägung als gut zu bezeichnen (Details dazu im Kapitel “Abzug”).

Der Hersteller bietet eine vertikal justierbare offene Visierung mit leider nur mäßigem Kontrast auf, der für eine saubere Zielerfassung ein gut ausgeleuchtetes Zielumfeld erfordert. Eine Seitenverstellung ist leider nicht vorhanden. Dadurch kann die zur Linkslastigkeit neigende Treffpunktlage der Testwaffe nicht nachjustiert werden. Die Höhenverstellung ist bezüglich ihrer Abstufung leider etwas zu grobrastig umgesetzt. Eine Feinabstimmung ist daher schwierig bis unmöglich. Aspekte, welche die Präzision der “M1891” negativ beeinflussen, sind der kurze Lauf ohne Züge und der Einsatz von Stahlrundkugeln. Dass der kalibermaßige Innenlauf bereits 115 mm vor der Mündung endet ist eine schwer nachvollziehbare Tatsache. Die außen am Laufmantel gemessenen 272 mm beinhalten also lediglich einen 157 mm kurzen, kalibermaßigen Innenlauf, welcher der Kugel Führung gibt. Danach befindet sich die Kugel bereits im freien Flug durch das Laufmantelrohr.

Eine 12g-CO2-Kapsel reicht für rund 85 verwertbar verschossene Projektile aus. Danach fällt der Gasdruck signifikant ab. Die generierte Schussenergie reicht aus, um auf üblicher Zimmerdistanz (im Test 7 m) Weißblechdosen bei einem Treffer zuverlässig zu lochen, bzw. bei der Verwendung von Klappzielen (z. B. Entenkasten) einen Treffer sauber anzuzeigen. Sehr praktisch gelöst ist die Maßnahme, dass der für den Anstechvorgang der CO2-Kartusche benötigte Inbusschlüssel in das Magazinmodul eingearbeitet ist und so jederzeit griffbereit vorliegt

Scheiben unten: 10-m-Luftgewehrscheibe 14 x 14 cm, Spiegeldurchmesser 3 cm, Schussentfernung ca. 7 m, Waffe aufgelegt und mit “aufsitzendem Spiegel” gehalten. Jeweils 10 Stahl-BBs.

    

Scheiben unten: 10-m-Luftgewehrscheibe 14 x 14 cm, Spiegeldurchmesser 3 cm, Schussentfernung ca. 7 m, Waffe aufgelegt und mit “aufsitzendem Spiegel” gehalten. Jeweils 10 Stahl-BBs.

    

Scheibe unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Schussentfernung ca. 7 m, Waffe aufgelegt und mit “aufsitzendem Spiegel” gehalten. 17 Stahl-BBs.

    

Weiterführende Links:

            

 

Fazit

Das “Gletcher M1891“ ist ein wertiges, sauber verarbeitetes und funktionell ausgezeichnetes CO2-Kurz- gewehr. Seine positiven Eigenschaften und seine hohe Zuverlässigkeit im Gebrauch machen es zu einer sehr guten Fun-/Actionwaffe und nach Absolvierung der Schießtests ergab sich ein überaus zufriedenstellendes Gesamtbild. Auch wenn die Präzision der Waffe keinen ausgesprochen soliden Eindruck hinterlässt, kommt der Schießspaß absolut nicht zu kurz und das authentische Repetieren mittels Kammerstengelverschluss verströmt einen besonderen Charme. Den geschichtlichen Bezug dieser ‘verstümmelten’ “Mosin-Nagant”- Replik hatte ich in diesem Review ja bereits beleuchtet und dieser Sachverhalt bietet m. E. einen weiteren, interessanten Kaufanreiz. Freunde der reinen Ästhetik werden sich ob des unproportionalen Erscheinungs- bildes der Waffe vielleicht naserümpfend abwenden, aber wer das Besondere mag sollte hier unbedingt zugreifen.

 

 

GUNIMO

März 2015