HĂĽlsenpfeil-Pistole

HĂĽlsenpfeil-Pistole Mod. 75

der Firma HS (H.Schmidt), Ostheim/Rhön

  

  

Basiswaffe: Die “HS 75” basiert technisch auf dem Rundkugelmehrlader Modell “HS71”

Technische Daten:

System: Federdruck, Seitenspanner, Einzellader

MĂĽndungsenergie (Vo): um 70 m/s  (ca. 2 Joule)

Länge: 295 mm

Höhe: 150 mm

Breite: 40 mm

Gewicht: 890 g

„Munition“: Plastikhohlpfeile  -  Länge 3,9 cm, Durchm. 6 mm (ohne Leitwerk)

Vsierung: Balkenkorn, Kimme horizontal und vertikal justierbar, Visierlinie 267 mm

Sicherung: automatische Abzugssicherung beim Spannvorgang

Neupreis 1970er Jahre: DM 71,-

Bemerkung:   Diese Pistole ist im rechtlichen Sinne keine Waffe, da kein Projektil durch einen Lauf getrieben wird. Trotzdem stelle ich sie hier vor, weil es sich um ein durchaus interessantes SammlerstĂĽck handelt.

Mutmaßlich stammt die Pistole aus den 60/70er Jahren. Das Griffteil besteht aus braunem Hartplastik, das Systemgehäuse aus Metall (Druckguss), und ist mit schwarzem, rauem Schrumpflack überzogen. Insgesamt verströmt sie nicht das Flair eines Kinderspielzeugs, obwohl die Konzeption darauf hinweist.

    

Basiswaffe ist der Rundkugelmehrlader Modell “HS71” (Sprengzeichnung unten links), was man u. a beim Blick auf den Kornsockel unschwer erkennen kann. Dort findet sich auch bei der “HS 75” das Loch für den Kugelein- fülltrichter ebenso, wie die Bohrung für das bei der Hülsenpfeilpistole sinnlose und daher nicht vorhandene Mündungsstück mit Lauf (Bilder oben und unten rechts). Man musste nun einfach ein bis zur Mündung verlängertes Luftrohr einbauen und fertig ist die Pfeilpistole.

    

Foto oben: “HS 71” 2 x mit Kunststoffgriff und die sehr seltene ältere Version mit Holzgriff.

 

Im Originalkarton liegen vier rote Pfeile aus Plastik bei, die in der Mündung auf einen dünnen Hohldorn gesteckt werden, aus dem die komprimierte Luft bei der Schussabgabe entweicht. Vom aufgesteckten Pfeil ragt lediglich noch die abgerundete „Spitze“ ein wenig aus dem Laufmantel hervor. Im Prinzip ist ja der Hohldorn der eigentliche ‚Lauf’. Die Pfeile besitzen ein vierflügeliges Leitwerk, dass ihnen die Form einer Mini-Rakete verleiht.

  

  

Bilder unten: Mündungsbereich der “HS71” zum Vergleich

   

Die Pfeile sind 3,9 cm lang, wiegen ca. 0,8 g und beherbergen in ihrer Spitze eine Stahlkugel mit 4 mm Durch- messer, die ihnen Vorderlastigkeit gibt:

 

Nachtrag im Dezember 2008 zum Thema Pfeile: Wer geglaubt haben mag, zur “HS75HPP” wäre bereits alles gesagt, der sieht sich nun getäuscht. ;-) Denn tatsächlich ist es so, dass damals offenbar zwei völlig ver- schiedene Arten von Pfeilen in Umlauf gebracht wurden. - Nun, vermuten konnte man das bereits bei Ansicht der unten gezeigten farbig gedruckten Bedienungsanleitung, denn die dort abgebildeten Pfeile haben so garnichts gemein mit den roten “Raketen”. Und nun ist mir doch tatsächlich ein Belegstück dieser Pfeilsorte “zugespielt” worden. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Ronald (“daron01”), seines Zeichens nun stolzer Neubesitzer einer dieser seltenen “HüPfPi”s.

And here he is:

Aus milchig-durchscheinendem Kunststoff gefertigt und mit kelchförmig aufgeweitetem Heck, präsentiert sich der “bleichgesichtige” Hülsenpfeil in einer Länge von 3,9 cm und einem Durchmesser von 4 mm. Das entspricht also jenen Maßen, die auch sein “roter Bruder” vorzuweisen hat.

        

Von Ronald (“daron01”) stammt auch die folgende Idee, wie man mit Pfeilen der Marke “Eigenbau” zu Werke gehen kann. Der Ansatz ist ebenso einfach wie genial und für jeden rasch umsetzbar. Die Bilder unten zeigen verschiedene medizinische Kanülenhüllen (Kanülen = Hohlnadeln/Injektionsnadeln), die jeweils mit einer Schraube vorne beschwert worden sind. Billig in der Herstellung funktionieren sie nach Auskunft des Bastlers tadellos.

    

 

Damit aber noch nicht genug an Neuigkeiten, denn auch eine andere Variante der mitgelieferten Bedienungsanleitung lässt sich nun hier vorweisen. (Auch dafür geht mein Dank wieder an “daron01”!) - Neben dem o. g. gedruckten Exemplar, ist auch diese - etwas improvisiert wirkende - handgezeichnete und manuell geschriebene Version zeitweise der Pistole beigelegt worden. Diese Ausführung hat doch wirklich einen gewissen nostalgischen Charme, oder?!?

Falls jemand ein Belegstück des erwähnten Anschlagschaftes vorweisen kann, so bitte ich um Kontaktauf- nahme! - Vielen Dank.

 

Funktion:

Zum Spannen wird der rechtsseitige, hinten angelenkte Hebel, mittels eines Riegels, aus der Arretierung gelöst. Er lässt sich dann recht leichgängig betätigen, d. h. es bedarf für den Spannvorgang keiner großen Kraftanstrengung. Während des Spannvorgangs ist das Abzugszüngel durch die automatische Sicherungs- funktion gesperrt.

Der Pfeil wird bei der Schussabgabe immerhin so kräftig beschleunigt, dass er aus 6 m Entfernung „abge- feuert“, in einem gemeinen Schuhkarton satt stecken bleibt, obwohl er, wie bereits erwähnt, eine abgerundete „Spitze“ aufweist. Eine weitere Beigabe im Karton ist ein aus Pappe vorgefertigter „Schießkasten“ , in den man eine Zielscheibe einstecken kann.

        

Die Präzision, wenn man überhaupt davon sprechen sollte, lässt sich so beschreiben: Man trifft eine handelsübliche LP-Scheibe auf ca. 3-4 m eigentlich fast immer, nur kann man nicht vorherbestimmen wo, auch nicht mit konzentriertem Zielen. Da hilft auch die reichliche Einnahme von ‚Zielwasser’ nicht weiter. Möglicherweise hängt die mäßige Treffgenauigkeit aber damit zusammen, dass alle Pfeile kleine Defekte am Leitwerk aufweisen. - Sei’s drum. Es macht trotzdem Spaß, aus diesem „(Kinder)??-Spielzeug“ ein paar Pfeile auf Schuhkartons abzufeuern. Es ist halt mal etwas anderes.

        

Nachtrag: Wie der Zufall es manchmal einrichtet, gelang es mir im August 2006, viele Jahre nach dem Erwerb des ersten Exemplares, nun eine zweite “HS75HPP” in meine Sammlung zu integrieren. Diese ist ebenfalls technisch und optisch in einwandfreiem Zustand, aber ohne Originalverpackung. Die Tatsache, dass über diesen Zeitraum hinweg weder weiterführende Informationen zu beschaffen waren, noch es gelang andere Belegstücke dieses Modells nachzuweisen, zeigt die offenbar sehr geringe Verbreitung dieser Pfeilpistole. Bemerkenswert und erfreulich ist auch die Tatsache, dass der zweiten Pistole eine größere Anzahl perfekt erhaltener Hohlpfeile beilag. Der Schießstest mit dem zweiten Exemplar, unter Verwendung einwandfreier Pfeile, ergab auf ca. 6 m Distanz eine 5-Schuss-Streuung von ca. 40 cm. Präzisionswunder sehen anders aus! ;-)

(Im Zusammenhang mit dem gelungenen Erwerb des “HS75”-Exemplares an dieser Stelle meine Danksagung an “Anotfri” und “Donnervogel”)

Bild unten rechts: Bei einem der Exemplare findet man unter dem Korn das “F” im Pentagon, welches 1970 eingeführt wurde und Druckluftwaffen kennzeichnet, die eine Mündungsenergie von 0,5 J – 7,5 J aufbringen und damit frei ab 18 Jahren erhältlich sind. Beim Pendant fehlt diese Kennzeichnung. Wie bereits erwähnt ist die Hülsenpfeilpistole keine Waffe im rechtlichen Sinne und benötigt eine solche Kennzeichnung daher grundsätzlich nicht. Erklärbar ist sie allerdings damit, dass das Gehäuse, wie oben gezeigt, von der Luftpistole “HS Modell 71” übernommen wurde. Der Herstellungs-/Vermarktungszeitraum für die “HS75” lässt sich daraus zumindest ansatzweise ableiten und auf Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre datieren.

  

Drittes Exemplar, “DBGM” ohne “F”    (Zugang April 2007, incl. Originalverpackung, kein weiteres Zubehör)

  

  

Ich habe versucht, mir Hintergrundinformationen zu der „HS Mod. 75“ zu verschaffen, was mir aber bisher leider nicht gelungen ist. Sollte jemand über Wissen zu dieser Pistole verfügen, bitte ich um Kontaktaufnahme.

 

Die “HS75” in der Fachpresse: VISIER November-Ausgabe 2007

Die Vorschau im zu “VISIER” gehörenden Waffenforum “co2air.de”:

Der Artikel:

Fotos Michael Schippers:

  

  

Reaktion auf den VISIER-Artikel:

Im November 2007, kurze Zeit nach dem Erscheinen des o. g. Artikels, hatte ein VISIER-Leser über die Redaktion der Zeitschrift Kontakt mit mir aufgenommen. Und siehe da: Gleich drei “HS75 Hülsenpfeilpistolen” hatten damals, direkt aus der Konkursmasse der Firma “HS”, den Weg in seine Hände gefunden und standen nun zum Verkauf. Dabei auch ein gutes Kontingent an Pfeilen und zwei Papp-Scheibenhalter, alles im Originalkarton. - Wenn sich solche seltenen Gelegenheiten bieten, dann schlägt ein Sammler natürlich zu, und so erweitern die drei sehr gut erhaltenen Pistolen nun meine Sammlung. (Bilder unten)

          

Nach dem Verkauf einer “HS75” aus meiner Kollektion an einen Sammlerkollegen (Anfang November 2007), dĂĽrften die 5 vorhandenen Exemplare mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl das größte zusammengetragene Kontingent dieser Pistole darstellen, ... oder?? - Wer bietet mehr?  :-)

GUNIMO

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