LEP Luftenergiepatrone

Druckluftpatrone -  LEP (Luftenergiepatrone)

Geschichte und Begriffe:

Druckluft-Patronen sind ursprünglich eine britische Erfindung aus den 1980er Jahren. Verschiedene Konstruktionen sogenannter “Air-Cartridges” aus England gehen auf die Entwickler M. Saxby, J. Palmer und S. Harper zurück. Das Patent von Saxby und Palmer übernahmen nach deren geschäftlicher Pleite die britischen Brüder Gary und Nigel Silcock. Aus “Brothers Silcock” ergibt sich der Begriff “BROCOCK”.

Die niederländische Firma “Crown Cartridges” spielt ebenfalls eine Rolle, wenn es um Luftpatronen geht. Zusammen mit dem bereits erwähnten Briten Michael Saxby gründete der Holländer Henk Holsboer die Firma “Crown Cartridges”. Diese stellte ebenfalls die in Luftdruckwaffen zu verwendenden “AirCartridges” her.

In Deutschland ist die Firma “DEWEXCO” ein Begriff, wenn es um die Luftpatronen-Manufaktur geht. Dabei ist der mittlerweile als Synonym für derartige Patronen verwendete Begriff “LEP” ein geschützer Markennamen des deutschen Unternehmens.

- Wesentliche Grundlage für die vorangegangenen Informationen zur Entwicklung der Druckluftpatronen sind Ausführungen des Fachautoren Ulrich Eichstädt -

 

Laden der “Brocock” Luft-Patrone:

 

-         Geschosskappe vom Patronenkörper abschrauben

-         Stößel mit dem Dichtring vorsichtig in den Patronenkörper drücken (Dichtring dabei frei von                                Verschmutzungen halten und Beschädigung vermeiden!)

-         Füllen der Patrone mit Druckluft (mittels Handpumpe, Pressluftflasche oder Kompressor)

-          * Handhabung der Pumpe (siehe separate Beschreibung weiter unten)

-         Diabolo von hinten in die Geschosskappe stecken (mit dem Kopf voran)

-         Geschosskappe auf den Patronenkörper schrauben

Die Patrone ist nun geladen und steht unter Druck. LEP können mit bis zu 230 bar Pressluft gefüllt werden. Es ist wichtig, mit den Patronen auch ohne Waffe sehr sorgfältig zu hantieren! Durch Fallen auf das hintere Ende des Stößels, oder durch auslösen des Stößels mit einem geeigneten Gegenstand, kann die Patrone entladen werden. Dies kann u. U. zu durchaus erheblichen Verletzungen führen. Deshalb sollten die Patronen nur unmittelbar vor der geplanten Benutzung geladen werden! (Bei längerer Lagerung einer unter Druck stehenden LEP verformt sich der Dichtring.) --- Geladene LEPs keines Falls in die Hand von Kindern geben!

Um die Dichtigkeit der Patronen zu prüfen, diese von Zeit zu Zeit in ein Wasserbad halten. Bei Austritt von Luftblasen ist die Dichtigkeit nicht mehr gegeben. O-Ring des Stößels ggf. reinigen, bzw. bei Beschädigung austauschen. Reinigen kann man den Dichtring mittels eines (sauberen) Fingers, den man mit geeignetem(!) Öl (Flammpunkt >120°C) benetzt hat. Keinesfalls herkömmliches Maschinenöl oder Speiseöl verwenden. Diese Maßnahme hält die Dichtung langfristig geschmeidig.

*Handhabung der Handpumpe:

Pumpe durch vollständiges Herausziehen des Handhebels bis zum Anschlag öffnen

- Ladekappe aus der Abschlusskappe herausdrehen

Patronenkörper mit der Vorderseite voran in die Ladeklappe stecken

Ladeklappe wieder auf die Abschlusskappe schrauben (!!! Die Ladeklappe niemals zu fest in die Abschluss- kappe schrauben! Diese nach dem spürbaren Anschlag wieder eine halbe Umdrehung zurückdrehen!!!) 

Nun mit 6 – 8 Pumpstößen zwischen dem oberen und unteren Anschlag der Pumpe Druck aufbauen. (Der maximale Druck ist nach 8 Pumpvorgängen erreicht. Weiteres Pumpen schadet lediglich den Dichtungen, kostet unnötig Kraft und bringt keine Leistungssteigerung der Patrone.) Es ist unbedingt notwendig, die Pumpe voll- ständig bis zum oberen Anschlag zu öffnen und ca. 2 Sekunden in dieser Position zu halten, damit Luft in den Zylinder einströmen kann. (Wird durch vernehmbares Zischen angezeigt.)

- Nach dem letzten Pumpstoß die Pumpe wieder vollständig öffnen, damit kein Restdruck den Dichtring aus der Abschlusskappe herausdrückt.

Ladekappe herausdrehen und Patronenkörper entnehmen.

Die fertig bestückten LEPs können nun in eine geeignete Waffe geladen und verwendet werden. Dazu bitte unbedingt die Herstellerhinweise zum Umgang mit diesen Waffen beachten.

LEP-Waffen sind oftmals ehemalige „scharfe“ Revolver, Pistolen oder Gewehre, die durch entsprechenden Umbau zu LEP-fähigen Waffen umfunktioniert wurden, und in Deutschland dann mit einem „F“ im Pentagon versehen werden müssen. Anbieter der Umbautechnik sind „LEP-AREON“ und „Reducta“. Etliche Modelle der Firma „ME“ (Kuno Melcher), sind hingegen Exemplare, die von Anfang an für die Verwendung von LE-Patronen konzipiert wurden.

Wichtiger Hinweis: Seit dem 1.4.2008 sind vormals scharfe Waffen, welche später auf die LEP-Technik umgebaut wurden, in Deutschland nicht mehr frei ab 18 Jahren! Der Altbesitz musste bis zum 1.10.2008 behördlich angemeldet werden und ist seither an erhebliche Auflagen gekoppelt. Wer diesen Meldetermin ver- säumt hat, besitzt nun de facto eine illegale Schusswaffe. LEP-Waffen, die von Anfang an für diese Druckluft- Technik konzipiert wurden, sind aber nach wie vor ab dem 18. Lebensjahr zu besitzen, vorausgesetzt sie haben eine “F”-Kennzeichnung.

Der Vorteil dieser Waffenart ist sicherlich, dass sich jeder geneigte Interessent ab dem vollendeten 18. Lebensjahr eine konvertierte Originalwaffe ohne den sonst üblichen Behördenaufwand zulegen kann. Das Händling entspricht weitestgehend dem einer „scharfen“ Waffe. Allerdings reicht die Energie einer LE-Patrone nicht dazu aus, den Schlitten einer ehemals halbautomatischen Pistole zu repetieren. Dieser Vorgang muss einzeln von Hand durchgeführt werden. Ein klarer Pluspunkt für einen Revolver, ebenso wie die Tatsache, dass die Patronen bei einem Revolver im Trommellager verbleiben, während sie beim Handrepetieren einer Pistole ausgeworfen werden. Dabei landen sie der Schwerkraft folgend irgendwo am Erdboden, was den recht empfindlichen Messingpatronen nicht sonderlich zuträglich ist!

Insgesamt ist das Vorladen der Patronen eine immens aufwändige Tätigkeit. Bei einem 6-schüssigen Revolver mit einer kompletten Trommelfüllung, sowie maximal aufgepumpten Patronen, ergeben sich schon mal 48 Pumpstöße mit der Handpumpe. Rechnen wir weiter, dann hat man nach drei Schießdurchgängen (18 Schuss) bereits 144 mal gepumpt. Der Krafteinsatz, besonders bei den letzten Pumpstößen je Patrone ist nicht gering. Alles in allem erspart einem das den Gang ins Fitness-Studio. Allerdings kann man die Waffe kaum noch ruhig im Ziel halten, da die Arme durch das muntere Pumpen doch recht zittrig geworden sind.

                            

    

Fazit: LEP-Waffen sind wohl eher was für Sammler, die hin und wieder mal mit ihrer schussfähigen Waffe hantieren wollen. Für Leute die häufiger damit auf Dosenjagd gehen empfiehlt sich die jedoch recht kostenintensive Anschaffung eines Kompressors. Im Übrigen ist bereits die Anschaffung der Waffe teuer, denn neben dem Anschaffungspreis für die Originalwaffe, schlägt der Umbau heftig auf dem Bankkonto zu Buche und endet beim weiter benötigten Equipment für den Schießspaß.

 

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Patente zu Luftpatronen:

Patentschrift DE 19531233C2 - Inhaber: Dewexco GmbH & CO. KG

 

UK Patent Application GB 2347735A - Inhaber: Brocock Limited

 

 

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GUNIMO

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