Beretta 84 FS

Beretta 84 FS

Anbieter/Importeur: UMAREX

Hersteller: Wingun

Fertigung: Made in Taiwan

Modell: “Beretta 84 FS”, Replika mit Original-Markings aufgrund Namenslizenz

Vorbild: “Beretta 84 FS” (“Cheetah”), Kaliber .380 ACP, erschienen 1976

Serien-Nr.: 13G07345

System: CO2, “BlowBack”

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: ca. 85 Kugeln

Kaliber: 4,5 mm Stahl-BB   (.177)

Magazinkapazität: 17 Kugeln

Mündungsenergie: < 3 Joule  (Herstellerangabe)

Geschossgeschwindigkeit (Vo): ca. 110 m/s

Abzug: Single Action

Abzugscharakteristik (im aufmunitionierten Zustand): Zunächst muss ein hoher Widerstand überwunden werden, der dann ruckartig nachgibt. Danach folgt ein langer, etwas schabender Vorzugsweg. Vor der Schuss- abgabe baut sich ein Druckpunkt auf, der dem Abzugsfinger leider einen zu hohen Widerstand entgegen setzt.

Lauf: Glatt (ohne Züge)

Sicherung: Manueller Schwenkhebel beidseitig, blockiert die Abzugsmechanik und den Verschluss

Visierung: Nicht justierbar (starr)

    

Länge: 178 mm

Höhe: 130 mm

Breite: 33 mm

Gewicht: 645 g (leer)

Ausführung: Griffstück und Schlitten aus Zinkdruckguss, schwarz beschichtet - Magazinbauteil Metall/Kunstoff -  schwarze Kunststoffgriffschalen

Ausstattung: “Blowback”-Funktion - entnehmbares Magazin (BB-Magazin mit Ventileinheit im Griffstück) - Schlittenfanghebel - Zerlegehebel - starre offene Visierung

Lieferumfang: Pistole mit Manual im Pappkarton

Bewertung: Saubere, äußere Verarbeitungsqualität - komfortable Ausstattung und Handhabung - Preis- Leistungs-Verhältnis gut

Preis 2014: ca. 100,- EUR (Internetfachhandel)

    

    

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Das Vorbild:

“Beretta 84 FS Cheetah”. Links aktuelle Version, rechts frühe Version mit rundem Abzugsbügel.

    

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Mündungsansichten

                          

 

Griffschalen

Die “Beretta 84 FS” ist mit schwarzen Kunststoffgriffschalen ausgestattet. Diese sind auf beiden Seiten jeweils doppelt verschraubt und sitzen fest am Griffstück ohne zu wackeln oder auf festen Zugriff knarzig zu reagie- ren. Trotz ihrer Hartplastikanmutung bieten die gecheckerten Schalen guten Grip und der Griffumfang dieser kompakten Pistole ist für mittelgroße Hände perfekt geeignet. Am Griffboden ist der Magazinschuh mit der Spannschraube für die CO2-Kapsel sichtbar (Foto unten rechts).

    

Fotos unten: Der Griffrücken ist glatt ausgeführt, während vorne am Griffstück ist ein Feld mit senkrechter Riffelung eingelassen ist, dass den umschließenden Fingern rutschfesten Halt gewährt.

    

 

Sicherung

Die Pistole ist mit einer beidseitig zu betätigenden, manuellen Sicherung ausgerüstet (Fotos unten). Wird der Schwenkhebel in die obere Position gebracht (safe = roter Punkt verdeckt) blockiert dies die Abzugsmechanik. Auch der Schlittenrückauf ist geblockt, da der Sicherungsflügel in die Einkerbung hinter denm roten Punkt greift und den Verschluss dadurch fixiert. In der unteren Position, der rote Punkt liegt frei, befindet sich die Waffe im Status “ungesichert” und wäre entsprechend schussbereit (Foto rechts). Der Hebel lässt sich leichtgängig betätigen und rastet an den jeweiligen Endpunkten ein.

    

    

 

Visierung

Die offene Visierung ist leider nicht justierbar und recht klein dimensioniert, bietet aber bei hell ausgeleuchte- tem Zielumfeld ausreichenden Kontrast.

    

 

Abzug, Hahn und Schlagbolzen

Fotos unten: Die Pistole ist mit einem auf der Fingerauflage geriffelten Abzugszüngel ausgestattet. Beim Abzug handelt es sich nicht um einen Spannabzug (DA), sondern um eine SA-Only-Version, die manuell vorgespannt werden muss.

    

    

Fotos unten: Blick auf den Hahn, einmal entspannt anliegend (links) und zurückgezogen, also im gespannten Zustand (rechts). Er lässt sich wahlweise entweder durch das Zurückziehen des Schlittens spannen, oder per Daumen. Im Schießbetrieb übernimmt die “Blow-Back”-Funktion permanent das Hahnspannen.

    

Hinweis: Der Hahn kann nicht in eine Rastposition mit geringem Abstand zum Schlagbolzen gezogen werden. Diese Position dient Falls vorhanden als Fallsicherung.

Foto unten links: Blick von unten in den abgenommenen Schlitten. Der Hahn schlägt von rechts kommend auf den Schlagbolzen und dieser betätigt durch diesen Impuls kurz den Stößel am Ventilbauteil (im Bild unten rechts), sodass dieses eine adäquate Menge Treibgas feigibt um die Schussabgabe zu generieren.

    

    

Foto unten: Waffe mit abgenommenem Schlitten, Hahn gespannt. Sehr gut ist hier der kreisrunde Stahleinsatz im Hahn erkennbar. Das Schlagstück selber besteht aus Druckguss, also einer eher “weichen” Matallegierung. So ist die stark beanspruchte Auftrefffläche auf den Bolzen vor Verschleiß weitestgehend gefeit und die zuverlässige Funktion gesichert.

 

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Begrifferläuterungen

Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rück- stoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert also semiautomatisch.

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Re- volver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. Double Action Only (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein Single-Action-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betä- tigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

“Cool-Down”-Effekt = Schnelles Herunterkühlen von Treibgaskartusche und Ventil, u. U. bis hin zur Vereisung, welches bei Abgabe rascher Schussfolgen auftritt und auf die physikalischen Eigenschaften des Treibgases CO2 zurückzuführen ist. Dadurch kommt es zu einem signifikanten Druckabfall, einhergehend mit verminderter Geschossbeschleunigung und mithin zur Verlagerung der Treffpunktlage nach unten.

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Schlittenfanghebel

    

Auf den Fotos unten sieht man, wie der Hebel (bei leerem Magazin) in die vordere Kerbe am Schlitten greift und diesen hinten gefangen hält (Bild rechts). Drückt man den Hebel nach unten, schnellt der Schlitten feder- belastet wieder nach vorne in seine Ausgangs-/Ruheposition.

    

Foto unten links: Unter dem Lauf ragt die Federführungsstange hervor.

    

Bilder unten: Blick von oben in den Magazinschacht bei hinten gehaltenem Schlitten (Verschluss). Bei scharfen Feuerwaffen findet hier der Hülsenauswurf statt (Hülsenauswurffenster). Linkes Foto bei eingesetztem CO2-/ BB-Magazinbauteil, rechts bei leerem Magazinschacht.

    

 

Implementierung der CO2-Kartusche

Das Kombi-Magazin wird per Druckknopf (“Magazinhalter”) am Griffstück entriegelt und mittels Federkraft am Griffboden ausgeworfen. Es gleitet dann dank seines Eigengewichts selbsttätig aus dem Schacht. Beim Einsetzen gegen den Federwiderstand arretiert es am Ende wiederum selbsttätig.

    

Fotos unten: Das Magazinmodul besteht im Kopfbereich aus Metall und enthält dort die Ventileinheit. Der schwarze Korpus ist aus Kunststoff gefertigt und nimmt sowohl die CO2-Kartusche als auch die BB-Projektile auf.

    

Die Fixierschraube für die 12-g-CO2-Kapsel ist am Griffboden offen sichtbar. Durch die angebrachte Zugfeder klappt der Schraubengriff aber stets an den Griffboden an, was der Optik zu Gute kommt. Beim Fixieren und Anstechen der Kapsel stößt man auch bei der “84 FS” wieder auf den guten alten Knebelverschluss (Fotos unten).

    

    

Links unten: Der Blick auf den Anstechhohldorn mit seiner ihn umgebenden grünen Dichtung, der die Platte am Kartuschenhals durchstößt und das Treibgas zum Ventil leitet. Bild unten Rechts: Der Hals der eingestzten und angestochenen CO2-Kapsel.

    

 

Kugelreservoir

Wie bereits erwähnt handelt es sich beim Magazinbauteil um ein Kombimodul bestehend aus der Ventileinheit mit Kartuschenaufnahme und dem Kugelreservoir für 17 BBs. Zum Laden der Kugeln durch die Öffnung im Magazin drückt man den federbelasteten Zuführer nach unten. Dort gibt es eine Rastung (Randkerbung), sodass der Zuführer beim Ladevorgang nicht mit dem Finger permanent unten gehalten werden muss.

    

Fotos unten: Blick auf die Ventileinheit. Durch den beweglichen Zubringer wird die oberste im Magazin befindliche Kugel vor den Laufeingang geschoben. Obere Bilderreihe: Zubringer in vorderer Position, untere Bildereihe Zubringer in Position hinten.

    

    

Nach dem Befüllen und Beladen wird das Magazimodul wieder bis zum Einrsten in den Magazinschacht am Griffboden der Pistole eingeführt. Auf dem letzten Stück drückt es dabei den federbelasteten Magazinaus- stoßer nach oben. Im Foto unten rechts zur Veranschaulichung per Daumendruck simuliert.

    

Fotos unten: Blick von unten in den Magazinschacht.

    

 

 

Auf dem Schießstand

Die “Beretta 84 FS” ist eine sehr ansehnliche, kompakte und gut ausgestattete CO2-Pistole mit sehr komfor- tabler und realitätsnaher Handhabung, was nicht zuletzt auch für den Demontage-Vorgang gilt. Die gecheckerten Kunststoffgriffschalen sind beidseitig gleich ausgeformt. Haptisch vermitteln sie zwar eine gewisse Hartplastikanmutung, bieten aber dennoch guten Grip, wirken keineswegs knarzig und sitzen wackelfrei auf dem Griffstück. Die Pistole zeigt eine leicht hecklastige Gewichtsverteilung und der Griffumfang eignet sich gut für mittelgroße Hände. Das Abzugsbügel ist angenehm großzügig ausgeführt, sodass der Abzugsfinger ausreichend Bewegungsfreiheit findet.

Das 17 Kugeln fassende BB-Magazin ist rasch und komfortabel befüllbar, denn der Kugelzubringer lässt sich für den Ladevorgang in der unteren Position fixieren, da er eine Rastung besitzt. Außerdem ist die separate, runde Ladeöffnung ein weiterer Pluspunkt, der schnelles Nachladen zulässt.

Der Kontrast der offenen Visierung fällt bei gut ausgeleuchteten Zielumfeld ganz brauchbar aus, bei schwachem Licht bekommt das Zielauge eine echte Herausforderung. Die Visiereinrichtung lässt sich leider nicht justieren, sondern ist komplett starr. Das Nachregulieren der Treffpunktlage ist also nicht möglich. Weitere Aspekte, welche die Präzision der Pistole negativ beeinflussen, sind der glatte Lauf, die Verwendung von Stahlrundkugeln und die Auswirkungen der “BlowBack”-Funktion.

Wie bereits weiter oben erwähnt, bietet der SAO-Abzug (“out of the box”) selbst für eine CO2-Plinkingwaffe eine recht gewöhnungsbedürftige Charakteristik. Zunächst muss der Abzugsfinger einen hohen Widerstand überwinden, der dann ruckartig nachgibt. Danach folgt ein langer, etwas schabender Vorzugsweg. Vor der Schussabgabe baut sich ein Druckpunkt auf, der dem Finger einen leider zu hohen Widerstand entgegen setzt. Das Ölen der Mechanik kann die Situation leicht verbessern.

Aber: Mit etwas Übung konnte ich bei der Testwaffe eine Technik anwenden, die eine Verbesserung des Abzugverhaltens einbrachte. So lässt man das Züngel nach dem Schuss nicht bis ganz nach vorne kommen, sondern fängt es kurz vorher ab und kann so den hohen Anfangswiderstand umgehen. Allerdings gehört dazu etwas Fingerspitzengefühl, denn ein zu kurzer Rücklaufweg führt dazu, dass die Kugelzuführung nicht richtig funktioniert. Trotz dieser geschilderten Umstände ließen sich die Spiegel der verwendeten 10-m-LP-Scheiben während der Tests auf 7 m Distanz relativ zuverlässig treffen.

Der BlowBack-Impuls mit dem Zurückschnellen des Schlittens überträgt sich nicht sonderlich kräftig auf die Schusshand, was wohl vorallem an dem vergleichsweise kurzen Weg des zurücklaufenden Verschlusses liegt. Dafür bezahlt man dieses Feature aber auch nicht mit einem all zu üppigem Treibgasverbauch. So reicht eine 12g-CO2-Kapsel für immerhin rund 85 verwertbar verschossene Kugeln aus. Danach fällt der Gasdruck signifikant ab. Die generierte Schussenergie reicht aus, um auf üblicher Zimmerdistanz (im Test 7 m) Weiß- blechdosen bei einem Treffer zuverlässig zu lochen, bzw. einen Treffer anzuzeigen. Es traten bei der Testwaffe keine Defekte oder Zuführungsstörungen auf. Die Pistole tat zuverlässig ihren Dienst und vermittelte einen hohen Spaßfaktor, der vorallem durch die recht gute Präzision befeuert wird. Denn nichts ist für den Schützen auf Dauer motivierender, als wenn er genau das trifft, worauf er gezielt hat. ;-)

Scheiben unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Schussentfernung ca. 7 m, Waffe im beidhändigen Anschlag mit aufgelegten Unterarmen mit “aufsitzendem Spiegel” gehalten. Jeweils 14 bis 17 Schuss. Verwendete Kugeln: “Walther Premium Steel BBs”.

    

    

Weiterführende Links:

            

 

Demontage wie beim Original

    

    

    

    

    

 

Fazit

Die “Beretta 84 FS”-Replik des taiwanesischen Hersteller “Wingun” hinterlässt optisch einen sehr guten Eindruck. Erst auf den zweiten Blick stört die am Griffboden befindliche Kapselschraube ein wenig das positive Gesamtbild. Technisch arbeitete die komfortabel zu bedienende Waffe im Schießtest tadellos und störungsfrei. Negativ fiel das arg gewöhnungsbedürftige Abzugsverhalten und der relativ kurze Rücklaufweg des Schlittens auf. Letzter ist sicher für den recht geringen “Blow-Back”-Impuls auf die Schusshand verantwortlich, was Liebhaber dieses Features wohl betrüben dürfte.

Auftraggeber UMAREX steuert auch in diesem Falle wieder die offizielle Namenslizenz bei, sodass die originalen “Beretta”-Markings vorhanden sind. Der auf der Waffe eingeprägte Hinweis “Made for UMAREX - Germany” stellt die Sache klar: Das Arnsberger Unternehmen ist auch bei diesem Modell wieder lediglich Importeur und Distributor, Herstellungsland ist Taiwan, Lohnfertiger die Firma “Wingun”. Die “84 FS” wird, ausweislich der oben gezeigten “PTB”-Zulassungsanzeige, auch im Kaliber 6mm-BB für den Softair-Markt hergestellt.

GUNIMO

Januar 2015