Besuch bei UMAREX

Zu Besuch bei der UMAREX Sportwaffen GmbH und Co. KG:

 

UMAREX ist ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Arnsberg im Sauerland (Westfalen). Der Name UMAREX setzt sich zusammen aus „Ussfeller“, „Mayer“, „Reck“, mit einem angehängten „X“ . - Website: www.umarex.de

Unternehmens-Historie:

(Zitat UMAREX-HP) Die Wurzeln von UMAREX liegen in der Waffenstadt Zella-Mehlis. Dort wurde in den 1930er Jahren die “Perfecta”-Pistole unter der Firmierung “Mayer & Riem KG” gebaut. Die Fertigung dieser Waffe wurde nach Kriegsende in Arnsberg wieder aufgenommen. Mit Inkrafttreten des neuen Waffengesetzes im Jahre 1972, wurde der bis dahin liberale Waffenkauf erheblich eingeschränkt. Das war die Geburtsstunde von UMAREX. Genau genommen für das Marktsegment “Freie Waffen”. Von da an entwickelte sich das Unternehmen in kürzester Zeit über alle Ländergrenzen. Mit Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen im In- und Ausland gehört UMAREX zu den wenigen Waffenfirmen, die global tätig sind. (Zitat Ende)

Heute besteht die UMAREX-Firmengruppe aus einem globalen Netzwerk von Spezial- und Zulieferfirmen, die sich gegenseitig ergänzen. Dies zeugt vom offenbar recht großen unternehmerischen Geschick der Firmenleitung. Die Zusammenarbeit mit Partner- und Tochtergeselschaften, mit denen Lizenz- und Kooperationsverträge bestehen, verschafft UMAREX eine starke Position im Inland und auf dem Exportmarkt. Mit rund 600 Mitarbeitern erzielt das Unternehmen, incl. aller Tochter- und Partnergesellschaften, einen Umsatz von mehr als 75 Mio. € pro Anno.

        

UMAREX-Partner weltweit:

Carl WALTHER GmbH & Co. KG

WALTHER USA LLC

Pyrotechnik SILBERHĂśTTE GmbH

FĂśRSTENBERG Holzwaren GmbH

UMAREX Ă–sterreich Ges.m.b.H & Co. KG

PW ARMS GmbH & Co. KG

UMAREX Moskau Gu AG

PW ARMS Wien GmbH & Co. KG

Marken:

Walther, Colt, Reck, Smith & Wesson, Beretta, Browning, Norica, Crosman, Marksman, Perfecta.

 

So machte ich mich am 28. Mai 2002 auf den Weg nach Arnsberg, wo mir für diesen Tag ein Einblick hinter die Kulissen dieses interessanten Unternehmens gewährt wurde. Unter der sachkundigen Führung des Marketing-Leiters, Herrn Manfred Nienhaus, und dem Leiter der Konstruktion, Herrn Dietmar Emde, wurde ich durch alle Abteilungen geleitet.

                

Nach der Begrüßung ging es zunächst zur Unternehmensleitung. Herr Pflaumer (einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter, neben Herrn Wonisch) gewährte mir zunächst einen Blick in sein Büro, welches, nicht übertrieben, als kleines Museum bezeichnet werden kann. Hier finden sich in langen Vitrinen alle Waffenmodelle in vielen Varianten, die das Unternehmen in seiner Geschichte hervor gebracht hat. Von den Gas- und Schreckschuss-Waffen über die Druckluft- und CO2-Exemplare bis hin zu den „scharfen“ Exponaten ist das ein absolut erhebender Anblick für jeden Waffen-Liebhaber.

                

        

Die erste Etappe in der Fertigung fĂĽhrte uns in den Montage-Bereich. Zum Zeitpunkt meines Besuches wurden dort gerade die neuen „Lever-Action“-Gewehre und die CPS montiert. Wie Herr Nienhaus ausfĂĽhrte, bleiben die Fertigungs-Plätze fĂĽr jedes Waffen-Modell stets komplett bestĂĽckt, lediglich das Personal wird flexibel eingesetzt, je nach dem welche Waffe montiert werden soll. Dadurch entfallen zeit- und kostenintensive UmrĂĽstaktivitäten in der Produktion. Einige Kleinteile werden bereits vormontiert angeliefert. Diese Arbeitsschritte werden mittels sogenannter Heimarbeitsplätze erbracht. 

        

Hier erfolgt die Montage des „Lever-Action“-Gewehres. Nachdem der Hinterschaft samt der Ventileinheit mit 2 angestochenen CO2-Kapseln bestückt ist und unter Druck steht, wird das komplette Modul in eine Vakuum-Verpackung eingeschweißt und eine angemessene Zeit gelagert. Bläht sich die Verpackung nicht auf, so ist die Einheit definitiv dicht. Nach kompletter Montage wird jede Waffe in eingespanntem Zustand probegeschossen (Bilder unten). Dazu bedient man sich bereits vorgeladener Magazintrommeln, die ebenfalls mittels Heimarbeit vorbereitet werden. Wie Herr Emde erläuterte, wird das Schussbild mittels einer Schablone auf einem Monitor kontrolliert. Liegt dieses innerhalb der Toleranzgrenze, wird das CO2 aus den Kapseln abgeblasen und die Waffe kann zum Versand gelangen.

          

Auf diesem Bild (unten links) wird eine „CPS“ von der Maschine probegeschossen.

        

Auf jede Waffe wird mittels Laserbeschriftung eine Serien-Nummer aufgebracht. Anhand dieser, und entsprechender „Buchführung“, kann die Waffe, auch später noch, genau einer Charge zugeordnet werden. (Bilder unten)

        

Bei UMAREX wird sehr großer Wert auf Qualitätskontrolle und –sicherung gelegt. Besonders alle Ventil- und Dichtungseinheiten der CO2-Waffen werden strengen und aufwändigen Checks unterworfen. Sei es im „Wasserbad“ oder mittels Ultraschall.

        

Herr Emde fĂĽhrt hier (oben und unten links) die Funktionsweise einer DichtigkeitsprĂĽfung vor. Aufsteigende Gasblasen wĂĽrden eine undichte Stelle umgehend entlarven. Sollte dies der Fall sein, werden diese Bauteile zur Nachbearbeitung gegeben und später erneut geprĂĽft.       

          

An dieser Maschine (oben rechts) werden CO2-Waffen-Ventile der Ultraschall-Dichtigkeitsprüfung unterzogen, und anschließend, wie hier zu sehen, gleich in die „Magazin-Einheiten“ der „CP99“/“CPS“ eingesetzt. Bei diesen Modellen ist die Kapselaufnahme bekanntlich ein eigenständiges Modul, welches, ähnlich dem Magazin einer scharfen Waffe, ausgeworfen werden kann.

        

Im Bild (oben) der Druckguss-Rohling einer „Walther P88“-Schreckschuss.

          

In diesem Bereich (oben) werden die Schlitten der „P99“ gearbeitet. Aus dem vollen Stahlrohling gefräst, werden anschließend alle Maße akribisch mit dieser hochwertigen Maschine überprüft (unten). Für die Qualitätssicherung wird auch hier ein sehr hoher Aufwand betrieben. Wie man sieht werden Teilprozesse der P99-Produktion in Arnsberg abgewickelt, die Endmontage erfolgt aber bei “Walther” in Ulm. Die P22 wiederum wird komplett im Sauerland gefertigt.

        

Die Konstruktionsabteilung (Bilder unten) ließ einen Eindruck von der Arbeit vor der Serienfertigung erahnen. Umfangreiche Grafiksoftware kommt zum Einsatz, um z. B. aus einem originalen Vorbild eine CO2-Waffe zu kreieren, die ihrem Archetyp auch wirklich ähnlich sieht. Dabei besteht das Problem, in die weitestgehend vorgegebenen äußeren Maße, die wesentlich umfangreichere Technik einer CO2-Waffe zu implementieren. Herr Emde und ein Mitarbeiter der UMAREX-Kreativ-Abteilung führten einen solchen Vorgang mittels dieses faszinierenden Grafikprogramms anhand der „CP88“ beispielhaft vor. Dabei kann die gesamte Waffe, aber auch jedes einzelne Bauteil, dreidimensional dargestellt, in jeder erdenklichen Position und Ausrichtung betrachtet und jederzeit modifiziert werden. Auch das Zusammenwirken mechanischer Teile ist simulierbar. Während der Entwicklungsphase werden natürlich auch immer wieder Muster oder Prototypen angefertigt, um das Erdachte in der Praxis zu erproben und ggf. notwendige Änderungen deutlich zu machen. Die Pläne zu neuen Modellen blieben mir natürlich leider verborgen und auch explizite Nachfragen hatten selbstredend keinen Erfolg.

                  

All dies was entwickelt und gefertigt wird, muss später auch zum Besteller gelangen. Deshalb stand auch die Besichtigung der Verpackungs- und Versandvorgänge auf dem Programm. Hier werden alle Versandchargen zusammengestellt und transportfertig gemacht, bevor sie in nahezu alle Länder dieser Welt gehen.

Ganz offensichtlich boomt das Geschäft, und besonders die „Walther P22“-Gaspistole und das neue „Lever-Action“-Gewehr sind dabei die Renner. So erläuterte Herr Nienhaus, dass die Nachfrage nach der „Winchester“ mit den bestehenden Kapazitäten kaum mehr gedeckt werden kann. Nicht nur deshalb hat man bei UMAREX am Standort Arnsberg konkrete Expansionspläne.

Beim Thema Marketing war Herr Nienhaus natürlich ganz besonders in seinem Element: All diese Erfolge seien, so Nienhaus, kein Zufall, sondern beruhten auf effizienten Marktanalysen, die einen großen Stellenwert bei UMAREX genießen. Dabei würde letztlich das produziert, was mit hoher Wahrscheinlichkeit gut vom Markt angenommen werde. Einen Flop könne man sich heutzutage in der Branche nicht erlauben, deshalb läge auch die ein oder andere fertige Entwicklung zunächst auf Eis und man warte auf den richtigen Zeitpunkt. Ein Überschwemmen des Marktes mit immer neuen Modellen in rascher Folge sei kontraproduktiv, erschwere den Absatz bestehender Modelle, und führe zu einer Übersättigung der Interessenten, so Nienhaus sinngemäß weiter.

Was gut beim Verbraucher ankommt, ist sicherlich a.u. die Beschriftung der Waffen mit  bekannten Markennamen, deren Verwendung man sich durch Lizenzverträge mit etlichen Herstellern gesichert hat. Dies ermöglicht es dem geneigten Interessenten, sich z.B. eine naturgetreue â€žWalther“- , „Beretta“-, „Colt“- oder „Smith & Wesson“-Waffe nach Hause zu holen, ohne dafĂĽr gleich die aufwändigen und wenig transparenten behördlichen Hindernisse auf sich nehmen zu mĂĽssen.    

Überhaupt legt man bei der „Sportwaffen GmbH“ großen Wert auf ein eigenständiges Profil und folgt nicht unbedingt dem Mainstream in der Branche. Nienhaus beschreibt das so: „Gehen die anderen nach rechts, dann gehen wir nach links.“ – Wenn der Erfolg vorhanden ist, dann gibt diese Vorgehensweise den verantwortlich handelnden Recht.

UMAREX hat sich aber nicht nur auf ein Segment wie Waffenproduktion fixiert, sondern bietet darĂĽber hinaus eine groĂźe Palette anderer Produkte, z.B. auf dem Sport- und Freizeitsektor, an. Dies macht das Unternehmen nicht so anfällig fĂĽr negative EinflĂĽsse im derzeit schwierigen Waffen-Markt. Zu diesen Imponderabilien zählt in jĂĽngster Zeit ja auch die Novellierung und de facto Verschärfung des deutschen Waffengesetzes. Derartige Signale sind naturgemäß kein groĂźer Kaufanreiz fĂĽr die Verbraucher auf dem inländischen Markt, sondern fördern deren ZurĂĽckhaltung.   

          

Weitere Gesprächsthemen waren die Präsenz von UMAREX bei der IWA 2002 in NĂĽrnberg, welche ganz im Zeichen der Western-Waffe „Lever-Action“-Gewehr stand. NatĂĽrlich kam das Product-Placemant zur Sprache, denn, wie könnte es anders sein, Geheimagent „James Bond“ 007 war im Schulungs- und Konferenzraum, der letzten Etappe unseres höchst interessanten Rundgangs, allgegenwärtig. „Walther“-Waffen sind mit dieser Filmlegende schlieĂźlich untrennbar verbunden, und der neue Bond-„Streifen“ wirft bereits seine Schatten voraus. So verriet Herr Nienhaus, dass die Firma „Walther“ fĂĽr das Placement ihrer Produkte (zuletzt die P99) in Bondfilmen als einziger Hersteller keine finanziellen Aufwendungen tätigen muss. Auch dies ist ein Indiz fĂĽr die groĂźe Wertschätzung, die „Walther“-Produkte weltweit genieĂźen. Immerhin kann man sich einen Bond gar nicht ohne seine „Walther“-Pistole vorstellen. NatĂĽrlich dĂĽrfe die Firma alles, was mit den Bond-Filmen zu tun hat, nicht zur Eigenwerbung verwenden, so Manfred Nienhaus. 

Die Impressionen, die ich bei meinem äuĂźerst informativen und interessanten Besuch bei der Firma UMAREX gewonnen habe, möchte ich so zusammenfassen: Mir hat sich ein modernes, mittelständisches Unternehmen präsentiert, welches aufwändige Technik einsetzt, sowie ĂĽber  moderne Erkenntnisse und motivierte Mitarbeiter verfĂĽgt. Größten Stellenwert genieĂźt die Qualitätskontrolle und -sicherung, die sich durch alle Fertigungsstufen erstreckt, mit dem Ziel, zufriedene Kunden zu erhalten. Das Betriebsklima im Werk Arnsberg machte auf mich einen ausgesprochen guten Eindruck, auch wenn ich das nach meinem Rundgang naturgemäß nur oberflächlich beurteilen kann und möchte.

Herzlich bedanke ich mich bei den Herren Nienhaus und Emde, die sich viel Zeit genommen und sich groĂźe MĂĽhe gemacht haben, mich sachkundig durch das Unternehmen zu fĂĽhren, um mir einen breiten Ăśberblick ĂĽber die Arbeitsweise der Firma UMAREX auf dem Waffensektor zu vermitteln. Dies ist auf sehr sympathische und anschauliche Weise gelungen. Man hatte durchaus ein offenes Ohr fĂĽr Hinweise und Anregungen meinerseits, die ich natĂĽrlich dort an den jeweils richtigen Mann bringen konnte, wovon ich selbstverständlich Gebrauch gemacht habe.  NatĂĽrlich gilt mein Dank fĂĽr die Gastfreundschaft ebenso der Unternehmensleitung, die mir diesen Besuch gestattet und ermöglicht hat. Es war ein eindrucksvolles und unvergessliches Erlebnis.

GUNIMO

Mai 2002

 

Meilensteine:

--- 1923 Gründung der Firma „Mayer & Söhne“ in Bamberg durch Karl Mayer sen., zusammen mit seinem Vater August und seinem Bruder Paul. Hergestellt wurden Tauchsieder und Apparate für die Großindustrie.

--- 1924 Verlegung des Betriebs nach Neheim-HĂĽsten, einem heutigen Stadtteil von Arnsberg. Damit ging die GrĂĽndung folgender Firmen einher:

           „Gebr. Mayer“ (Heiz und Hochgeräte)

           „Mayer und Wonisch“ (Mess- und Regeltechnik)

           „Dame“ (Metallwaren)

           „Dietel“ (Kunststofftechnik)

           „Mayer & Riem“ (Waffen)

--- 1930er Jahre „Mayer & Riem KG“ baut die „Perfecta“-Pistole in Zella-Mehlis.

--- 1952 nahm die „Mayer & Riem KG“ die Produktion der Start-, Signal- und Gaspistole „Perfekta“ wieder auf.

--- 1967 wurden die Firmen zwischen den Nachfahren der Brüder Karl und Paul Walther aufgeteilt. Lediglich die Waffen-Fabrik „Mayer & Riem“ wurde von den Brüdern gemeinsam geleitet.

--- 1972 Gründung der Firma „Mayer und Ussfeller“ (Herstellung von Kleinkalibergewehren) in Ulm-Wiblingen.

--- 1972 wurde  unter der Leitung von Wulf-H. Pflaumer und Franz Wonisch die  UMAREX–Firmengruppe gegrĂĽndet.

--- 1980 verstarb Karl Mayer sen., der 1923 den „Grundstein“ gelegt hatte.

--- 1993 UMAREX kauft die „Carl Walther GmbH“. Rückwirkend zum 1.1.1993 kauft die UMAREX-Tochter „PW Interarms GmbH“ 90 % der „Walther“-Anteile. Die übrigen 10 % verblieben im Besitz von Karl-Heinz Walthers Frau Ira und Sohn Jürgen.

--- 1996 UMAREX startet eine Marktoffensive bei CO2- und Gas-/Schreckschusswaffen. Dabei erscheint u.a. die CO2-Look-Alike-Waffe „Walther-CP88“ auf dem Markt, der weitere attraktive Modelle folgten.

--- 2002 UMAREX vertritt die Produkte der US-Firma „Crosman“