AnschĂŒtz Match Modell 220

AnschĂŒtz Match Modell 220

EinschĂŒssiges, prellschlaggedĂ€mpftes Druckluftgewehr mit Seitenspannhebel (1965/66)

Kaliber: 4,5 mm

System: Federdruck mit Massenausgleich (erschĂŒtterungsfrei), Seitenspanner

Abzug: Matchabzug, justierbar

LauflĂ€nge: 43 cm, 12 ZĂŒge

Gewicht: 4,3 kg

LĂ€nge: 110 cm

Breite: 7 cm

Höhe: 25 cm (ohne Diopter)

Höhe: 28 cm (mit Diopter)

Schaft: Nussbaumholz mit Backe

        

Vor wenigen Wochen konnte ich dieses recht guterhaltene Luftgewehr erwerben, das als Zielvorrichtung einen Diopter trÀgt und mit einem Korntunnel ausgestattet ist. Es zeigt zwar einige Gebrauchsspuren am Schaft und vor allem am Kolben, ist aber trotz des fortgeschrittenen Alters in einem erfreulichen Zustand. Da im Griffbereich keine Abnutzungserscheinungen erkennbar sind, scheint es so, als sei das Gewehr wenig benutzt worden, es wurde dann allerdings nicht sehr pfleglich damit umgegangen.

            

Wie ich von Kennern der Materie erfahren konnte, handelt es sich bei diesem AnschĂŒtz-Gewehr um ein recht interessantes Modell mit „Geschichte“. So errang Gerhard KĂŒmmet, im Jahre 1966 in Wiesbaden, mit einem solchen Modell den Weltmeister-Titel mit 385 von 400 möglichen Ringen. Quelle hierfĂŒr ist das „Visier-Special Druckluftwaffen“ von 1996. Aus diesem Heft stammt auch das Schwarz-Weiß-Foto, das Gerhard KĂŒmmet mit dem AnschĂŒtz 220 zeigt. Dieses Gewehr ging wohl wegen eines Patentstreites  nie in Serie. DafĂŒr kam dann das bekanntere Modell 250 auf den Markt. Das  Match 220 wird in der einschlĂ€gigen Literatur tatsĂ€chlich als „Prototyp“ bezeichnet (z.B. Beeman Airgun-Digest), jedoch sprechen andere Quellen von einigen tausend produzierten StĂŒcken. Die genaueste Angabe war 11.000 StĂŒck. Sollte diese Zahl zutreffen, ist die Bezeichnung „Prototyp“ meines Erachtens nicht haltbar. Sei’s drum. Das AnschĂŒtz 220 ist sicherlich keine Massenware. Die zweite Schwarz-Weiss-Abbildung stammt aus einem alten Katalog. Bei nĂ€herem Betrachten fĂ€llt auf, dass auf dieser Waffe ein anderer Diopter montiert ist, als an meinem Exemplar.

          

Ein englischer Sammler hat sein 220 jĂŒngst bei seiner Sammlungsauflösung im www fĂŒr sage und schreibe 550,- engl. Pfund angeboten. In der original Box. Ich darf sagen, dass ich fĂŒr mein Exemplar einen wesentlich geringeren Betrag aufwenden musste. In Kenntnis aller Fakten kann ich wohl mit Fug und Recht von einem „SchnĂ€ppchen“ sprechen.

          

Der Schießtest mit dem Gewehr, zunĂ€chst leider nur auf 8 m möglich, zeigte dann ein sehr gutes Resultat. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich ja kein MeisterschĂŒtze bin. Das Ergebnis kann anhand der hier gezeigten LG-Zielscheiben begutachtet werden. Erfreulich gering ist die Kraftanstrengung, die benötigt wird, um die Waffe zu spannen. Überhaupt kommen Technikbegeisterte beim AnschĂŒtz 220 ins SchwĂ€rmen. So besitzt das Gewehr ein prellschlagdĂ€mpfendes RĂŒcklaufsystem, wie der Fachmann es nennt und eine bewegliche Lademulde. Und das ist wirklich fein gemacht: Wenn man den Spannhebel nach hinten zieht, öffnet sich die Lademulde hinter dem Lauf und eine Art Ladeschiene aus Kunststoff bewegt sich nach oben. Mit deren Hilfe kann ein Diabolo ohne grosse Fingerakrobatik in den Lauf eingefĂŒhrt werden. Legt man den Seitenspannhebel wieder in die Ruheposition zurĂŒck, wo er einrastet, hat sich die Laderinne wieder in die untere Position zurĂŒckbewegt und das Gewehr ist schussbereit. Probleme dĂŒrfte es bereiten, sich fĂŒr die Waffe Ersatzteile zu beschaffen, bestehen doch die Dichtungen im Innern nach Expertenauskunft aus Ledermanschetten. Mein Exemplar funktioniert aber tadellos.

        

          

Um den Abzug auszulösen, genĂŒgt ein Windhauch, sodass ich, als lediglich Freizeitwaffen gewohnter SchĂŒtze, doch erhebliche Umstellungsprobleme mit diesem Matchabzug hatte. Einige SchĂŒsse gingen dann in den Kugelfang, weil ich ungewollt den Schuss frĂŒhzeitig ausgelöst hatte. Nachdem ich den Diopter dann eingeschossen hatte, und mich an den leichtgĂ€ngigen Abzug und das vergleichsweise doch recht hohe Gewicht der Waffe gewöhnt hatte, war die Trefferquote dann sehr ansehnlich. Ich kann sagen, dass das Gewehr sehr viel Spaß bereitet und es sicherlich ein PrunkstĂŒck meiner Druckluftwaffen-Sammlung darstellt.

FĂŒr die freundliche Überlassung von recherchierten Daten und Informationen fĂŒr diesen Bericht, bedanke ich mich herzlich bei Ulrich EichstĂ€dt und „Pellet“.

 

 

GUNIMO

Februar 2001 / September 2007 / August 2013