Yunker 3

Yunker 3

Hersteller: Izhmash (Ischewsk), Russia -  Vermarktung “Baikal”

http://www.izhmash.ru/eng/

Vorbild: Kalaschnikow AK-74 M

Schein, oder nicht Schein, das ist die Frage...

...die sich seit 1. April 2003 so nicht mehr stellt, denn der „Anscheinswaffen“-§37 der alten Fassung des deutschen Waffengesetzes ist mit dessen Novellierung zum genannten Gültigkeitsdatum ja gefallen. Fast unglaublich, aber dennoch wahr! Seither also sind auch jene Waffen hierzulande erlaubt, die vollautomatischen Kriegswaffen nachgebildet sind. - Aber aufgemerkt!! - Nachgebildet bedeutet nicht, dass sie auch über die vollautomatische Funktion ihrer Vorbilder verfügen dürfen! Dem ist nämlich nach wie vor nicht so, und so bleiben Feuerstöße oder gar Dauerfeuer mittels durchgezogen gehaltenem Abzug weiterhin von deutschen Freizeitschießständen verbannt.

Jedoch ist es dem geneigten Interessenten nun möglich, sich originalgetreue und vor allem schießfähige Nachbauten von Kalaschnikow und Co. ins Haus zu holen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Originalgetreu ist im Falle der CO2-„Yunker“-Modelle von Izhmash/Baikal wirklich eine zutreffende Formulierung, denn glaubt man den Herstellerangaben, so bestehen die Kalaschnikow-Nachbauten zu ca. 90 % aus Bauteilen der großkalibrigen Originalwaffen. Im wahrsten Sinne des Begriffes: „Nicht weit hergeholt“, denn von Izhmash im russischen Ischewsk, werden schließlich auch die „scharfen“ Kalaschnikows gefertigt.

Bilder unten: Beschriftungen auf dem Gehäuse.

    

Technische Daten:

Modellbezeichnung: „Yunker 3“

Vorbild: Kalaschnikow AK-74

Hersteller: Izhmash / Baikal

System: CO2 Mehrlader

Antrieb: 12 g CO2-Kapsel (Ventileinheit „Baikal MP841K“)

Kaliber: 4,5 mm BB (Stahlrundkugeln)

Magazinkapazität: 18 Schuss

Schussausbeute/Kapsel: ca. 72 brauchbare Schüsse (4 Magazine), gesamt ca. 8 Magazine

Mündungsenergie (Vo): ca. 90 m/s

Anzugswiderstand: ca. 3.400 g

Lauf:  Länge ca. 480 mm (nicht mit Zügen ausgestattet)

Länge: 940 mm (Gesamt, mit ausgeschwenkter Stütze)

Länge: 698 mm (im angeklappter Stütze)

Höhe: 260 mm

Breite: 74 mm

Gewicht: ca. 3.600 g

Preis: 330,- EUR (Oktober 2003)

Bilder unten: links der Link zum Waffenmanual, rechts der Link zur Beschreibung der Ventileinheit. (bitte anklicken)

                                              

Lexikon: „Junker“ (Yunker), ursprünglich: junger Adliger; seit Mitte des 19. Jh. Bezeichnung für den ostelbischen Landadel.

Kalaschnikow-Modelle:

-Urahne ist das AK-47. Die Zahl 47 weist auf das Erscheinungsjahr 1947 hin. Kaliber 7,62

-AKM mit nach unten klappbarer Schulterstütze. Kaliber 7,62 , 3,15 kg, L: 876 mm Vo= 715 m/s

-AK-74/AKS-74 mit seitlich klappbarer Schulterstütze, Kaliber 5,45 x 39 mm, 3,6 kg, L: 930 / 690 mm,

                           Feuergeschwindigkeit: 650 Schuss/min., 30-Schuss-Mag., Vo= 900 m/s

-MP AKSU-74 = kurze Variante.

-AK-105, kurze Variante, L: 825 mm, Skelett-Schulterstütze

        

Original und ‚Fälschung‘:

Die „Yunker 3“ entspricht weitestgehend dem Kalaschnikow-Sturmgewehr „AK-74 M“, die „Yunker 2“ ist das Pendant zur „AK-105“, also der kurzen Version, die als weiteres optisches Erkennungsmerkmal einen anderen, trichterförmigen Mündungsfeuerdämpfer besitzt. Mündungsfeuerdämpfer sind an CO2-/ Druckluftwaffen allerdings ohne Funktion und während an der „Y3“ ein Metallteil zur Verwendung kommt, muss man sich bei der „Y2“ leider mit einem Dämpfer aus Plastik begnügen. Außerdem wird die kurze „Yunker“ in Deutschland mit einem Anschlagschaft vertrieben, der nicht massiv ausgeprägt ist, sondern nur aus einem Rahmen besteht. Im Fachjargon spricht man bei dieser Art Schulterstütze von einem Skelett-Schaft.

        

Bilder unten: Lauf und Mündungsfeuerdämper (rechts mit demontiertem Putzstock)

    

 Bild links: Vorderschaft aus schwarzem Kunststoff

Bild unten links: Linksseitig am Gehäuse über dem Abzug befindet sich die Zielfernrohrschiene. Je nach Importeur fehlt diese Schiene. Beim Kauf unbedingt auf dieses Detail achten.

Bild unten rechts: Passendes Zielfernrohr mit Schutzhülle.

    

Der Anschlagschaft hat es in sich:

Der Klappschaft, wie der Name schon andeutet, lässt sich linksseitig umschwenken und rastet am Arretierungshaken am Systemgehäuse ein. Per Druckknopf an der Schaftkappe des Kolbens lässt er sich wieder, zwecks Ausklappvorgangs, befreien. Im Inneren des Kolbens steckt eine im Lieferumfang enthaltene Metallkapsel, die man mittels eines Federmechanismus auswerfen kann. Die Zugangsklappe befindet sich ebenfalls an der Schaftkappe, oberhalb des Druckknopfes. In der Kapsel ist das Werkzeug untergebracht, wobei praktischer Weise sogar das Kapselgehäuse selber, als Griffstück für den Schraubendreher fungiert. Auch Ersatzdichtringe liegen bei.

Der Putzstock, um das Thema Werkzeug abzurunden, wird griffbereit unter dem Lauf eingehakt.

Bild unten links: Vor dem Schwenkscharnier des Kolbens ist der silbrige runde Druckknopf für die Entriegelung des schwarzen Kunststoff-Hinterschaftes zu erkennen. Damit wird die rechtsseitig angebrachte Arretierklinke ausgelöst.

Bild unten rechts: Auf der gegenüberliegenden rechten Seite erkennt man die silbrige Arretierklinke für den ausgeschwenkten Hinterschaft. Daneben, am Kolbenansatz, befindet sich eine drehbare Riemenöse.

    

Bilder unten: Yunker 3 mit umgeklapptem Hinterschaft, der in dieser Position an einer beweglichen Klinke am Gehäuse einrastet.

    

Bild unten: Vor der Kaliberangabe befindet sich die Arretierung für den Klappschaft.

Bilder unten: Blick auf die Schaftkappe des Hinterschaftes. Der sichtbare Druckknopf löst bei Betätigung den ggf. angeklappten Schaft aus der Arretierung am Gehäuse (Bild oben).

Über dem Druckknopf befindet sich ein Schacht, der in den hohlen Kolben führt. Darin steckt eine im Lieferumfang enthaltene Metallkapsel, die verschiedenes Werkzeug birgt. Mittels eines Federmechanismus kann die Werkzeugkapsel bei Bedarf ausgeworfen werden.

    

Bilder unten: Die Werkzeugkapsel mit Inhalt. Auch Reservedichtungen liegen bei. Die Kapsel dient nicht nur der Aufnahme des Werkzeugs, sondern ist selber Bestandteil des selben, da sie als Griff für den Schraubendreher fungiert.

    

Sicherung: Der zum Sicherungshebel umfunktionierte, groß dimensionierte Feuerwahlschalter, sperrt den Abzug. In die untere Position gebracht ist der Abzug freigegeben. Vor dem Sicherungshebel prangt der Verschluss-Spannhebel mit dem die Federführungsstange zurückgezogen werden kann.

Bilder unten: Der zum reinen Sicherungshebel umfunktionierte Feuerwahlschalter. In der unteren Postion ist der Abzug frei, in die obere Position gebracht, wird der Abzug blockiert.

    

Visierung: (Bild unten) Das Korn sitzt auf einem hohen Kornsockel und ist durch Drehen höhenverstellbar. Das Kimmenbauteil ist mittels eines einfachen Rastschiebers ebenfalls vertikal justierbar.

        

Ventileinheit: (Das Herzstück im Magazin-Mantel.)

Ihre Energie bezieht die „Yunker“ aus der „Baikal MP-841K“-Ventileinheit, die im Kunststoff-Magazinmantel untergebracht ist. Zum Entnehmen der Ventil-Magazin-Einheit drückt man den kleinen Knopf auf der linken Seite ein und zieht das Bauteil nach oben heraus. Senkrecht vor der Kapselaufnahme ist ein Röhrenmagazin integriert, welches mit der Rundkugelmunition bestückt wird. Der federbelastete Schieber, der die Kugeln zur Schussabgabe vor das Ventil transportiert, lässt sich zum Beladen in der untersten Position fixieren. Das Einbringen der Kugeln in die Ladeöffnung geht nicht gerade flüssig von der Hand, ist aber nach etwas Übung kein Geduldsspiel.

Das eigentliche Herzstück der Yunker steckt im Magazingehäuse. Dieses beherbergt die Ventileinheit, die der Waffe das “Leben” einhaucht:

    

Das Einlegen und Anstechen der CO2-Kapsel läuft nach altbekanntem Strickmuster ab: Die eingebrachte Kartusche wird mittels der Klemmschraube gegen den Anstechdorn gedrückt und fixiert. Wichtig ist, dass man mit Augenmaß agiert, denn der Griff der Klemmschraube sollte keinesfalls quer zum Bauteil stehen, weil dann die Ventileinheit nicht mehr in die Magazinhülle passt, da diese dafür zu schmal ist.   

    

        

Ein wichtiger Hinweis zu einer Schwachstelle: Das Abblasen noch nicht gänzlich entleerter CO2-Kapseln sollte man unterlassen. Die „Yunker“-Dichtungen sind in diesem Punkt offenbar sehr anfällig. Benutzererfahrungen zeigen, dass die O-Ringe durch den entstehenden Druck Schaden nehmen oder sogar gänzlich wegplatzen und ersetzt werden müssen. Kapsel also besser immer erst nach dem völligen Leerschießen vorsichtig entnehmen oder aber sehr umsichtig handeln beim ablassen des Restdrucks.

Bilder unten: Deutlich ist der kleine Druckknopf erkennbar, der die Magazin-Ventil-Einheit im Magazinmantel fixiert.

(links: entnommene Einheit mit eigelegter CO2-Kapsel, rechts: Ventileinheit steckt im Magazinmantel)

    

Bild unten links: Vor dem Abzugsbügel sitzt der Hebel für die Magazinverriegelung.

Bild unten rechts: Blick in den offenen Magazinschacht.

    

Bild unten links: Blick von rechts auf den Pistolengriff mit Abzugseinheit. Der Hebel vor dem Abzugsbügel ist der Magazinhalter. Über dem Abzug befindet der zum Sicherungshebel umfunktionierte große Feuerwahlschalter.

Bild unten rechts: Blick auf die linke Gehäuseseite. Am Hinterschaft ist gerade noch die Mulde erkennbar, die die Aussparung für die Zielfernrohrschiene bei angeklapptem Schaft darstellt.

    

Bilder unten: Mündung mit abgeschraubtem Mündungsfeuerdämpfer.

    

Bild unten links: Der kleine silbrige Riegel am Kornträger muss eingedrückt werden, um den Mündungsfeuer- dämpfer zum Abschrauben drehen zu können.

    

Bilder unten: aufgesetzter Systemgehäusedeckel (links), abgenommener Gehäusedeckel (rechts).

    

Bilder unten: Bei demontiertem Gehäusedeckel wird der Blick auf die Federführungsstange und die Spiralfeder freigegeben. Der aufgesetzte Deckel wird von der Federführunsstange unter den Gehäuserand gepresst und dadurch in dieser Position festgehakt und fixiert.

    

Schießtest: (In aller Kürze, da ohne Würze.)

Das Positive zuerst: Abzugsverhalten und Abzugswiderstand sind erstaunlich angenehm ausgelegt, mit sauberer Gesamtcharakteristik ohne hakeln und kratzen. Die Treffgenauigkeit, wenn man denn überhaupt davon sprechen sollte, reicht für das Plinking auf 6 – 8 m noch so eben aus um Spaß zu generieren. Ein Präzisionswunder hält man nicht im Anschlag und auf eine LG-Zielscheibe anzulegen um Ringe zu zählen, lohnt sich nicht wirklich.

 

Die hier ablesbaren Ergebnisse auf der handelsüblichen LG-Scheibe, aufgelegt auf 6 m und in langsamer Folge geschossen, sprechen da wohl für sich: Die 10 Einschüsse verteilen sich auf der 8,3-cm-Durchmesser- Scheibe relativ gleichmäßig nach „Gießkannenmuster“.

Die Geschossenergie, zu Beginn einer frisch angestochenen CO2-Kartusche noch ganz passabel, fällt dann jedoch relativ schnell ab. Getränkedosen zeigen bei Treffern ein Eintrittsloch, aber keine Austrittsöffnung. Auch hier wurden die Versuche ebenfalls auf 6 m Distanz durchgeführt. Ein recht schwächlicher Eindruck bleibt zurück, der sich nach 4 verschossenen Magazinen bei den weiteren Schussabgaben deutlich verstärkt. Insgesamt ließen sich 8 Magazine verschießen, wobei nach der Hälfte dieser Kapazität der Spaß deutlich nachlässt.

    

Bilder unten: Die Ur-Yunker (Yunker 1) beinhaltete als Herzstück die CO2-Pistole “Baikal MP-651K”, um die herum ein Sturmgewehr-Dummy gebaut wurde... Vergleiche -->

Fazit: Die „Yunker“ ist ein CO2-Sturmgewehr-Nachbau, welcher sehr nahe an das Kalaschnikow-Original heranreicht. Als Belegstück für den geneigten Interessenten und den Sammler sicherlich interessanter als für den praktischen Einsatz auf dem heimischen Hobbyschießstand. Denn, bei aller Freude über die neuen Freiheiten ex-§37, die Schießergebnisse der Waffe sind wenig erbaulich, wenngleich auch nicht gänzlich ohne Fun-Faktor beim Plinking.

GUNIMO

November 2003 / August 2007 / Dezember 2007