Anics A-2002 BERKUT

Anics A-2002 BERKUT

“Berkut” ist die russische Bezeichnung des Königsadler. Der Anklang an diesen wehrhaften und majestätischen Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,20 m, hat viele Marketingstrategen bei Herstellern teils militärischer und martialischer Gerätschaften dazu veranlasst, ihre Produkte mit diesem Beinamen zu schmücken. So finden sich u. a. ein russisches Luftschiff (1910), ein modernes Kampfflugzeug (Suchoi Su-47) und ein Boden-Luftraketen-System unter den Namensverwendern. Aber auch weniger kriegerisches wie ein Raumanzug und ein Fahrrad sind dabei... sowie nun eine CO2-Pistole aus dem Hause “ANICS”.

Hersteller: ANICS Group, Moskau (Russland), www.anics.com

Modell: A-2002 BERKUT

Serien-Nr.: 9714142

    

    

Kaliber: 4,5 mm (.177)

Magazinkapazität: 22 Schuss (Kettenmagazin, Fotos unten)

System: CO2

Antrieb: 12g-CO2-Kapsel

Ausbeute je Kapsel: ca. 90 - 100 Schuss

Länge: 195 mm

Höhe: 142 mm

Breite: 42 mm

Gewicht: 745 g (leer)

    

Abzug: Single Action / Double Action

Abzugsgewicht: SA ca. 2.200 g / DA ca. 5.200 g

Anzugscharakteristik: schwergängig, kriechend bis kratzig, ohne definierten Druckpunkt

Mündungsgeschwindigkeit: ca. 130 m/s (Herstellerangabe)

    

Visierung: justierbar, weiße Markierungen an Kimme und Korn (Bilder oben)

Sicherung: manueller Schwenkhebel beidseitig (Bilder unten) - Die Sicherung kann nur bei gespanntem oder halb gespannt gehaltenem Hahn betätigt werden!

    

Ausführung: Griffstück und Magazin Kunststoff, Schlitten Druckguss lackiert, beweglicher Schlitten, kein “BlowBack”

Lieferumfang: Plastikkoffer, Manual (englisch), 2. Magazin, Ladewerkzeug, Metallstab um steckengebliebene Diabolos aus dem Lauf zu schieben und ggf. Ladehemmungen zu beheben.

Preis 2008: ca. 200,- EUR

    

    

    

    

Sicherung:

Die manuelle Sicherung der Waffe kann nur bei gespanntem oder halb gespanntem (etwas zurückgezogenem) Hahn aktiviert werden (in Position “SAFE”/“sicher” geschwenkt werden). Dazu wird der beidseitig angebrachte Schwenkhebel in die obere Position gebracht. Bei entspanntem Hahn kann der Abzug zwar frei durchgezogen werden, bleibt jedoch ohne Funktion. Im vorgespannten Modus wird der Hahn zwar ausgelöst, jedoch wird er vor dem Auftreffen auf den Ventilstößel von einer Sperre abgefangen.

    

Abzug und Hahn:

Das Vorspannen des Hahns kann direkt per Daumen oder aber durch das Zurückziehen des Schlittens erfolgen. Letzteres erfordert jedoch einen sehr hohen Kraftaufwand. Der Schlittenfang funktioniert gleichermaßen bei eingeschobenem sowie bei entnommenem Magazin. Bei vorgespanntem Hahn (Single Action Modus) verkürzt sich der Abzugsweg deutlich (Bilder unten).

    

    

Bilder unten: Heckansichten. - Rechtes Foto = Blick auf den Ventilstößel bei vorgespanntem Hahn. 

    

Griff:

Der Kunststoff des Griffstücks ist matt, fühlt sich stumpf an und hinterlässt ein insgesamt angenehmes Kantaktgefühl. Die Griffhöhe bietet einer mittelgroßen Hand ausreichend Platz um alle Finger auf dem Griff platzieren zu können. Der Griffumfang ist allerdings recht üppig bemessen und passt wohl eher zu größeren Händen. Subjektiv würde ich ihn ergonomisch nicht als sonderlich bequem und griffgünstig einstufen. Besonders im Bereich des unteren Griffrückens bildeten sich an meiner Hand rasch unangenehme Druckstellen aus.

    

Visierung:

Die winzige Stellschraube für die Kimmen-Höhenjustierung befindet sich mittig oben auf dem Kimmensockel. Das seitliche Verschieben erfolgt ohne Schraubfixierung. Dabei muss leider recht rustikal auf das Kimmenbauteil eingewirkt werden, da es sehr stramm in seiner Halterung/Führung sitzt. Ein feinfühliges Justieren ist so nur sehr schwer möglich.

    

Magazin:

Um das Magazin entnehmen zu können betätigt man den tropfenförmig gestalteten Entriegelungsknopf am Griffstück, direkt hinter dem Abzugsbügel (Bilder unten).

  

Bei der A-2002 kommt wieder ein Magazinsystem zum Einsatz, wie wir es von vorangegangenen Modellen aus dem Hause “ANICS” kennen (Bild oben). Analog zur “Beretta A-9000 S” stehen auch hier wieder 22 Kammern zur Verfügung. Innen im transparenten Kunststoffgehäuse befindet sich eine Art rollierendes Kettenmagazin aus Gummi, in denen jeweils ein Geschoss untergebracht wird. Um dies zu bewerkstelligen, kommt nun die obligatorische und praktische Ladehilfe zum Einsatz. Mit diesem Werkzeug kann die Setztiefe der Geschosse genau kontrolliert und vereinheitlicht werden.

Entnommen wird das Magazin nach vorherigem Betätigen des Entriegelungsknopfes am Griffstück vor dem Abzugsbügel. Es gleitet leider nicht selbstständig heraus, sondern muss manuell herausgezogen werden, was sich mitunter als hakelige Angelegenheit entpuppt und stets etwas Nachdruck erfordert.

“ANICS” hat im Rahmen der Weiterentwicklung seiner Magazinmodule bei jedem neuen Modell stets eine Neuerung eingeführt: Bei der A-3000 gibt die Ladeöffnung nur gerade mal drei Magazinkammern frei, bei der A-9000 liegen insgesamt 12 Kammern zugänglich offen. Hier nun findet man ein zur Seite schiebbares “Fenster” vor, dass nach dem Ladevorgang (5 Kammern liegen frei) wieder geschlossen wird - Bild unten links, v.l.n.r.

    

CO2-Kapsel

Um die Kammer zum Einlegen der CO2-Kapsel zu öffnen, was nur bei entnommenem Magazin durchführbar ist, schwenkt man zunächst den ringförmigen Griff heraus. Um die zweiteilige Kammerabdeckklappe öffnen zu können, muss die Sperrklinke am unteren Ende des Griffrückens nach aussen gedrückt werden (Bilder unten und Abb. oben “Fig 8” und “Fig. 9”). Nach dem Bestücken mit der CO2-Kartusche den Deckel der Kammer bis zum hörbaren einrasten zudrücken. Anschließend mit der Rändelschraube die CO2-Kartusche gut fixieren und dann die Abdeckklappe schließen (Anstechvorgang).

    

Foto unten: Griffbodenansichten von links nach rechts - A-2002 BERKUT, SKIF A-3000, A-9000S

Auf dem Schießstand:

“Ohne Fleiß kein Preis.” - Das sagt schon ein altbewährtes Sprichwort. Und auch beim Beladen des BERKUT- Magazins kommt es sinnvoll zur Anwendung, ist dies doch wieder ANICS-typisch ein recht arbeitsreiches Unterfangen. Nach dem öffnen der rückseitigen Ladeklappe liegen stets fünf der insgesamt 22 Magazinkam- mern offen, in die man jeweils ein Diabolo einsetzt. Während der Testdurchgänge stellte sich heraus, dass es ratsam ist, die Geschosse jeweils nur so weit zu implementieren, bis deren Kelche mit dem Rand der Gummi- halterung abschließen. Tieferes einschieben, z. B. mit der im Lieferumfang beiliegenden Setzhilfe, führten wiederholt zu Transportproblemen durch nach vorne herausrutschende Diabolos, die sich dann in den Magazingehäuseaussparungen verhakten. Nach hinten können die Projektile nicht herausgleiten, da das Magazin auf der Rückseite komplett geschlossen ist, sobald die Ladeklappe zugeschoben wurde. (Details zum Magazin siehe Abhandlung im betreffenden Kapitel weiter oben). Das Ladewerkzeug kann dazu verwendet werden, das Kettenmagazin zum Bestücken mit Diabolos weiter zu drehen.

Erste Testschüsse auf 6-8 Meter Distanz ergaben erhebliche Tiefschüsse. Dabei landeten die Diabolos allesamt nicht im Scheibenkasten, sondern schlugen stets darunter ein. Da die Treffpunktlage bei dem getesteten Exemplar so extrem tief lag, hatte ich die Visierung sofort bis zum Anschlag nach oben gestellt. Auf 6 m Schussdistanz zur 10 m-LP-Zielscheibe (17x17 cm) ergaben sich bei Fleck im Spiegel gehaltener Waffe noch immer deutliche Tiefschüsse (siehe Scheiben unten). Kein akzeptables Ergebnis. Ein paar eigenhändige Modifizierungen an der Visiereinrichtung (Verlängerung der Kimme) könnten hier ggf. für eine Verbesserung sorgen. Der Auslieferungszustand der Neuwaffe ist diesbezüglich völlig inakzeptabel.

Zweiter Kritikpunkt ist der DA-Abzug. Mit gemessenen 5.200 g Abzugswiderstand, liegt dieser in einem Bereich, der zum starken Verreißen der Waffe führt, da man diese - selbst beidhändig gehalten - nicht mehr ruhig im Ziel halten kann. Hinzu kommt der lange Abzugsweg, mit seiner schabend-kratzigen Charakteristik, die wohl auf den Magazintransport mittels Abzugsmechanik zurückgeht. Bei entnommenem Magazin ist die Charakteristik verbessert, dies spielt jedoch im Schießbetrieb naturgemäß keine Rolle. Der Widerstand steigt kurz vor der Schussaulösung nochmals deutlich an und der Schuss bricht recht unvermittelt, da es keinen fühlbaren Druckpunkt gibt. Die Kombination dieser genannten Eigenschaften lässt wenig Freude aufkommen. Wirklich präzieses Schießen ist schwerlich zu praktizieren. Anders der Single-Action-Modus: Der Vorzugsweg ist sehr deutlich verkürzt, es ist ein Druckpunkt feststellbar und der Abzug löst bei ca. 2.200 g Widerstand aus. Hier findet man also eine halbwegs ansprechende Charakteristik vor, wenn auch der Druckpunkt dem Zeigefinger letztlich zu viel Kraft entgegensetzt. Die Schussgruppen auf den unten gezeigten Scheiben sind dennoch insgesamt durchaus ansehnlich. Waffe in beidhändigem Anschlag und bei aufgelegten Unterarmen gehalten.

Scheiben 1 und 2: 17x17cm, 6 m Distanz, verwendete Diabolos “H&N Diabolo Sport”, jeweils 10 Schuss,  Single Action (SA), aufgelegt

  

Scheiben 3 und 4: 17x17cm, 6 m Distanz, jeweils 10 Schuss, Double Action (DA), aufgelegt

  

 

Waffe zerlegen:

    

Magazin entfernen

 Zerlegehebel (linksseitig über dem Abzug) nach unten drehen (Foto unten)

Hahn spannen

 Schlitten in die hinterste mögliche Position ziehen und nach oben abheben

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge wie oben unter “Waffe zerlegen” beschrieben.

Fazit:

Die kompakte “A-2002 BERKUT” trägt m. E. ein sehr gelungenes Design zur Schau. Sie zeigt einen Mix aus Stil- elementen verschiedener moderner Großkaliberpistolen, ohne jedoch ein konkretes Modell zum Vorbild zu haben. Die Verarbeitungsqualität ist gut, es kommen recht hochwertige Materialien zum Einsatz und die Bedienteile sind weitestgehend mit realistischen Funktionalitäten belegt. In der Vitrine gibt diese Pistole allemal ein ansehnliches Bild ab.

Auf dem Schießstand allerdings zeigt die Waffe Schwächen. Viele davon kann man mittlerweile getrost als absolut ANICS-typisch bezeichnen. Alles wie gehabt! Offenbar reitet der Hersteller auf seiner eingefahrenen Welle und lässt User-Kritik unbeirrt an sich abprallen. Ob dass der richtige Weg ist, um Kunden zu überzeugen, darf als eher fraglich gelten. Ob die Waffe für rund 200,- EUR ein “Must Have” darstellt, muss jeder geneigte Interessent letztlich für sich selbst entscheiden. Eine Topp-Empfehlung ist sie meiner Ansicht nach nicht.

GUNIMO

November 2008

 

...und zur Abrundung noch einige Vergleichsfotos der “ANICS”-Modelle “A-3000”, “A-9000S” und “A-2002”

    

    

GUNIMO

November 2008