Marksman 2004 Deluxe

Marksman 2004 Deluxe   (auch unter “WMN S9” und “InnoMar S9” gehandelt)

Anbieter: Marksman, Huntington Beach, Calif., Fertigung in China

Hersteller: TSS Fortune Co., Ltd.

Markteinführung: 2004

Modell: “2004 Deluxe”

System: einhübige Kompression, prellschlagfrei, Einzellader

Kaliber: 4,5 mm

    

Länge: 235 mm

Höhe: 160 mm

Breite: 36 mm

Abzug: ca. 850 g, einstellbarer Druckpunkt

Lauflänge 170 mm, gezogen

Visierlinie: 200 mm

    

Visierung: Kimme horizontal und vertikal justierbar

Sicherung: Schieber über dem Abzug. Waffe beim Spannvorgang automatisch gesichert.

Ausführung: Kunststoffgehäuse

Preis 2006: 69,- EUR

Bewertung: hervorragendes Preis-/Leistungverhältnis, gute Präzision, saubere Verarbeitung

Bilder unten: links, Abzugszüngel mit justierbarem Druckpunkt. Über dem Züngel der Sicherungsschieber. Rechts, der als Hahn getarnte Arretierungshebel für das Gehäuseoberteile, welches als Hebel für den Kom- premiervorgang dient.

  

Bilder unten: “HW40PCA”. Jüngere Modelle der “Weihrauch”-Pistole sind mit einem Fiberoptik-Korn a la “TruGlo” ausgestettet. “Nice to have”, aber kein wirkliches Kriterium für eine Kaufentscheidung. Bei etwas diffuser Ausleuchtung des Schießstandes ist diese Einrichtung sicherlich begrüßenswert, jedoch sind diese Korne leider auch etwas empfindlich bei mechnische Beanspruchung und neigen dann zum Brechen.

                        

Bilder unten: Unterschiede bei der Beschriftung:

  

Gut kopiert ist halb gewonnen, oder „Geiz ist geil“?

Einige Jahre nach Einführung der „Weihrauch HW40PCA“ (in USA unter „Beeman P3“ um 200 $ vermarktet) bringt der US-Hersteller „Marksman“ (Huntington Beach, Calif.) eine Kopie dieser sehr erfolgreichen und beliebten Freizeitpistole auf den Markt. - Bezeichnung: „Marksman 2004 Deluxe“, deren Fertigung im „Billiglohnland“ China erfolgt. Im Kopieren westlicher Produkte ist der ferne Osten ja nun nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt.

Abb. unten: Auszug aus dem “Blue Book of Airguns” von Dr. R. Beeman, welches ich bei dieser Gelegenheit nochmal wärmstens als Nachschlagewerk empfehlen möchte. Hier ist ersichtlich, dass die “HW40PCA” in USA unter der Bezeichnung “Beeman P3” firmiert.

Äußerlich unterscheiden sich beide Modelle nur geringfügig, beim Preis allerdings klafft eine große Lücke zwischen beiden Angeboten: Die HW40PCA („PCA“ steht für „pre compressed air“) kann sich der geneigte Interessent für rund 120 EUR nach Hause holen, für die „2004 Deluxe“ schlagen derzeit gerade einmal 69,- EUR zu Buche. Das lässt aufhorchen und macht auf einen Vergleich beider Pistolen neugierig.

  

Nach dem äußerlichen Abgleich, der nur spärliche Unterschiede erkennen lässt, nun ein Blick auf innere Werte. Nach dem Abnehmen der jeweils rechten Griffschale beider Modelle, fällt der Blick auf die Mechanik. Der Aufbau ist zwar auch hier identisch, jedoch weist die „HW40PCA“ vernickelte blanke Bauteile auf, während die der Marksman-Schwester gegen Flugrostbefall mittels einer dünnen Lackierung geschützt sind. Wohl Hinweise auf gewisse Qualitätsmerkmale.

Der Zweikampf der prellschlagfreien Vorkomprimierer auf dem Schießstand zeigt dann weitere Unterschiede im Zwillingsvergleich. Während die Weihrauch-Waffe für eine Freizeitpistole perfekte Abzugseigenschaften abliefert (leichtgängiger sauberer Vorzugsweg, klar definierter Druckpunkt), sieht dies bei der „Marksman 2004“ nicht ganz so harmonisch aus: Der kürzere Vorzugsweg mündet nicht in einen Druckpunkt, sondern in eine knappe Wegstrecke mit erhöhtem Widerstand, bis der Schuss auslöst. Hier verbucht die HW40PCA zwar einen kleinen Vorteil, aber man kann auch mit der Marksman, trotz deren etwas höheren Abzugswiderstand, sehr gute Trefferbilder erzielen, wenn man sich nach kurzer Zeit auf das Auslöseverhalten eingestellt hat.

  

Als merkwürdig empfinde ich die Zusammenhänge zwischen den beiden Waffenmodellen. -  Um Produktpiraterie handelt es sich bei dem Nachbau der „Weihrauch“-Sportpistole definitiv nicht, da der gute Name des deutschen Herstellers nicht missbräuchlich verwendet wird. Trotzdem sollte man zunächst annehmen, dass „Weihrauch“ über die nahezu identische, aber weitaus preisgünstigere Konkurenzwaffe aus Fernost nicht sonderlich glücklich sein dürfte (Deutschlandimporteur „Wischo“). Immerhin wirbt „Marksman“ auf der Verpackung offensiv mit dem Hinweis: „German Engineered & Designed“ und stellt damit klar heraus, woher der Wind weht. Wie reagiert man bei „Weihrauch“ auf diese Tatsachen? Aus der einschlägigen Fachzeitschrift „Visier“, Ausgabe 8/2006, kann man dazu die Information entnehmen, dass die Firma „H. Weihrauch Revolver GmbH“ für die „Marksman 2004“ im Reparaturfalle sogar den Service übernimmt!! Zwar angeblich, ohne im Fall der Fälle originale „Weihrauch“-Teile in die Waffe zu implementieren... aber für mich ein klarer Hinweis auf Billigung und sogar Unterstützung der Marksman-Aktivitäten. 

Bild unten: Blick auf die Ventileinheiten mit Dichtung bei geöffneten und aufgeschwenkten Gehäuseoberteilen

Fazit: Im direkten Vergleich schneidet die „Weihrauch“-Pistole gegenüber der „Marksman 2004“ sicher etwas besser ab. Allerdings sehe ich ihre chinesisch-amerikanische Schwester vom Preis-Leistungsverhältnis klar vorne. Vor allem sollte man im Auge behalten, dass die Pistolen von ihrer Konzeption her in den Freizeitwaffensektor gehören und für dieses Segment beide gute bis sehr gute Eigenschaften aufweisen.

  

Empfehlung: Wer einfach nur das etwas bessere Produkt kaufen möchte, oder wer „Made in Germany“ den Vorzug gewährt, der sollte die „HW40PCA“ wählen. Wer jedoch auf den Euro schaut (schauen muss) und die „Geiz-ist-geil“-Schiene fährt, ist mit der „Marksman 2004“ wirklich bestens bedient. Bei einem Neupreisunter- schied von immerhin 50 EUR kann auch der qualitätsbewußteste Käufer schon mal ins Grübeln geraten!

 

Unter dem Label “WMN Mod. S 9” (Importeur: Waffen M. Naunin) wird seit 2010 ein billiger China-Klon der HW40 in Deutschland vermarktet:

 

...weiteres Label: “InnoMar S 9”:

  

 

GUNIMO

Oktober 2006 / Juli 2007 / August 2010 / März 2014