Valtro Airgun92

Valtro Airgun92 - Twin Power

Deutschlandimporteur/Anbieter: Simbatec GmbH & Co. KG    www.simbatec.de

Hersteller: Valtro   www.valtro.it

Fertigung: Made in Italy

Modell: Valtro Airgun 92 Twin Power

Vorbild: Beretta 92

Serien-Nr.: M00076   und   M03500

    

System: CO2-Revolver mit Doppel-Trommelmagazin

Antrieb: 2x 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute mit 2 Kapseln: ca. 130 Schuss

Kaliber: 4,5 mm (.177)

Magazinkapazität: 14 Diabolos

    

Abzug: Double Action (DA) / Single Action (SA) - keine “BlowBack”-Funktion

Abzugscharakteristik: DA = langer Vorzugsweg, hoher Widerstand, kein Druckpunkt  / SA = deutlich verkürzter Vorzug, stark verringerter Widerstand, kein Druckpunkt

Lauf: Kipplauf, gezogen

Lauflänge: 125 mm

Sicherung: Manueller Schwenkhebel beidseitig, blockiert die Abzugsmechanik und den Hahn

Visierung: Nicht justierbar (starr), Kimme und Korn mit weißen Markierungen versehen, flacher Kimmenausschnitt

    

Länge: 220 mm

Höhe: 148 mm

Breite: 37 mm

Gewicht: 596 g (leer)

Ausführung/Ausstattung: Vollkunststoffgehäuse mit stumpfer, angerauter Oberfläche - kurze Weaverschiene - Griffschalen nur konturierte Fakes - Zerlege- und Schlittenfanghebel ebenfalls Fakes, Magazinbauteil und Sicherungshebel aus Plastik - Abzugszüngel, Teile der Mechanik, Hahn, Mag.-Entriegelungsknopf und Kipplaufarretierung mit Kimmensockel aus Druckguss, Kapselanstich-/Verriegelungsschraube sowie Teile der Mechanik aus Stahl

Lieferumfang: Waffe mit zwei Doppeltrommelmagazinen, und Manual  im Kunststoffkoffer (Fotos unten)

Bewertung: Ansprechende Verarbeitungsqualität mit kleineren Mängeln beim Finishing, teils umständliches Handling, Wertigkeit sowie Preis-Leistungs-Verhältnis befriedigend.

Bemerkung: Die Konstruktion des Doppeltrommelmagazins mit 14 Kammern stellt eine Weltneuheit dar, die Verwendung von zwei CO2-Kapseln lässt eine gute Schussausbeute bei relativ hoher Energie zu.

Preis 2011: 149,90 EUR (UVP), Reservemagazin 9,95 EUR

    

    

    

    

Fotos unten: Mündungsansichten. Da die CO2-Pistole mit einem vorne angelenkten Kipplauf ausgestattet ist, ist der scheinbare Ansatz der Federführungsstange natürlich nur ein Fake. Auf den Nahaufnahmen erkennt man recht gut die raue Oberfläche des Plastikgehäuses, die in Verbindung mit sichtbaren Spritzgraten und unsauberen Kanten für meinen Geschmack leider eine gewisse Spielzeugwaffen-Anmutung generiert.

      

                              

Fotos unten: Macroaufnahmen mit Blick in den Lauf. Deutlich sind die Züge und Felder erkennbar.

    

 

Foto unten: Die Montageschiene an der Unterseite des Rahmens. - Hinweis: Die Anbringung von “Tactical Lights” oder Lasern ist in Deutschland allerdings per Waffengesetz für Privatpersonen verboten.

Fotos unten: Die Griffschalen sind nicht abnehmbar, sondern lediglich konturiert und damit fester Bestandteil des Gehäuses (linkes Bild). Die Haptik ist mäßig - Rechts: Entriegelungsknopf für den CO2-Kapsel-Container im Griffstück.

    

 

Abzug und Hahn

Die “Valtro Airgun 92” ist mit einem manuell vorspannbaren Abzug (SA/DA) ausgestattet. Während im Double-Action-Modus den Schützen ein langer Vorzugsweg bei leider auch recht hohem Widerstand erwartet, verkürzt sich der Weg im Single-Action-Modus ganz erheblich und der Abzugswiderstand ist deutlich vermindert. In beiden Fällen ist leider kein klar definierter Druckpunkt zu verspüren.

    

Double Action (DA) beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schlo ß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht. Double Action Only (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein Single-Action-Modus möglich ist.

Single Action (SA) bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

Fotos unten: Das Abzugszüngel. Links in Normalposition bei entspanntem Hahn, rechts mit verkürztem Vorzugsweg durch das Vorspannen des Hahns (Singel-Action-Modus).

    

Fotos unten: Der Hahn ist aus Druckguss gefertigt und hat im Bereich der Auftreffläche auf den Schlagbolzen einen erhaben eingesetzten und verschleißresitenteren Stahlstift.

    

Foto unten: Anliegender Hahn in Ruhepostion. Er kann auch in eine Rastpostion gebracht werden und hält dann wenige Millimeter Abstand vom Schlagbolzen (Fallsicherung).

Fotos unten: Blick von oben auf die Abzugsfeder bei geöffnetem Kipplauf. (Hier Exemplar Nr. “M00076”).

Hinweis: “Valtro” hat in der laufenden Produktion beim Abzug etwas nachgebessert und verbaut aktuell eine zur frühen Serie modifizierte Abzugsfeder um den sehr hohen Widerstand zu senken (Fotos unten). Links Waffe mit Serien-Nummer “M00076” rechts “M03500” mit verringertem Abzugsgewicht.

    

 

Die Visierung

Die offene Visierung der “Valtro”-CO2-Pistole ist leider nicht justierbar, sondern starr. Dies ist ein negativer Aspekt, da die Waffe zu Tiefschüssen neigt und dieser Sachverhalt  somit nicht ausgleichbar ist. Kimme und Korn sind jeweils mit weißen Markierungspunkten versehen, was die visuelle Erfassbarkeit verbessert. Der Kimmenausschnitt ist ausreichend breit um bei heller Umfeldausleuchtung einen guten Kontrast erkennen zu lassen. Die Höhe des Kimmenausschnitts lässt allerdings zu wünschen übrig, da dieser etwas zu flach ausgefallen ist.

    

    

Foto oben links: Man beachte auch hier die unsaubere Kantenführung des Kunststoffgehäuses, welche wiederum einen Hinweis auf eine gewisse Schlampigkeit beim Finishing gibt.

 

Die Sicherung

Fotos unten: Der Sicherungsschwenkhebel ist beidseitig an der Pistole bedienbar. Er blockiert die Abzugsmechanik und blockiert gleichzeitig den Hahn, der sich dann nicht manuell spannen lässt. Im linken Bild ist die Pistole entsichert, der rote Warnpunkt ist entsprechend sichtbar (schussbereit). Das rechte Bild zeigt die gesicherte Waffe. In dieser Position kann der Hahn den innenliegenden Schlagbolzen nicht erreichen und auslösen, da der Bolzen aus dessen Reichweite herausgeschwenkt wird.

    

Die Pistole hat eine weitere Sicherungsfunktion bei geöffnetem Verschluss. Sobald der Lauf hochgeschwenkt wird, kann weder der Abzug durchgezogen, noch der Hahn hinten eingerastet werden. Aber Vorsicht! Eine Ausnahme besteht: Ist der Hahn bereits vorgespannt, kann er per Abzug auch dann ausgelöst werden, wenn der Verschluss geöffnet ist. Daher vor dem Öffnen des Kipplaufes der unter Gasdruck stehenden Pistole immer darauf achten, dass sich der Hahn in Ruheposition befindet und/oder die manuelle Schwenksicherung aktiv ist!

 

Einsetzen der Treibgaskapseln

Am Griffboden der “Valtro”-Pistole befindet sich die Spannverschaubung für die beiden CO2-Treibgas-Kapseln mit dem überdimensional groß ausgeführten Klappgriff. Was hier dem komfortablen Handling dienlich ist, findet unter optischen Aspekten sicher etwas weniger Zustimmung, da dieser Griff leider nicht kaschiert wird.

    

    

Umständlich: Um den Kartuschen-Container aus dem Griffstück entnehmen zu können, muss zunächst die lange Spannschraube herausgedreht werden. Dazu sind etliche Umdrehungen notwendig. Erst dann kann, per Knopfdruck auf den Magazinhalter am Abzugsbügel, der Container entnommen werden. Gemäß Bedienungsanleitung müssen stets zwei Treibgaskartuschen eingesetzt werden. (Fotos unten)

Die Verwendung von gleichzeitig zwei CO2-Kapseln ist bei Langwaffen - z. T. mittels Adaptern - ja mittlerweile durchaus üblich (z. B. “Walther Lever-Action”, “Beretta Storm”, “Umarex 850 Airmagnum”), bei Kurzwaffen - trotz der noch zu erwähnenden Vorteile - doch noch eher exotisch (z. B. “FEG GMP-02” mit 2x 8g-Kapseln).

    

Fotos unten: Blick in den Magazinschacht auf die Anstechdorne der Ventileinheit mit den orangefarbenen Dichtungen.

    

Fotos unten: Der Kapselcontainer mit dem langen Gewinde der Spannverschaubung.

    

Foto unten rechts: Die CO2-Kapselhalsverschlüsse waren, trotz Verwendung von Markenkapseln und handfestem Anziehen der Spannschraube, nicht immer ganz sauber durchstochen. Funktionsstörungen traten dadurch aber nicht auf.

    

 

Das Trommelmagazin

Neben der Verwendung von zwei CO2-Kapseln gleichzeitig, ist sicher das doppelreihige Trommelmagazin DIE technische Besonderheit der “Twin Power”-Pistole, handelt es sich hier doch um eine patentierte Weltneuheit. Für Systemsammler und Liebhaber technischer Besonderheiten wird es an dieser Stelle sicher besonders interessant. Allerdings, ich nehme es hier mal vorweg, ist die Technik nach meinen Erfahrungen auch nicht gänzlich unanfällig gegen Funktionsstörungen. Dazu später mehr...

Um den Kipplauf öffnen zu können, zieht man zunächst die Verriegelung oben am Gehäuse mit dem Finger zurück. (Fotos unten) Dieses Bauteil bildet eine Einheit mit dem Kimmensockel und erinnert in seiner Schlichtheit an die hausbackene Laufschlosslösung beim guten alten “Crosman 357”-Revolver. So prallt gerade an dieser Stelle, also beim Ladevorgang, innovatives auf eher schlichtes Machwerk.

    

Fotos unten: Unterhalb des Laufeingangs befindet sich die  Trommelachse aus Stahl, welche das zweireihige Doppeltrommelmagazin aufnimmt. Die Transportklinke, die bei Abzugsbetätigung für die Trommeldrehung verantwortlich ist, befindet sich links unterhalb der Trommelachse.

    

Foto unten: Die beiden unterschiedlich geformten Trommelmagazine, jeweils mit Vorder- und Rückseite. Auf der linken Seite des Fotos sieht man das vordere Magazin: Oben die Vorderseite mit der Transportrastung, unten die rückwärtige Ansicht mit dem Mitnehmerstift für die hintere Trommel. Die rechte Seite zeigt das hintere Magazin: Oben Vorderseite (zum Lauf hin) mit der Fuge für den Mitnehmerstift, unten die Rückansicht.

Fotos unten: Eingesetzt werden die beiden Plastik-Magazine mit der roten Markierung nach oben. Die Löcher unter der Markierung werden nicht mit Diabolos geladen, sondern müssen frei bleiben. Deren Lochdurchmesser ist geringfügig größer als die der Ladekammern. Die beiliegende Bedienungsanleitung der Pistole ist an dieser Stelle fehlerhaft, da sie von kleineren Löchern spricht (siehe oben). Das wäre ja schon deshalb unsinnig, da durch das obere Loch der vorderen Trommel die 4,5mm-Diabolos der hinteren Trommel hindurch geschossen werden müssen.

    

Foto unten: Auf dem Detailbild ist gut erkennbar, wie das Zusammenspiel der Transportklinke und der Transportrastung am vorderen Magazin funktioniert. Zur besseren Erkennbarkeit wurden die Trommeln für das Foto etwas auf der Achse nach hinten gezogen. Im Betrieb greift die Klinke natürlich direkt in die Zwischenräume der Rasten. Sowohl die Klinke als auch die Trommeln sind Kunststoffbauteile. Hier stellt sich wegen der permanenten mechanischen Belastung m. E. die Frage nach der dauerhaften Verschleißresitenz (Abnutzung). Dieser Punkt kann hier und heute, also im Rahmen dieses Reviews, natürlich nicht beurteilt werden.

 

Auf dem Schießstand

Beim Testen der beiden mir vorliegenden Exemplare der “Airgun 92” trat bei einer Waffe (Ser.-Nr. “M00076”) von Anfang an eine permanente Funktionsstörung auf: Es ließ sich im SA-Modus stets nur die vordere Trommel verschießen und sobald das zweite Magazin in Aktion treten sollte, blockierte der Transport komplett. Im DA-Modus war oftmals sogar bereits nach 2-3 Schuss des vorderen Magazins schluss. Beim Öffnen des Kipplaufs zeigte sich dann stets das gleiche Bild: Die Kammern der beiden Trommeln fluchteten nicht mehr miteinander - bzw. mit der Lauföffnung - sondern die Öffnungen saßen versetzt zueinander. Die Nahaufnahme unten dokumentiert die jeweils vorgefundene Situation. Um die Durchsicht auf das versetzt stehende vordere Magazin zu ermöglichen, blieben die Kammern der hinteren Trommel in diesem Fall ungeladen.

Die Störung (Abzugsblockade nach sieben Schuss im DA-Modus) trat übrigens auch dann auf, wenn mit leeren Magazinen agiert wurde, was ein Problem mit den verschiedenen verwendeten Diabolos als Ursache definitiv ausschließt. Außerdem waren am zweiten Exemplar mit der Serien-Nummer “M03500” keine vergleichbaren Funktionsstörungen zu registrieren, die Waffe arbeitete tadellos und störungsfrei.

Da ich an den Testwaffen im Auslieferungszustand nichts manipulieren wollte, kann über den möglichen Grund hier leider nur spekuliert werden. Evtl. ist das auf dem unten gezeigten Foto jeweils mit Pfeil gekennzeichnete Bauteil (Trommelstopp) für die Probleme bei Exemplar “M00076” verantwortlich. Die Pistole mit der oben beschriebenen Störung ist links zu sehen, rechts das Exemplar “M03500”. - Nun aber schluss mit Mutmaßungen, wenden wir uns wieder den Fakten zu.

Die “Valtro”-CO2-Pistole liegt mit ihrem Gewicht von rund 600 g nicht sonderlich schwer, aber doch recht gut ausbalanciert in der Hand. Der Griffumfang ist für mittelgroße Hände gut geeignet, aber leider bietet der verwendte Kunststoff keine wirklich komfortable Haptik, noch fördert die Gestaltung der zu schwach ausgeprägten Oberflächen- Checkerung den Grip. Ein Handschmeichler sieht anders aus.

Das Zusammenspiel des leider sehr langen Vorzugsweges, mit dem (auch nach der herstellerseitigen Abzugsmodifikation noch) kernigen Abzugswiderstand und der etwas kriechenden Charakteristik ohne definierten Druckpunkt, generieren eine Gemengelage, die gemeinhin keine wirklich idealen Voraussetzungen für eine sehr gute Schusspräzision darstellen, da der Schütze zum Verziehen der Waffe neigt. Aber der gezogenen Lauf, bei Verwendung von Bleidiabolos, lassen die Präzision dann doch nicht völlig “aus dem Ruder laufen”. Die Streuung der Projektile ist für eine Plinking- und Funshooting-Waffe - ausgelegt für das Schießen auf Zimmerdistanz - absolut passabel (siehe Scheiben unten). Bei mit ausitzenden Spiegel gehaltener Visierung lag die Treffpunktlage außermittig und zu tief.

Der Kontrast der Visierung ist recht brauchbar, jedoch ist der Kimmenausschnitt für meinen Geschmack etwas zu flach ausgefallen. Leider besitzt die zu Tiefschüssen neigende Pistole, wie schon beschrieben, lediglich eine nicht justierbare, also starre Visierung.

Was das Handling des patentierten Doppel-Trommelmagazins angeht, sowie das Einsetzen der Treibgaskapseln, so verweise ich an dieser Stelle auf die vorangegangen Kapitel dieses Reviews.

Die Schussenergie ist gemäß der herstellerseitig eingestellten Ventilabstimmung für eine CO2-Kurzwaffe sehr hoch. Durch die Verwendung von gleichzeitig zwei Treibgaskartuschen fällt der analog dazu naturgemäß recht üppige Gasverbrauch nicht so deutlich ins Auge, sodass zwei Kapseln für rund 130 Schuss (9 Magazinfüllungen) gut sind. Die “Twin Power” dürfte die wohl stärkste aktuell im Handel erhältliche CO2-Pistole (technisch eigentlich ein Revolver mit innenliegender Trommel) sein und wenn keine Funktionsstörungen das Bild trüben, kommt auf dem Schießstand der Spaß an der “Airgun 92” nicht zu kurz. Entsprechend wird die Waffe seitens des Importeurs natürlich in dieser Richtung beworben: “Für ein Mehr an konstanter Power!!!!!” (Original mit fünf Ausrufezeichen). ;-)

Was heißt nun “konstante Power” in Zahlen? Ich habe die Mündungsenergie bei vollen CO2-Kapseln mit einem “Combro cb-625 Mk 4”-Chronoscope gemessen. Verwendete Diabolos “DN Hobby” (.177) 0,45 gr. Raumtemperatur ca. 21°C. - Beispielhaft hier sechs aufeinanderfolgende Messergebnisse bei langsamer Schussabfolge:

175,2 m/s (6,9 J.) - 174,0 m/s (6,8 J.) - 160,3 m/s (5,8 J.) - 160,0 m/s (5,8 J.) - 176,4 m/s (7,0 J.) - 160,3 m/s (5,8 J.)

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Energie von Projektilen:

Formel: Eo = m x Vo² / 2

Die Energie (E) wird in Joule (J) angegeben, die Geschossmasse (m) in Kilogramm und die Geschwindigkeit (Vo) in m/s (Meter pro Sekunde).

Umsetzung: Wird eine Geschoss (Diabolo) von 0,5 g Gewicht auf eine (Mündungs-)Geschwindigkeit von 120 m/s beschleunigt, dann liegt an der Mündung der Waffe eine Energie (Eo) von 3,6 Joule vor.

0,0005 kg x (120x120) / 2 = 3,6

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Meine Meinung: Hohe „Durchschlagskraft“ ist eine insbesondere von Schießporteinsteigern völlig überschätzte Eigenschaft für Kurzwaffen, die zum Plinken, Action- und Hobbyschießen auf den üblichen Zimmerdistanzen verwendet werden. Eine Sportwaffe ist schließlich kein „Türöffner“ oder Selbstverteidigungsgerät, und schon gar nicht zur „Schädlingsbekämpfung“ geeignet! - Nicht ein Höchstmaß an Power ist es, auf das der Schütze sein Augenmerk legen sollte, sondern auf Schusspräzision, ansprechende Fertigungsqualität, sowie gute Funktionalität. DAS erhält auf Dauer die Motivation und den Schießspaß! Natürlich ist ein gerüttelt Maß an Geschossbeschleunigung schon ein nicht unwichtiger Faktor, insbesondere wenn größere Distanzen geschossen werden sollen (vorwiegend bei der Anwendung von Langwaffen relevant). Aber das sollte eben nicht DER alles entscheidende Kaufgrund sein.

Hinweis: Ich hatte die Waffe mit der Ser.-Nr. “M00076” mit noch gut gefüllten CO2-Kapseln für etwa 3 Stunden aus der Hand gelegt. Nach Ablauf dieser Zeit hatten sich die Kartuschen komplett entleert, was ein Hinweis auf eine Systemundichtigkeit sein dürfte. Ein Zischen, das deutlich auf Gas-Abblasen hinweisen würde, wurde von mir derweil nicht wahrgenommen.

Bemerkung: Bei der Waffe mit der Ser.-Nr. “M03500” klickerte bei Bewegung im Innern der Pistole etwas umher. Die Nachsuche brachte ein ca. 3 mm langes, hakenförmiges Metallfragment hervor, dass lose im Gehäuse lag.

 

Scheiben unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Waffe in beidhändigem Anschlag mit aufgelegten Unterarmen gehalten, Distanz 7 m. Treffergruppen bei Spiegel aufsitzend. Exempl. Nr.: “M00076”:

    

 

Scheiben unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, jeweils 14 Schuss, Distanz 8 m. Treffergruppen bei “Fleck” gehaltener Visierung. Exempl. Nr.: “M03500”:

Deutlich erkennbar ist die Tatsache, dass der Schütze wegen des schlechten Abzugsverhalten im DA-Modus (Scheiben jeweils rechts) sehr ausgeprägt zum Verreißen der Waffe neigt.

    

    

Begrifferklärungen:

                      

Mehr zu Thema “Zielen und Treffen” unter:

    

    

Fotos oben und unten: Während das frühe Exemplar mit der Serien-Nummer “M00076” neben dem “F” im Pentagon auch den Schriftzug des Deutschland-Importeurs “SIMBATEC” führt, so fehlt diese Zusatzkennzeichnung dann beim späteren Exemplar “M03500” neben dem obligatorischen “F”.

    

 

Danksagung: Vielen Dank an die Firma “Simbatec” für die freundliche Teststellung der beiden “Valtro Airgun 92”- Exemplare

 

Fazit:

“Twin Power”, dieser Namenszusatz ist Programm. Zwei Trommelmagazine und zwei Treibgaskapseln kommen in der italienischen “Valtro Airgun 92” zum Einsatz und steigern die Kapazität dieses “Beretta”-Nachbaus gegenüber vergleichbaren Waffenmodellen der Wettbewerber recht deutlich. Wer dazu gesteigerten Wert auf eine hohe Mündungsenergie legt, kommt diesbezüglich ebenso auf seine Kosten, wie der Systemsammler, der die durchaus interessante Doppeltrommel-Konstruktion seiner Kollektion hinzufügen mögen. Bedauerlich ist jedoch, dass neben den vorhandenen innovativen Ansätzen des Entwicklerteams, leider aber auch arg hausbacken anmutende Detaillösungen zum Tragen kommen, die den Eindruck erwecken, als seien die Konstrukteure quasi auf halben Wege stehen geblieben, weil Ihnen die guten Ideen oder das Budget abhanden kamen. In Verbindung mit dem optisch und haptisch wenig hochwertig wirkenden Vollkunststoffgehäuse, bei einer insgesamt mäßigen Gesamtausstattung, sowie der im Rahmen der Tests aufgetretenen technischen Beanstandungen, ergibt sich leider kein wirklich rundes Bild. Und das kann in Summe dann eben nicht zu einer uneingeschränkten Kaufempfehlung führen. Gute Ansätze sind zweifellos vorhanden, aber eben leider auch etliche Kritikpunkte die m. E. ein nicht unerhebliches Verbesserungspotential beinhalten.

GUNIMO

Februar / Juli / August 2011