AnschĂĽtz Match Modell 220

AnschĂĽtz Match Modell 220

Einschüssiges, prellschlaggedämpftes Druckluftgewehr mit Seitenspannhebel (1962/66)

Kaliber: 4,5 mm

System: Federdruck mit Massenausgleich (erschĂĽtterungsfrei), Seitenspanner

Abzug: Matchabzug, justierbar

Lauflänge: 43 cm, 12 Züge

Gewicht: 4,3 kg

Länge: 110 cm

Breite: 7 cm

Höhe: 25 cm (ohne Diopter)

Höhe: 28 cm (mit Diopter)

Schaft: Nussbaumholz mit Backe

        

Anno 2001 konnte ich dieses recht guterhaltene Luftgewehr erwerben, das als Zielvorrichtung einen Diopter trägt und mit einem Korntunnel ausgestattet ist. Es zeigt zwar einige Gebrauchsspuren am Schaft und vor allem am Kolben, ist aber trotz des fortgeschrittenen Alters in einem erfreulichen Zustand. Da im Griffbereich keine Abnutzungserscheinungen erkennbar sind, scheint es so, als sei das Gewehr wenig benutzt worden, es wurde dann allerdings nicht sehr pfleglich damit umgegangen.

            

Abb. unten: Auszug aus dem Buch “Anschütz - Büchsenmacher seit Jahrhunderten” - Autor Dieter Mutard, erschienen im “Motorbuch Verlag”.

Wie ich von Kennern der Materie erfahren konnte, handelt es sich bei diesem AnschĂĽtz-Gewehr um ein recht interessantes Modell mit „Geschichte“. So errang Gerhard KĂĽmmet, im Jahre 1966 in Wiesbaden, mit einem solchen Modell den Weltmeister-Titel mit 385 von 400 möglichen Ringen. Quelle hierfĂĽr ist das „Visier-Special Druckluftwaffen“ von 1996. Aus diesem Heft stammt auch das Schwarz-WeiĂź-Foto, das Gerhard KĂĽmmet mit dem “AnschĂĽtz 220” zeigt. Dieses Gewehr ging wohl u. a. wegen eines Patentstreites nie in GroĂźserie. DafĂĽr kam dann das bekanntere “Modell 250” (siehe Bilder unten) auf den Markt. Das  “Match 220” wird in der einschlägigen Literatur teilweise tatsächlich als „Prototyp“ bezeichnet (z.B. Beeman Airgun-Digest), jedoch sprechen andere Quellen von einigen tausend produzierten StĂĽcken. Die genaueste Angabe war 11.000 StĂĽck. Sollte diese Zahl zutreffen, ist die Bezeichnung „Prototyp“ meines Erachtens nicht haltbar. Sei’s drum. Das AnschĂĽtz 220 ist sicherlich keine Massenware. Die zweite Schwarz-Weiss-Abbildung stammt aus einem alten Katalog. Bei näherem Betrachten fällt auf, dass auf dieser Waffe ein anderer Diopter montiert ist, als an meinem Exemplar.

Fotos unten: Das “Anschütz Match 250”

Fotos unten: Diopter auf “Anschütz 220”

          

Ein englischer Sammler hat sein 220 jüngst bei seiner Sammlungsauflösung im www für sage und schreibe 550,- engl. Pfund angeboten. In der original Box. Ich darf sagen, dass ich für mein Exemplar einen wesentlich geringeren Betrag aufwenden musste. In Kenntnis aller Fakten kann ich wohl mit Fug und Recht von einem „Schnäppchen“ sprechen.

          

Der Schießtest mit dem Gewehr, zunächst leider nur auf 8 m möglich, zeigte dann ein sehr gutes Resultat. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich ja kein Meisterschütze bin. Das Ergebnis kann anhand der hier gezeigten LG-Zielscheiben begutachtet werden. Erfreulich gering ist die Kraftanstrengung, die benötigt wird, um die Waffe zu spannen. Überhaupt kommen Technikbegeisterte beim Anschütz 220 ins Schwärmen. So besitzt das Gewehr ein prellschlagdämpfendes Rücklaufsystem, wie der Fachmann es nennt und eine bewegliche Lademulde. Und das ist wirklich fein gemacht: Wenn man den Spannhebel nach hinten zieht, öffnet sich die Lademulde hinter dem Lauf und eine Art Ladeschiene aus Kunststoff bewegt sich nach oben. Mit deren Hilfe kann ein Diabolo ohne grosse Fingerakrobatik in den Lauf eingeführt werden. Legt man den Seitenspannhebel wieder in die Ruheposition zurück, wo er einrastet, hat sich die Laderinne wieder in die untere Position zurückbewegt und das Gewehr ist schussbereit. Probleme dürfte es bereiten, sich für die Waffe Ersatzteile zu beschaffen, bestehen doch die Dichtungen im Innern nach Expertenauskunft aus Ledermanschetten. Mein Exemplar funktioniert aber tadellos.

        

          

Um den Abzug auszulösen, genügt ein Windhauch, sodass ich, als lediglich Freizeitwaffen gewohnter Schütze, doch erhebliche Umstellungsprobleme mit diesem Matchabzug hatte. Einige Schüsse gingen dann in den Kugelfang, weil ich ungewollt den Schuss frühzeitig ausgelöst hatte. Nachdem ich den Diopter dann eingeschossen hatte, und mich an den leichtgängigen Abzug und das vergleichsweise doch recht hohe Gewicht der Waffe gewöhnt hatte, war die Trefferquote dann sehr ansehnlich. Ich kann sagen, dass das Gewehr sehr viel Spaß bereitet und es sicherlich ein Prunkstück meiner Druckluftwaffen-Sammlung darstellt.

Für die freundliche Überlassung von recherchierten Daten und Informationen für diesen Bericht, bedanke ich mich herzlich bei Ulrich Eichstädt und „Pellet“.

 

GUNIMO

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