UMAREX HPP

UMAREX HPP

    

Anbieter: UMAREX Sportwaffen GmbH & Co. KG   www.umarex.com

Hersteller: Maruzen Co. Ltd.

Modell: HPP

Vorbild: “Sig Sauer P226” (Foto unten)

Vorstellung: IWA 2010

Serien-Nr.: 10B00029

    

System: CO2-Semi-Automatic mit Blow-Back-Funktion

Antrieb: 12-g-CO2-Kartusche

Schussausbeute je Kapsel: ca. 70 - 80

Kaliber: 4,5 mm BB Stahl (.177)

Magazinkapazität: 15 Kugeln

Mündungsgeschwindigkeit: max. bis ca. 130 m/s , <3 Joule - (Herstellerangabe)

    

Abzug: Double Action Only (DAO)

Abzugscharakteristik: Langer Vorzugsweg, angenehm weicher Widerstand, saubere Charakteristik, kein Druckpunkt

Lauf: glatt (ohne Züge)

Lauflänge: 93 mm

Sicherung: Manueller Schieber linksseitig, blockiert die Abzugsmechanik.

Visierung: Nicht verstellbar, Korn mit weißer Markierung (Abb. unten)

    

Länge: 175 mm

Höhe: 140 mm

Breite: 33 mm

Gewicht: 825 g (leer)

Ausführung: Druckgussgehäuse (Ganzmetall), schwarze Plastikgriffschalen

Lieferumfang: Waffe mit Manual im Pappkarton

Ausstattung: Beweglicher Schlitten - Blowback-Funktion - Kurze Weaverschiene - Kapselanstich mittels Klemmschraube am Griffboden - entnehmbares Magazinbauteil (BB-Reihenmagazin aus Plastik im Griffstück), Waffe ohne Originalmarkings, da UMAREX nicht die “Sig Sauer”-Namenslizenz besitzt

Bewertung: Saubere Verarbeitungsqualität, mit kleinen Einschränkungen guter Gesamteindruck, angemes- senes Preis-Leistung-Verhältnis

Preis 2010: ca. 100,- EUR

                            

Schlitten

Die “UMAREX HPP” hat eine “BlowBack”-Funktion und verfügt daher über einen beweglichen Metallschlitten mit funktionsfähigem Schlittenfanghebel. Nach dem letzten abgegebenen Schuss sperrt das entleerte Kugelmagazin den Schlittenvorlauf und der Abzug wird blockiert, lässt sich dann also nicht mehr durchziehen. Der Schlitten ist leichtgängig, läuft sauber auf seiner Schiene und generiert aufgrund des geringen Spiels trotzdem keinen klapprigen Eindruck. Das “Patronenauswurffenster” ist leider eine nur angedeutete Vertiefung in der Schlittenoberfläche.

”Blow Back” - Dieser Begriff findet bei CO2- und Softair-Waffen Verwendung, wenn ein Teil des Treibgases bei Schussabgabe dazu verwendet wird, den Schlitten/Verschluss nach hinten zu bewegen, um den Rückstoßimpuls, wie er beim Repetieren einer Feuerwaffe auftritt, zu simulieren. Dabei wird der Hahn oder das Schlagstück gespannt, wenn eine SA-Funktion gegeben ist. Die Waffe funktioniert semiautomatisch.

    

    

Fotos oben: Montageschiene (Picatinny-Profil) am Griffstück unterhalb der Mündung. Es können dort ggf. Anbauteile (Lampen, Laser, etc.) montiert werden (Wichtig: Rechtslage im Inland beachten!). Foto unten: Blick in das geöffnete “Hülsen-Auswurffenster” bei zurückgezogenem Schlitten.

 

Abzug

    

Der Abzug der “HPP” ist für eine Waffe dieser Preisklasse und Ausprägung bemerkenswert gut. Zwar ist der Vorzugsweg relativ lang, aber der Widerstand lässt sich als angenehm “weich” umschreiben und die Charak- teristik ist glatt und sauber, wenn auch vielleicht ein wenig schwammig. Kein Schaben, Kratzen oder Ruckeln ist zu verspüren. Leider gibt es vor der Schussauslösung keinen Druckpunkt.

Beschreibung „Double Action“- / „Single Action“-Abzug:

"Double Action" beschreibt einen sogenannten Spannabzug von Selbstladewaffen, bei dem der Abzug das Schloß (Hahn oder Schlagstück) spannt und dann bei weiterem Durchziehen den Schuss auslöst. Bei einem Revolver wird auch die Trommel um eine Kammer weitergedreht.
Double Action Only (DAO) bedeutet, dass man die Waffe nicht vorspannen kann, also kein Single-Action-Modus möglich ist.

“Single-Action“ bedeutet, dass man den Hahn (oder ein Schlagstück) vorher spannt, bevor man den Abzug betätigt. Der Abzug führt also nur noch eine Aktion durch, nämlich das Auslösen des Schusses. Vorteil: Der Abzugswiderstand wird geringer und der Abzugsweg kürzer, was der Schusspräzision zu Gute kommt.

 

Manuelle Sicherung

Linksseitig befindet sich an der Waffe ein manueller Schieber, griffgünstig direkt über dem Abzug platziert. In die vordere Position (“S” = “safe”) gebracht, blockiert dies die Abzugsmechanik (Bild unten links). Das Züngel lässt sich dann nicht mehr bewegen, es kann also kein Schuss mehr ausgelöst. Im Bild unten rechts befindet sich der Sicherungsschieber in Position “F” (“fire”). Die rote Warnmarkierung signalisiert visuell den entsicherten Zustand.

    

 

Visierung

Die Visierung ist leider nicht justierbar, der Kontrast zwischen dem recht breiten Kimmenausschnitt und dem Balkenkorn ist sehr deutlich. Das Korn hat zusätzlich eine weiße Farbmarkierung. - Die Bilder unten vermitteln den tatsächlichen Eindruck nicht konkret, da es sich um eine Nahaufnahme handelt. Im Schießbetrieb ist das Auge schließlich um Armlänge von der Kimme entfernt.

    

    

 

Griff

Griffrücken und -vorderseite weisen senkrechte Rillen auf. Beidseitig sind seichte Vertiefungen für den Daumen vorhanden (also auch für Linksschützen). Die Plastikgriffschalen sind oberflächlich leicht angerauht wirken aber hart und nicht wirklich hochwertig, “knarzig” sind sie jedoch nicht. Sie bieten insbesondere bei Schweißbildung in der Innenhand leider kein optimales Griffgefühl.

    

 

Magazin

Um das Plastikmagazin zu entnehmen, betätigt man durch Eindrücken den Auswurfknopf linksseitig am Griff- stück hinter dem Abzugsbügel. Das sehr leichte Magazin wird per Federkraft schwungvoll ausgestoßen. Der große, klobig wirkende Magazinfuß deckt die m. E. stark überdimensionierte Knebelschraube für den Kapsel- anstich ab (Abb. unten). Mit dem Magazin gab es zwar keinerlei technische oder funktionelle Probleme, aber es wirkt im Handling doch etwas zerbrechlich und generiert einen gewisses Spielzeugflair. Man wünscht sich hier ein Metallmagazin herbei, wie es vom Hersteller z. B. der “UMAREX SA-177” mitgegeben wird.

    

    

Bilder unten: Magazin in unbeladenem Zustand. Oben mit entspannter Transportfeder für die Kugeln, unten mit eingerastetem Halter, fertig zum Beladen:

Fotos unten: Ladeöffnung für die BBs und gefülltes Magazin in der Seitenansicht. Das Magazin lässt sich schnell beladen und ist funktionell einwandfrei.

Fotos unten: Blick auf den Magazinkopf in gefülltem Zustand. Die oberste Kugel ist sichtbar und wird durch eine Riegelklinke am Herausrollen gehindert. Die Magazinfeder drückt von unten die weiteren, im Magazin befind- lichen Kugeln nach. Der Kugelschieber ragt bei leerem Magazin oben heraus und sorgt ursächlich dafür, dass der bewegliche Schlitten bei entleertem Magazin hinten gehalten wird (Schlittenfang).

    

 

Implementierung der Treibgaskartusche

Um die CO2-Kartusche ins Griffstück einsetzen zu können, muss die Plastikklappe am Griffrücken geöffnet werden. Dazu fasst man mit einem Finger unten in die Eingriffmulde und zieht die Kappe nach hinten ab. Nun kann dort die CO2-Kartusche mit dem Hals voran (nach oben) eingesetzt werden. Für das Fixieren und Anstechen der CO2-Kapsel findet man den altbewährten, einfachen Knebelverschluss vor (siehe Fotos unten).

    

    

Auf dem Schießstand

Die “UMAREX HPP” liegt mit ihrem Gewicht von rund 900 g angenehm schwer und ausgewogen in der Hand. Zwar ist der Vorzugsweg relativ lang und es fehlt ein Druckpunkt vor der Schussauslösung, aber die saubere und weiche Charakteristik ist aller Ehren wert und kann sich an einer Plinkingwaffe wirklich sehen lassen.

Der Kontrast der Visierung ist recht gut, jedoch lassen sich Kimme und Korn leider nicht justieren. Abträglich im Hinblick auf die Treffsicherheit sind natürlich auch der glatte Lauf, die DAO-Abzugsfunktion, sowie die Verwendung von Stahlkugeln. Die Schussenergie reicht aus, um auf 7 m Distanz handelsübliche Getränke- dosen bei einem Treffer zuverlässig zu lochen. Die Streuung der Kugeln ist für eine Waffe mit BlowBack- Funktion, welche für das Plinking und Funshooting auf Zimmerdistanz ausgelegt ist, absolut passabel (siehe Scheiben unten). Bei Fleck gehaltener Visierung lag die Treffpunktlage weitestgehend mittig, und es ließen sich  recht ansehnliche Schussgruppen erzeugen. Ein Präzisionswunder darf man natürlich nicht erwarten, aber das sollte schon vorher klar gewesen sein. ;-)

Mit einer CO2-Kapselfüllung konnten ca. 80 BBs verwertbar verschossen werden. Bei der 5. Magazinfüllung sank die Treffpunktlage dann langsam ab. Eine gute Ausbeute, wenn man bedenkt, dass bei der “HPP” ein Teil des Treibgases für die Schlittenbewegung abgezweigt wird. Bei der 6. Magazinfüllung wurde die Schlitten- bewegung dann merklich träger, ausreichende Präzision war aber noch gegeben (siehe Scheibe No. 6).

Das Magazin lässt sich durch die große Ladeöffnung schnell befüllen und der Kugelschieber hat in der unteren Position eine Raste, muss also nicht per Fingerdruck unten gehalten werden. Es traten bei der Testwaffe keinerlei Zuführungsstörungen auf. Der durch das BlowBack bei jedem Schuss zurücklaufende Schlitten gene- riert einen kräftigen Impuls und lässt die Waffe deutlich aus dem Ziel springen.

Bilder unten: 10-m-Luftpistolenscheiben 17 x 17 cm, Spiegeldurchmesser 6 cm, Waffe in beidhändigem An- schlag mit aufgelegten Unterarmen gehalten.

Treffergruppen bei Spiegel aufsitzend (links) und Fleck gehalten (rechts):

    

Begrifferklärung:

                        

Fazit

Mit der “HPP” beschickt UMAREX neben der “SA-177” (Foto unten) den Markt aktuell mit einer weiteren CO2- Waffe mit “Blow-Back”-Funktion aus fernöstlicher Fertigung. Die unverkennbar als “SigSauer”-Nachbau identi- fizierbare Ganzmetallwaffe muss ohne die originalen Markings auskommen und ist von ihrer Ausstattung her sicher kein Mitglied der gehobenen Klasse. Die Verarbeitungsqualität wirkt sauber, fällt aber im Detail z. B. gegenüber der “SA-177” schon ein wenig ab. Insgesamt erhält der Käufer mit dieser Pistole als Gegenwert für rund 100 EUR aber eine Spaßwaffe, die bei angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis viel Actionspaß auf dem Schießstand generiert.

 

Danksagung: Vielen Dank an die Firma “UMAREX” für die freundliche Unterstützung.

GUNIMO

April 2010