Selbstverteidigung mit Gaswaffen??

Selbstverteidigung mit Gas-/Schreckschusswaffen??

Besser nicht, denn viele Fakten sprechen dafĂŒr, dass es wesentlich effektiver ist eine CS- oder Pfeffer- Spraydose dazu einzusetzen:

Der Wirkstoff in einer handelsĂŒblichen Dose steht unter deutlich höherem Druck, als in einer Schusswaffenpatrone. Hieraus ergibt sich eine klare Überlegenheit in der Reichweite. Außerdem ist ein viel zielgerichteterer Einsatz möglich, da aus der Dose ein SprĂŒhstrahl entweicht, die Gaswaffe hingegen eine Wirkstoff-„Wolke“ freisetzt. Besonders bei Wind ein wesentlicher Aspekt fĂŒr den Angegriffenen, um zu vermeiden, selber in den „Genuss“ der Wirkungsweise zu kommen.

Fehlbedienungen sind beim Einsatz von Schusswaffen keine Seltenheit und unterlaufen meist den Menschen, die im Umgang mit Waffen ungeĂŒbt sind. In der Stresssituation eines Angriffs auf Leib und Leben, wird dies dem Opfer oft zum VerhĂ€ngnis. Da wird dann vergessen die Pistole durch zu laden, oder den Entsicherungshebel zu betĂ€tigen. Auch technische Defekte wie Ladehemmungen durch ZufĂŒhrungsstörungen (Pistole), oder fehlerhafte Trommelmechanik (Revolver) sind keine Seltenheit, wenn z. B., mit RĂŒcksicht auf den Anschaffungspreis, auf ein qualitativ geringwertiges Produkt zurĂŒck gegriffen wurde. Das Handling einer Spraydose ist wohl jedem weitaus gelĂ€ufiger.

Dann ist da noch das hohe Drohpotential einer Schusswaffe. Dies ist oft ein Eskalationsfaktor bei der Verteidigung mit einer Waffe. Der Angreifer könnte die Schreckschusswaffe fĂŒr eine „scharfe“ Schusswaffe halten und sich quasi gezwungen sehen heftiger zu reagieren, oder gar selber scharf zu schießen. Dies gilt besonders dann, wenn dem Angreifer eine zu lange Reaktionszeit zugebilligt wird, und der Angegriffene ohne Schussabgabe mit der Gaswaffe herumfuchtelt. Eine Spraydose wird wohl niemand mit einer realen Waffe verwechseln.

Nun ist auch ein Szenario denkbar, bei dem es das Opfer mit mehreren Angreifern gleichzeitig zu tun bekommt. Hier ist die Reaktionszeit fĂŒr jeden Angreifer deutlich höher. Da wird dann auch die grĂ¶ĂŸere Gasmenge in der Spraydose zum Vorteil gegenĂŒber der Gaswaffe. Ob der laute Schussknall als Abschreckungsfaktor fĂŒr die Waffe spricht ist eher fraglich.

Ein weiteres Pro des Spraygebindes ist, dass man es leichter am Körper verstauen kann, weil es vom Gewicht und den Maßen kompakter ist. Besonders im Sommer, an heißen Tagen, lĂ€sst sich eine Schusswaffe nur schwerlich verdeckt fĂŒhren. 

Bei allen bereits aufgefĂŒhrten Argumenten ist der ganz erhebliche Preisvorteil bei der Anschaffung eines Abwehrsprays wohl der deutlichste Aspekt. Dieser kann selbst von den BefĂŒrwortern des Gaswaffeneinsatzes zur Selbstverteidigung nicht wegdiskutiert werden. Erschwerend kommt das Procedere rund um den „kleinen Waffenschein“ hinzu!

Es ist zu bedenken, dass weder Abwehrsprays, noch Gaswaffen zu öffentlichen Veranstaltungen (Volksfeste, MĂ€rkte, Trödel, Kirmes, etc.) mitgefĂŒhrt werden dĂŒrfen!

Hinweis: In Deutschland darf der Pfefferwirkstoff von Privatpersonen ausschließlich zur Tierabwehr eingesetzt werden. Die Staatsmacht hingegen verwendet ihn auch gegen Menschen. Bei den Behörden ist man wegen der besseren Wirksamkeit des Pfeffersprays vom CS-Gas abgekommen.

CS-Gas wirkt besonders bei angetrunkenen oder unter dem Einfluss von Drogen stehenden Personen nur sehr eingeschrĂ€nkt und ist auch fĂŒr den Einsatz gegen Hunde nahezu ungeeignet! Dies hat zur Folge, dass sich der Angreifer nicht abwehren lĂ€sst. CS-Gas wirkt nur ĂŒber die SchleimhĂ€ute. Pfeffer hingegen erzielt seine Wirkung auch ĂŒber die Haut und ist deshalb erheblich wirkungsvoller. Im Falle eines Angriffs auf Leib und Seele sowie Hab und Gut greift der Tatbestand der Notwehrhandlung. Wenn man also ein PfefferprĂ€parat gegen ein zweibeiniges „Tier“ einsetzt, dĂŒrfte man deshalb kaum mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Deshalb ist meine Empfehlung fĂŒr die wirkungsvolle Selbstverteidigung eindeutig das PFEFFERSPRAY.

Bemerkung: Das beste Mittel nicht Opfer eines Angriffs zu werden, ist ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten. Dazu gehört z.B. auch eine betont aufrechte Körperhaltung und ruhige BewegungsablÀufe. Sollten sich erste Anzeichen einer drohenden Konfrontation einstellen, die auch durch beschwichtigendes Verhalten durch den Bedrohten nicht abzuwenden sind, dann sollte man sich durch Flucht der Situation entziehen. Erst wenn dies nicht möglich ist oder zwecklos erscheint, dann sollte der Einsatz des Sprays unvermittelt erfolgen.

Auch dann gilt: Man benutzt das Spray am sichersten sozusagen zur Fluchtvorbereitung. Will sagen: UnverzĂŒglich in die Richtung des Angreifers sprĂŒhen, sich nicht weiter um diesen kĂŒmmern, oder gar versuchen ihn dingfest zu machen, und dessen momentane Orientierungslosigkeit nutzen um der Situation zu entkommen. Wer ist schon so kampferprobt um im Moment eines Angriffs eiskalt und knallhart agieren zu können. Es ist stets darauf zu achten, die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit der Mittel zu wahren, um nicht spĂ€ter durch die Justiz vom Opfer zum TĂ€ter gemacht zu werden.

Übrigens sind FolgeschĂ€den beim Einsatz von PfefferprĂ€paraten kaum zu erwarten, da sie sich leicht abwaschen lassen. Das bedeutet, dass die zunĂ€chst heftige Reaktion nach geeigneten Gegenmaßnahmen spĂ€ter folgenlos bleibt. CS-Gas, insbesondere wenn aus kurzer Entfernung abgegeben, kann zu bleibenden SchĂ€den beim Getroffenen fĂŒhren! Besonders kritisch ist diese Wirkung, wenn das Gas aus einer Schusswaffe abgefeuert wird, denn beim Schuss werden auch grobe Partikel des Patronenverschlusses und PulverrĂŒckstĂ€nde herausgeschleudert, was zu erheblichen Verletzungen im Bereich der Augen fĂŒhren kann. Wer möchte schon gerne lebenslĂ€nglich fĂŒr einen GeschĂ€digten aufkommen, der z.B. wegen der Einbuße seines Augenlichtes erwerbsunfĂ€hig geworden ist. Die Unterscheidung zwischen TĂ€ter und Opfer kann in diesem Falle fließend sein... Recht haben und Recht bekommen ist eben auch oft reine GlĂŒcksache. 

Hier noch eine interessante Beitragssammlung:  http://www.mkw-security.de/shop/info-pfefferspray.htm

 

Finger weg von Basteleien an Schreckschusswaffen! Das ist nicht nur verboten, sondern auch sehr gefÀhrlich!

Signal-/Gas-/Schreckschusswaffen (SSW) unterliegen der BauartprĂŒfungspflicht durch die „Physikalisch Tech- nische Bundesanstalt“ (PTB). Die vom jeweiligen Hersteller angemeldeten und der PTB zur PrĂŒfung vorgelegten Modelle (PrĂŒfexemplare), erhalten vor der Vermarktung eine PTB-Kennnummer zugeteilt, wenn diese den geltenden PrĂŒfregeln entsprechen. Jegliche spĂ€teren Bearbeitungen und Manipulationen an wesentlichen Teilen von SSW fĂŒhren unmittelbar zum Erlöschen der Zulassung des modifizierten Exemplars. Die Waffe ist dann in der Folge nicht mehr frei und nicht mehr legal ab dem 18 Lebensjahr zu besitzen, sondern wird wie eine „scharfe Schusswaffe“ gewichtet. Es ist daher de facto unmittelbar der Straftatbestand des illegalen Waffenbesitzes gegeben. Zur Anzeige gebrachte VerstĂ¶ĂŸe dieser Art, haben empfindliche Geld- und/oder Freiheitsstrafen zur Folge. Die waffenrechtliche ZuverlĂ€ssigkeit des Besitzers erlischt außerdem.

Illegale Modifikationen sind z. B. jede mechanische Bearbeitung von Lauf, Laufsperre, Verschluss, Rahmen, Griff- stĂŒck, Patronenlager oder Trommel. Ebenso ist das Ändern, Entfernen oder Unkenntlichmachen von Beschrif- tungen und Beschuss-/PrĂŒfkennzeichen verboten.

Auch technische Änderungen der Funktion, wie Modifikationen an der Abzugsmechanik, welche den Schieß- modus beeinflussen (Feuerstoß, Full-Auto anstatt Einzelschuss je AbzugsbetĂ€tigung), fĂŒhren zum sofortigen Erlöschen der Zulassung. Eine so bearbeitete Waffe ist in Deutschland nicht legal zu besitzen.

Bei illegal modifizierten Waffen besteht u. U. ein erhöhtes Unfallrisiko fĂŒr den SchĂŒtzen, da die geprĂŒfte Sicher- heit nur bei bestimmungsgemĂ€ĂŸer Verwendung gewĂ€hrleistet ist!

Weitere Verbote: Das Anbringen von gesetzlich verbotenen GegenstÀnden (z. B. Laser, Lampen und alles was das Ziel direkt anstrahlt) und Modifikationen, welche die Waffe so verÀndern, dass diese nicht mehr eindeutig als Schusswaffe zu erkennen ist, sondern den Anschein eines Gegenstandes des tÀglichen Bedarfs erweckt. Hier denkt man gerne an klassisches Agentenzubehör, wie etwa eine Schusswaffe im GehÀuse einer Bohr- maschine, o. À..

 

http://www.muzzle.de/Recht/Beschussverordnung/beschussverordnung.html

http://www.muzzle.de/Zubehor/PTB-Liste/ptb-liste.html

http://www.muzzle.de/N4/Schreckschuss/Schreckschusswaffen_-_Eine_Zus/schreckschusswaffen_-_eine_zu s.html

 

GUNIMO

September 2002 / Juli 2012